
Die meisten Coaches, die zu mir kommen, haben schon eine Plattform im Kopf. „Wie starte ich auf Instagram durch?" oder „Wie gehe ich auf LinkedIn am besten vor?" – das sind die Fragen, die ich höre.
Selten fragt jemand: „Welche Plattform passt eigentlich zu mir?"
Und genau da liegt manchmal das Problem. Denn nicht selten sitze ich im Coaching und denke: Instagram ist gar nicht die richtige Plattform für dich. Oder: LinkedIn wäre für dein Thema und deine Zielgruppe eigentlich die bessere Wahl, auch wenn du noch nie darüber nachgedacht hast.
Deshalb habe ich diesen Artikel geschrieben. Nicht als neutrale Auflistung von Plattformen, sondern als ehrliche Entscheidungshilfe – basierend auf über 15 Jahren Social-Media-Marketing für Solopreneure und internationale Unternehmen. Ich gehe jede relevante Plattform mit dir durch, sage dir, wofür sie sich eignet und wofür nicht, und am Ende weißt du, welche zu dir, deinem Thema und deiner Zielgruppe passt.
Und ich sage dir jetzt schon: Du brauchst nicht alle, du brauchst eine.
Bevor wir uns die einzelnen Plattformen anschauen, beantworte dir drei Fragen, denn die sind wichtiger als jede Nutzerzahl.
Frage 1: Wo ist deine Zielgruppe?
Das klingt offensichtlich, wird aber ständig ignoriert. Wenn du Business-Coaches für Führungskräfte coachst, ist TikTok wahrscheinlich nicht dein erster Anlaufpunkt. Wenn du Yoga für Frauen ab 50 anbietest, ist LinkedIn vermutlich auch nicht ideal. Überleg dir, wo die Menschen, die du erreichen willst, ihre Zeit verbringen.
Frage 2: Was für ein Typ bist du?
Schreibst du lieber oder stehst du lieber vor der Kamera? Magst du kurze, knackige Inhalte oder gehst du lieber in die Tiefe? Die Plattform muss zu deiner Art passen, sonst hältst du es nicht durch.
Frage 3: Wie viel Zeit hast du realistisch?
Manche Plattformen fordern mehr als andere. TikTok will mehrmals pro Woche Videos, Instagram lebt von Stories und Reels neben den regulären Posts, LinkedIn funktioniert auch mit reinem Text. Wähle die Plattform, deren Anforderungen du auch in einer stressigen Woche erfüllen kannst.
LinkedIn ist die Plattform, die ich selbst - neben Instagram - am aktivsten nutze und die ich vielen meiner Kunden als Einstieg empfehle. Die Plattform ist in den letzten Jahren stark gewachsen und hat inzwischen rund 28 Millionen Mitglieder allein in der DACH-Region.
Die Engagement-Rate ist laut Buffer mit durchschnittlich 6,5 % höher als auf jeder anderen großen Plattform, was bedeutet, dass deine Beiträge dort eine realistische Chance haben, gesehen und kommentiert zu werden. Und du kannst auch Reichweite über Kommentare aufbauen. Und musst gar nicht gleich mit eigenen Beiträgen starten und wirst dennoch sichtbar. Natürlich sollte dein Profil entsprechend optimiert sein, so dass Menschen dein Angebot auf den ersten Blick erkennen.
LinkedIn ist ideal, wenn du im B2B-Bereich unterwegs bist oder Selbstständige, Unternehmer und Fach- und Führungskräfte erreichen willst. Die größte Nutzergruppe sind Berufstätige zwischen 25 und 34, aber auch die 35- bis 54-Jährigen sind stark vertreten.
Was mir an LinkedIn gefällt: Du kannst mit reinem Text starten und brauchst am Anfang weder Videos noch aufwändige Grafiken. Ein guter Textpost mit einer persönlichen Erfahrung oder einem fachlichen Tipp reicht, um sichtbar zu werden. Natürlich performt Text mit Bild besser und Karussells oder Videos bringen noch mehr Engagement, aber die Einstiegshürde ist niedrig.
Was du tun musst: Zwei bis drei Posts pro Woche und täglich 15 bis 20 Minuten bei anderen kommentieren. LinkedIn belohnt Konsistenz und echte Gespräche, und Accounts, die regelmäßig posten, wachsen laut LinkedIn selbst fast sechsmal schneller als inaktive.
LinkedIn passt zu dir, wenn du mit Profis, Selbstständigen oder Führungskräften arbeitest, gerne schreibst und eine Plattform suchst, auf der Substanz mehr zählt.
Instagram ist die meistgenutzte Social-Media-Plattform in Deutschland und hat laut ARD/ZDF-Medienstudie 2025 die Nase vorn, noch vor Facebook und TikTok. Die Altersgruppe ist breit, von 18 bis 55+, wobei die 25- bis 44-Jährigen besonders aktiv sind.
Instagram passt besonders gut, wenn du im Lifestyle-Bereich arbeitest, also in Bereichen wie Gesundheit, Persönlichkeitsentwicklung, Ernährung, Kreativität oder Spiritualität. Hier erreichst du verschiedene Altersgruppen und hast die Möglichkeit, mit unterschiedlichen Formaten zu arbeiten.
Und genau da liegt der Unterschied zu LinkedIn: Instagram lebt von der Formatvielfalt. Du arbeitest mit Karussells, in denen du durch Slides wischt und darüber Geschichten erzählst, mit Reels für Reichweite und Persönlichkeit und mit Stories für Behind-the-Scenes-Einblicke und den direkten Draht zu deiner Community. Du solltest bereit sein, alle diese Formate zu nutzen, denn Instagram belohnt Accounts, die die volle Bandbreite bespielen.
Das heißt auch: Instagram ist aufwändiger als LinkedIn. Du brauchst ein Auge für Visuelles und die Bereitschaft, dich vor die Kamera zu stellen, zumindest für Reels und Stories. Dafür ist die Community-Bindung oft enger als auf LinkedIn, weil die Plattform persönlicher ist.
Instagram passt zu dir, wenn du im Lifestyle-, Gesundheits- oder Persönlichkeitsbereich arbeitest, gerne mit verschiedenen Formaten experimentierst und bereit bist, dich auch in Videos zu zeigen.
In meinem Coaching schauen wir gemeinsam, welche Plattform für dein Thema, deine Zielgruppe und dein Leben Sinn ergibt. Und dann gehen wir den ersten Schritt zusammen.
Mehr über mein Coaching erfahrenTikTok hat in Deutschland rund 21 Millionen Nutzer und ist nach wie vor die Plattform mit dem stärksten Interest-Algorithmus. Das bedeutet: Dein erstes Video kann tausende Views bekommen, obwohl dich niemand kennt. Das ist auf keiner anderen Plattform so.
Aber – und das sage ich meinen Kundinnen auch direkt – TikTok ist nichts für nebenbei. Du musst dich intensiv damit beschäftigen, wie gute Videos aufgebaut sind, mit visuellen und sprachlichen Hooks, also Einstiegen in das Video, die dafür sorgen, dass Leute beim Scrollen stoppen. Denn auf TikTok folgen dir die Leute in der Regel nicht, zumindest nicht ältere Nutzer. Du bekommst Videos interessenbasiert eingeblendet, und wenn dein Video in den ersten zwei bis drei Sekunden nicht fesselt, wird weitergewischt.
Du musst also sehr genau wissen, was die Schmerzpunkte deiner Zielgruppe sind, und du musst sie unterhaltsam abholen können. Und du solltest bereit sein, mit Trends zu arbeiten, ob das Musik-Trends sind oder bestimmte Videoformate. Der Vorteil ist, dass du keine große Followerschaft brauchst, um gesehen zu werden – wenn dein Video gut ist, zeigt der Algorithmus es den richtigen Leuten.
TikTok asst zu dir, wenn du wirklich Spaß an Videos hast, bereit bist, dich mit Videoaufbau und Trends zu beschäftigen und eine jüngere oder wachsende Zielgruppe erreichen willst.
YouTube ist mit rund 32 Millionen wöchentlichen Nutzern in Deutschland die größte Videoplattform und funktioniert grundlegend anders als alle anderen Social-Media-Kanäle, denn YouTube ist im Kern eine Suchmaschine. Menschen suchen dort gezielt nach Lösungen – „Karrierewechsel mit 40", „Burnout Symptome", „Selbstständigkeit starten".
Das ist der Grund, warum ich dieses Jahr verstärkt den Fokus auf YouTube lege. Videos spielen in der Suche eine immer größere Rolle, auch in KI-Suchmaschinen. Ich mache es so, dass ich aus Blogartikeln YouTube-Videos erstelle. Man kann es natürlich auch umgekehrt machen, das kommt darauf an, was für ein Typ man ist.
YouTube-Videos haben einen riesigen Vorteil gegenüber Social-Media-Posts: Sie ranken über Jahre., wenn sie zeitlose Themen haben. Ein gutes Video, das eine häufig gestellte Frage beantwortet, bringt dir auch in drei Jahren noch Zuschauer und potenzielle Kunden. Das ist bei keinem Instagram-Post oder LinkedIn-Beitrag der Fall.
Der Nachteil: Produktion und Schnitt sind aufwändiger als bei allen anderen Plattformen. Du brauchst ein Konzept, guten Ton und ein Thumbnail, das zum Klicken einlädt, und du musst bereit sein, regelmäßig zu veröffentlichen. Der Richtwert ist ein Video pro Woche, 8 bis 20 Minuten lang, das wirklich in ein Thema eintaucht.
YouTube passt zu dir, wenn du komplexe Themen in Ruhe erklären willst, bereit bist in Videoproduktion zu investieren und langfristig über die Suche gefunden werden möchtest.
Mal ehrlich: Ich höre seit Jahren, dass Facebook tot ist. Aber die Plattform hat in Deutschland immer noch rund 22 Millionen wöchentliche Nutzer und ist damit die zweitmeistgenutzte Social-Media-Plattform nach Instagram. Die Nutzerschaft ist älter als auf anderen Plattformen, und genau das kann für dich ein Vorteil sein.
Gerade wenn du eine ältere Zielgruppe hast, ist Facebook nach wie vor eine Plattform, auf der du sie erreichst.
Mein Rat: Starte mit einem persönlichen Profil, nicht mit einer Facebook-Seite. Das Schöne daran ist, dass auch hier einfache Texte mit einem Bild dazu ziemlich gut funktionieren, ähnlich wie auf LinkedIn. Es ist aus meiner Sicht weniger aufwändig als Instagram, weil du nicht mit Reels und Stories arbeiten musst, um sichtbar zu sein.
Facebook passt zu dir, wenn du eine ältere Zielgruppe hast (35+), gerne in Gruppen diskutierst und eine Plattform suchst, die weniger aufwändig ist als Instagram.
Pinterest ist keine klassische Social-Media-Plattform und wird deshalb oft übersehen. Aber gerade das macht sie interessant, denn Pinterest funktioniert wie eine visuelle Suchmaschine. Menschen suchen dort nach Inspiration, Anleitungen und Lösungen – und wenn dein Inhalt gut aufbereitet ist, bringt dir ein Pin auch Monate später noch Besucher auf deine Website.
In Deutschland nutzen schätzungsweise rund 16 Millionen Menschen Pinterest, und die Werbereichweite ist laut DataReportal im letzten Jahr um fast 20 % gestiegen. Die Plattform wächst also, besonders bei Frauen zwischen 25 und 54.
Ich würde Pinterest nicht als erste Plattform empfehlen, weil sie nicht dafür gemacht ist, eine Community aufzubauen oder direkt mit Kunden ins Gespräch zu kommen. Aber als Ergänzung zu einem Blog oder einer Website ist Pinterest richtig stark, weil sie dir langfristig Traffic bringt, ohne dass du jeden Tag etwas posten musst.
Was du dafür brauchst: Ein ansprechendes Bild mit einem klaren Titel und eine SEO-optimierte Beschreibung mit den richtigen Keywords.
Pinterest funktioniert über die Suche, und das bedeutet, dass du dich mit Suchmaschinenoptimierung für Pinterest beschäftigen musst – welche Begriffe deine Zielgruppe dort eingibt, wie du Titel und Beschreibungen formulierst und wie du deine Bilder visuell optimierst. Dafür hast du im Gegenzug relativ wenig mit Community Management zu tun, was Pinterest zu einer der zeitsparendsten Plattformen macht.
Pinterest passt zu dir, wenn du einen Blog oder eine Website hast und langfristig Traffic aufbauen willst, ohne jeden Tag posten zu müssen. Gut als Ergänzung zu LinkedIn oder Instagram, nicht aber als alleiniger Kanal.
Threads ist Metas Antwort auf Twitter und hat weltweit inzwischen über 400 Millionen monatlich aktive Nutzer erreicht. Es ist eine textbasierte Plattform, die gut funktioniert, wenn du kurze, pointierte Texte schreiben kannst. Threads ist direkt mit deinem Instagram-Account verknüpft, du kannst Inhalte zwischen beiden Plattformen teilen und deine bestehende Reichweite mitnehmen.
Mein Eindruck: Threads nutzen noch nicht so viele in Deutschland und die Plattform ist noch dabei, sich zu finden. Aber es gibt durchaus Accounts und auch Unternehmen, die dort schon erfolgreich sichtbar sind. Ich würde schauen, ob dein Thema dort vertreten ist, bevor du einsteigst.
Threads passt zu dir, wenn du gerne kurze Texte schreibst, Lust auf Diskussionen hast und Instagram bereits nutzt.
X hat sich in den letzten Jahren stark verändert und entwickelt sich immer mehr zu einer politischen Informations-App, vor allem im englischsprachigen Raum. Im deutschen Markt funktioniert X gut für Finanzthemen und politische Themen. Wenn dein Coaching-Thema nicht in diese Richtung geht, würde ich X nicht als Plattform empfehlen.
Im englischsprachigen Raum sieht das anders aus – dort ist X nach wie vor relevant für Online-Businesses. Aber wenn du eine deutschsprachige Zielgruppe hast und dein Thema weder Finanzen noch Politik ist, investierst du deine Zeit anderswo besser.
X passt zu dir, wenn du im Finanz- oder Politikbereich arbeitest oder eine englischsprachige Zielgruppe hast.
Wenn du bis hierhin gelesen hast und immer noch unsicher bist, gehe nochmal die drei Fragen vom Anfang durch: Wo ist deine Zielgruppe, was für ein Typ bist du und wie viel Zeit hast du?
In den meisten Fällen wird die Antwort auf LinkedIn oder Instagram hinauslaufen.
Wenn du im B2B-Bereich arbeitest und Selbstständige oder Fach- und Führungskräfte erreichst, ist LinkedIn der logische Einstieg. Wenn du eher im Lifestyle-, Gesundheits- oder Persönlichkeitsbereich unterwegs bist und bereit bist, mit verschiedenen Formaten zu arbeiten, spricht vieles für Instagram.
TikTok kann der richtige Einstieg sein, wenn du richtig Spaß an Videos hast und eine jüngere Zielgruppe ansprechen willst. Und YouTube lohnt sich, wenn du langfristig über die Suche gefunden werden willst – auch parallel zu einer anderen Plattform.
Pinterest ist eine hervorragende Ergänzung, wenn du bereits einen Blog hast und Traffic darauf lenken willst.
Aber egal welche Plattform du wählst: Starte mit einer und werde dort sicher, bevor du die nächste dazunimmst. Die Versuchung ist groß, überall gleichzeitig präsent sein zu wollen, aber das führt in der Regel dazu, dass du nirgends richtig sichtbar wirst.
In meinem Coaching finden wir das gemeinsam raus und entwickeln eine Strategie, die zu deinem Thema, deiner Zielgruppe und deinem Alltag passt. Oder ich übernehme das Schreiben komplett als Ghostwriterin.
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Quellen