
Vielleicht schaust du auf Instagram und denkst: Da sind doch schon alle. Lohnt es sich überhaupt noch, jetzt anzufangen oder nach einer längeren Pause wieder einzusteigen?
Meine Antwort: Ja, Instagram kann sich weiterhin lohnen. Aber nicht automatisch für jedes Business und auch nicht mit der Erwartung, zweimal pro Woche etwas zu posten und dann schnell eine große Reichweite aufzubauen.
Instagram passt gut zu dir, wenn du Lust auf visuelle Inhalte hast. Du solltest bereit sein, Bilder zu machen, Karussells zu erstellen und dich vor der Kamera zu zeigen. Das heißt nicht, dass du ständig tanzen, jedem Trend hinterherlaufen oder alle zwei Sekunden den Drehort wechseln musst. Deine Inhalte dürfen ruhig sein und zu dir und deiner Art passen. Sie müssen nur so aufbereitet sein, dass jemand beim Scrollen einen Grund hat, kurz stehen zu bleiben.
Wenn du überwiegend im B2B-Umfeld arbeitest und dir das Schreiben sowie der gezielte Netzwerkaufbau leichter fallen, würde ich mir LinkedIn mindestens genauso genau ansehen. Dort kannst du auch über gute Kommentare und den bewussten Aufbau deines Netzwerks sichtbar werden. In meinem Artikel Welche Social-Media-Plattform passt zu dir? kannst du beide Kanäle ausführlicher vergleichen.
Die Frage ist also nicht nur: „Lohnt sich Instagram noch oder ist der Zug abgefahren?“. Die wichtigere Frage lautet: Passt die Art, wie man dort sichtbar wird, zu dir, deiner Zielgruppe und der Zeit, die du investieren kannst?
Instagram ist stark, wenn Menschen nicht nur dein Fachwissen kennenlernen sollen, sondern auch dich. Und Fachwissen ist aus meiner Sicht heutzutage sowieso austauschbar, aber Erfahrung und Persönlichkeit sind deine Alleinstellungsmerkmale. Gerade bei einer persönlichen Dienstleistung spielt Vertrauen eine große Rolle. Ein potenzieller Kunde möchte ein Gefühl dafür bekommen, wie du denkst, wie du erklärst und ob die Zusammenarbeit passen könnte.
Dafür bietet Instagram verschiedene Wege. In einem Karussell kannst du deine Expertise zu einem Thema Schritt für Schritt zeigen. Reels helfen dir eher dabei, auch Menschen zu erreichen, die dir noch nicht folgen und eine Verbindung zu deinen bestehenden Followern aufzubauen. Storys erstellst für diejenigen, die dich bereits kennen und stärkst die Bindung, erfährst mehr über deine Community und kannst viel leichter ein Gespräch per privater Nachricht anstoßen.
Du musst nicht alle Formate gleichzeitig beherrschen. Wenn du fachliche Inhalte gern strukturierst, kannst du zunächst Instagram-Karussells erstellen. Wenn du dich langsam an Videos herantasten möchtest, hilft dir mein Artikel über Reels für Coaches über 40. Und wenn du aus stillen Followern echte Kontakte machen möchtest, schau dir an, wie du Instagram-Storys für die Kundengewinnung nutzt.
Instagram passt eher zu dir, wenn du diese Fragen überwiegend mit Ja beantworten kannst:
Arbeitest du stark im B2B-Bereich, kann LinkedIn der direktere Weg sein. Du kannst dort gezielt die Menschen und Unternehmen in dein Netzwerk holen, die für dein Business interessant sind. Gute Kommentare unter den Beiträgen anderer bringen ebenfalls Reichweite, auch wenn du selbst nicht täglich veröffentlichst.
Für viele Selbstständige ist außerdem angenehm, dass der visuelle Aufwand geringer ist. Drei gute Beiträge pro Woche bilden auf LinkedIn bereits eine tragfähige Frequenz. Auf Instagram würde ich höher ansetzen, wenn der Kanal wirklich dein wichtigster Ort für Community-Aufbau und Kundengewinnung werden soll.
Ich würde dir deshalb nicht automatisch zu Instagram raten, nur weil dort viele Menschen unterwegs sind. Wenn dir LinkedIn fachlich, vom Format und von deiner Zielgruppe her besser liegt, ist das keine zweitbeste Lösung. Dann ist es wahrscheinlich einfach der passendere Kanal.
Auf Instagram sind heute sehr viele Unternehmen, Selbstständige und Creators sichtbar. Entsprechend mehr Inhalte konkurrieren um dieselbe Aufmerksamkeit. Die durchschnittliche Interaktionsrate ist 2025 noch einmal gesunken. Eine Auswertung von 35 Millionen Instagram-Beiträgen zeigt gleichzeitig, dass Karussells weiterhin gut funktionieren und Reels nur knapp dahinterliegen.
Das deckt sich mit meiner Erfahrung: Instagram funktioniert noch, aber ein beliebiges Foto mit einem langen Text darunter reicht meistens nicht mehr. Auch ein Video wird nicht automatisch gut, nur weil du dein Gesicht zeigst.
Besonders bei Coaches, Beraterinnen und Trainerinnen sehe ich häufig denselben Punkt. Sie hören den Rat „Mach einfach“ und nehmen dann irgendwie ein Video auf. Nur fehlen Untertitel, der Einstieg bleibt unklar und in den ersten Sekunden weiß niemand, worum es eigentlich geht.
Auch wenn viele sagen: Du brauchst schnelle Schnitte für Instagram, empfinde ich so eine pauschale Aussage als ziemlichen Bullshit. Du brauchst nicht zwingend hektische Videos mit ständig neuen Kameraperspektiven. Ein ruhiges Video kann sehr gut funktionieren, insbesondere, wenn es zu dir und deiner Art passt und wenn deine Zielgruppe älter ist. Es braucht trotzdem einen Einstieg, der neugierig macht, und eine Geschichte oder Gedankenführung, der man gern folgt. Genau deshalb lohnt es sich, sich mit visuellen Hooks, Text-Hooks und einfachem Storytelling zu beschäftigen.
Der Vorteil ist: Instagram empfiehlt geeignete Inhalte auch Menschen, die einem Account noch nicht folgen. Mit Test-Reels kannst du ein Video sogar zunächst gezielt Nicht-Followern zeigen. Follower sind deshalb nicht mehr die einzige Voraussetzung dafür, Reichweite aufzubauen.
Im Prinzip beobachten wir gerade auf allen Plattformen einen Wandel von Social Media hin zu Interest Media.
Gerade Frauen ab 40 erzählen mir immer wieder, sie seien vielleicht zu alt für Instagram. Das ist aus meiner Sicht Blödsinn.
Instagram beschreibt selbst, dass Empfehlungen unter anderem danach ausgewählt werden, wofür sich jemand interessiert und wie die Person mit ähnlichen Inhalten umgeht. Das Alter des Menschen, der den Beitrag erstellt, gehört nicht zu den genannten Ranking-Signalen. Dein Inhalt wird also nicht uninteressant, weil du 45, 52 oder 64 bist.
Schwieriger ist häufig etwas anderes: Wer viel Berufserfahrung mitbringt, kann über sehr viele Themen sprechen. Die Auswahl fällt dann schwer. Auf Instagram hilft dir aber ein klarer Themenfokus, damit Menschen und die Plattform verstehen, wofür dein Account steht.
Das bedeutet nicht, dass du deine Erfahrung auf einen winzigen Ausschnitt reduzieren musst. Du brauchst zunächst eine erkennbare Klammer. Unter dieser Klammer kannst du verschiedene Fragen beantworten und natürlich auch Persönlichkeit zeigen. Wenn du unsicher bist, ob dein Profil diese Klammer bereits deutlich macht, hilft dir der Artikel Instagram-Profil als Coach optimieren.
Ich habe erlebt, dass auch Accounts mit wenigen Hundert Followern Anfragen bekommen und Kunden gewinnen. Die Followerzahl ist dafür nicht die entscheidende Kennzahl. Viel wichtiger ist, ob die richtigen Menschen deinen Content sehen und ob du einen Weg vom Beitrag ins Gespräch aufgebaut hast.
Was meistens nicht zuverlässig funktioniert: einen Beitrag veröffentlichen und direkt darüber ein hochpreisiges Coaching verkaufen. Das kann passieren, wenn der Content sehr gut passt und schon viel Vertrauen da ist. Häufiger entstehen direkte Buchungen aber bei kleineren Angeboten, wie einem Sparring oder digitalen No-Brainer-Produkten.
Für eine längere und höherpreisige Zusammenarbeit braucht es meist einen Vertriebsprozess. Instagram kann dabei sehr gut den ersten Schritt übernehmen. Du bietest beispielsweise eine hilfreiche Checkliste, ein Quiz oder einen anderen passenden Einstieg an. Interessierte schreiben dir eine private Nachricht oder tragen sich für deinen Newsletter ein. Danach lernen sie dich weiter kennen und können in Ruhe entscheiden, ob sie mit dir arbeiten möchten.
Deshalb würde ich nicht nur Likes und Follower messen. Schau dir lieber an:
Gerade die privaten Nachrichten zeigen dir viel eher, ob dein Thema Interesse auslöst.
Hier bin ich deutlicher als viele allgemeine Empfehlungen: Wenn Instagram dein wichtigster Social-Media-Kanal werden soll, finde ich zwei bis drei Beiträge pro Woche zu wenig. Ich würde mindestens werktäglich einen Beitrag einplanen.
Willst du schneller wachsen, brauchst du in der Regel eine höhere Content-Schlagkraft. In einer intensiven Wachstumsphase kann das bis zu zwei Reels pro Tag plus mehrere Karussells pro Woche bedeuten. Das ist meine Praxiseinschätzung und keine offizielle Regel von Instagram. Zwei Beiträge am Tag sind also nur dann eine „Pflicht“, wenn du dir selbst ein sehr schnelles Wachstumsziel gesetzt hast und diese Menge auch sinnvoll produzieren kannst.
Ist Instagram dagegen nur ein ergänzender Kanal, können zwei bis drei gute Beiträge pro Woche vollkommen in Ordnung sein. Dann solltest du aber auch deine Erwartungen daran anpassen.
Von der pauschalen Empfehlung, jeden Tag fünf oder zehn fremde Beiträge zu kommentieren, halte ich wenig. Ich kommentiere gezielt bei Accounts, mit denen ich eine Zusammenarbeit interessant finde oder die bereits die Aufmerksamkeit meiner Zielgruppe haben. Für einen großen Teil meiner Instagram-Strategie ist das aktive Kommentieren anderer Accounts nicht der wichtigste Hebel.
Wichtiger ist, dass du die Frequenz bewusst auswählst:
Mehr Beiträge gleichen allerdings keine unklaren Themen oder austauschbaren Inhalte aus. Bevor du die Menge erhöhst, sollte klar sein, für wen du postest und welches Problem du mit deinem Content lösen möchtest.
Die Angst vor der Technik begegnet mir bei meiner Zielgruppe oft. Ich kann sie auch verstehen. Wenn du noch nie Videos geschnitten, Untertitel eingefügt oder verschiedene Sequenzen zusammengesetzt hast, fühlt sich das am Anfang nicht selbstverständlich an.
Inzwischen musst du dafür aber kein kompliziertes Schnittprogramm am Computer lernen. Mit Edits, der Video-App von Instagram, kannst du direkt am Smartphone schneiden, Text und Untertitel einfügen und dein Video vorbereiten. Es gibt unter anderem Storyboards und einen Teleprompter. Natürlich brauchst du ein wenig Einarbeitungszeit. Danach kommst du damit aber relativ schnell zu brauchbaren Ergebnissen.
Die App nimmt dir nicht die inhaltliche Arbeit ab. Vor der Aufnahme solltest du wissen:
Und bitte füge Untertitel hinzu. Sie machen dein Video nicht nur zugänglicher. Menschen können dir auch folgen, wenn sie gerade ohne Ton durch Instagram scrollen.
Du musst für ein gutes Reel nicht pausenlos die Perspektive wechseln. Fang mit einem ruhigen Video an, in dem du eine konkrete Frage beantwortest. Wenn der Einstieg klar ist und du nicht um den Punkt herumredest, ist das ein vollkommen brauchbarer Anfang.
Bevor du jetzt einen aufwendigen Redaktionsplan baust, beantworte dir diese Fragen:
Wenn du bei den meisten Punkten "Ja" sagst, lohnt es sich, Instagram ernsthaft zu testen. Nicht für vier Wochen, sondern so, dass du genug Inhalte veröffentlichst und aus den Reaktionen lernen kannst.
Wenn du bei mehreren Punkten zögerst, musst du dich nicht auf Instagram zwingen. Prüfe zuerst, ob LinkedIn (oder ein anderer Kanal) besser zu deiner Zielgruppe und deiner Arbeitsweise passt.
Ein Kanal, den du konsequent und mit einem klaren Ziel nutzt, bringt dir mehr als zwei halbherzig gepflegte Profile.
Instagram ist 2026 voller und anspruchsvoller als noch vor einigen Jahren. Trotzdem können auch kleine Accounts neue Menschen erreichen, Interesse wecken und Anfragen gewinnen. Dafür brauchst du keine riesige Followerzahl und du bist ganz sicher nicht zu alt.
Du brauchst einen klaren Themenfokus, Inhalte, die zum Anhalten einladen, und einen Weg vom Content ins Gespräch. Wenn Instagram dein Hauptkanal werden soll, gehört außerdem eine regelmäßige und eher hohe Veröffentlichungsfrequenz dazu.
Entscheide dich nicht für Instagram, weil du glaubst, dort sein zu müssen. Entscheide dich dafür, wenn deine Zielgruppe dort ist und du bereit bist, mit visuellen Inhalten zu arbeiten. Dann kann sich der Aufwand sehr wohl lohnen.
Ja. Ich habe erlebt, dass auch kleine Accounts Anfragen bekommen. Entscheidend ist, ob die richtigen Menschen deinen Content sehen, dein Profil dein Angebot verständlich macht und du einen Weg ins Gespräch anbietest. Für ein hochpreisiges Coaching braucht es meistens mehr Vertrauen und einen längeren Vertriebsprozess als für ein einzelnes Sparring.
Nein. Instagram empfiehlt Inhalte nach Interessen und dem Verhalten der Nutzer. Das Alter des Creators gehört nicht zu den öffentlich genannten Ranking-Signalen. Häufiger bremst ein unklarer Themenfokus als das Alter.
Wenn Instagram dein Hauptkanal ist, empfehle ich mindestens einen Beitrag pro Werktag. Für ein schnelles Wachstumsziel kann eine deutlich höhere Frequenz sinnvoll sein. Läuft Instagram nur ergänzend mit, können zwei bis drei Beiträge pro Woche reichen. Die passende Frequenz hängt also vor allem von deinem Ziel ab.
Du kannst auch mit Karussells sehr gute Ergebnisse erzielen. Reels helfen dir allerdings dabei, neue Menschen zu erreichen und dich persönlich zu zeigen. Du musst dafür keine hektischen Videos produzieren. Ein ruhiges, gut aufgebautes Reel mit einem klaren Einstieg kann vollkommen ausreichen.
Das ist möglich, aber nicht der Normalfall, auf den ich eine Strategie bauen würde. Instagram eignet sich sehr gut, um Interesse zu wecken, Gespräche in privaten Nachrichten zu starten und Leads zu gewinnen. Bei einer längeren oder hochpreisigen Zusammenarbeit folgt danach meistens noch ein weiterer Vertrauens- und Vertriebsprozess.
Instagram passt gut zu persönlichen und visuellen Themen sowie zum Community-Aufbau. Für ein starkes B2B-Angebot kann LinkedIn sinnvoller sein, weil du dort gezielter Netzwerke aufbaust und auch über Kommentare sichtbar wirst. Entscheidend sind deine Wunschkunden und die Art von Content, die du dauerhaft erstellen kannst.