„Und wo soll ich jetzt anfangen?“ Diese Frage höre ich in fast jedem Erstgespräch. Da sitzt eine Frau, die seit fünfzehn Jahren selbstständig ist und ihr Fachgebiet im Schlaf beherrscht. Aber vor Instagram und LinkedIn fühlt sie sich wie am ersten Schultag.
Falls es dir auch so geht: Deine Erfahrung ist beim Start ein Vorteil, kein Ballast. Du weißt längst, wer deine Kunden sind und was du ihnen bringst. Genau das fehlt vielen jungen Accounts, die technisch alles können.
Was dir fehlt, ist nur die Reihenfolge. Hier kommt sie: dein Fahrplan für die ersten 90 Tage.
Der häufigste Anfängerfehler steht schon vor dem ersten Post: überall gleichzeitig loslegen. Wer auf fünf Hochzeiten gleichzeitig tanzt, tritt auf jeder jemandem auf die Füße. Und ist nach sechs Wochen erschöpft.
Wenn eine Kundin bei null startet, klären wir deshalb zuerst eine einzige Frage: Welche Plattform passt? Dafür schauen wir uns vier Dinge an.
Worauf hast du am meisten Lust? Welche Inhalte kannst du mit deinen Ressourcen realistisch erstellen? Wo hält sich deine Zielgruppe auf? Und hast du irgendwo vielleicht schon private Erfahrung gesammelt? Wer seit Jahren privat auf Instagram unterwegs ist, muss die App nicht mehr von vorn lernen.
Eine ausführliche Entscheidungshilfe findest du in meinem Leitfaden zur Frage, welche Social-Media-Plattform zu dir passt. Und falls du dich fragst, ob eine Plattform überhaupt reicht: Ja, für den Anfang unbedingt. Warum du später höchstens drei Kanäle mit klaren Jobs brauchst, habe ich separat aufgeschrieben.
Bevor der erste Beitrag online geht, kommt bei mir immer die Profiloptimierung. Der Grund ist simpel: Alles, was du später tust, führt Menschen auf dein Profil. Jeder Kommentar, jede Netzwerkanfrage. Wenn dort nichts steht, verpufft die ganze Mühe.
Dazu gehören ein klares Foto, eine Bio, die in einem Satz sagt, wem du womit hilfst, und eine unkomplizierte Kontaktmöglichkeit. Wie das im Detail geht, zeige ich dir in meinem Guide zur Profiloptimierung.
Danach heißt es erst mal: Plattform kennenlernen. Nimm dir ein paar Tage, höchstens eine Woche, und scroll mehrmals täglich durch deinen Feed. Welche Formate gibt es? Was kommt an, was scrollst du selbst sofort weg? Du darfst also endlich mit gutem Gewissen scrollen, es ist jetzt Arbeit. 🙂
Jetzt wirst du aktiv, aber noch ohne eigenen Content. Kommentieren ist der sanfteste Einstieg: Du übst die Tonlage der Plattform und wirst sichtbar, ohne dass gleich ein ganzer Beitrag von dir stehen muss.
Auf LinkedIn bringt das deutlich mehr als auf Instagram. LinkedIn ist nämlich nicht nur eine Social-Media-Plattform, sondern vor allem eine Netzwerkplattform. Mit einem gut optimierten Profil, gezielten Netzwerkanfragen und durchdachten Kommentaren kannst du dort sichtbar werden und sogar erste Kunden gewinnen, bevor du einen einzigen Beitrag veröffentlicht hast. Buffer beschreibt Kommentare inzwischen als „Mikro-Posts“ und empfiehlt 10 bis 15 Minuten Kommentieren am Tag.
Auf Instagram wirkt Kommentieren schwächer. Hier dient diese Phase eher dem Warmwerden, und du solltest zügiger mit eigenen Beiträgen starten.
Der 30-Tage-Fahrplan führt dich Tag für Tag durch deinen ersten Monat auf Social Media, vom Profil bis zu den ersten Beiträgen.
Zum 30-Tage-FahrplanJetzt kommt der Teil, vor dem die meisten am meisten Respekt haben: eigene Beiträge. Womit du inhaltlich startest, habe ich dir im Artikel über den Anfang mit Content aufgeschrieben. Hier geht es um den Rhythmus.
Auf LinkedIn reichen etwa drei Beiträge pro Woche, kombiniert mit täglichem Kommentieren. Das deckt sich mit den Daten: Buffer hat über zwei Millionen LinkedIn-Posts analysiert und nennt zwei bis fünf Beiträge pro Woche als nachhaltigen Rhythmus.
Instagram tickt anders, hier belohnt der Algorithmus Menge und Vielfalt stärker. Ich empfehle mindestens drei bis fünf Beiträge pro Woche. Buffers Analyse von 2,1 Millionen Instagram-Posts zeigt: Schon dieser Rhythmus bringt rund 12 Prozent mehr Reichweite pro Beitrag als ein bis zwei Posts. Wenn der Druck groß ist, über Instagram Kunden zu gewinnen, darf es auch mehr sein, bis hin zu zwei Beiträgen am Tag.
Der schöne Nebeneffekt der höheren Frequenz: Du sammelst schneller Daten. Nach ein paar Wochen weißt du, was deine Zielgruppe mag und welche Formate dir leichtfallen. Beides zählt.
Und die Technik? In Canva arbeitest du dich schnell ein. Videos sind der größere Brocken, weil Ton, Licht und eine Schnitt-App dazukommen. Fürs Handy finde ich die Instagram-eigene App Edits sehr anfängerfreundlich. Eine separate Kamera oder teuren Schnickschnack brauchst du dagegen nicht, ich reduziere mein eigenes Setup sogar immer weiter. Was du wirklich brauchst, steht in meinem Technik-Guide für Anfänger.
Nach ein paar Wochen zeigen sich erste Muster, nach 90 Tagen ziehst du Bilanz. Keine Sorge, dafür brauchst du kein Statistik-Studium. Schau auf wenige simple Werte: Welche Beiträge hatten Reichweite, welche haben Profilbesuche oder sogar Nachrichten gebracht?
Von dem, was funktioniert, machst du mehr. So einfach ist die Regel, und trotzdem überspringen sie die meisten.
Und wenn du dich an ein Format bisher nicht herangetraut hast, ob Video oder Stories: Jetzt ist der Moment, es gezielt anzugehen. Die meisten Plattformen belohnen einen Formatmix, und du hast inzwischen genug Routine, um Neues zu verkraften.
Falls du an diesem Punkt merkst, dass du Sparring willst statt weiter allein zu probieren: Genau dafür gibt es mein Instagram-Coaching.
Erfolg auf Social Media hängt nicht davon ab, wie schnell du auf Trends reagierst. Er hängt davon ab, wie konsequent du echte Verbindungen zu deinem Netzwerk aufbaust. Und genau dabei ist deine Lebens- und Berufserfahrung dein größtes Pfund. Warum das so ist, liest du auch in meinem Artikel „Zu alt für Social Media?“.
Dein Fahrplan noch einmal in kurz: Wähl eine Plattform und bring dein Profil in Form. Danach schaust du eine Woche zu, kommentierst drei Wochen und postest ab Woche vier in deinem Rhythmus. Nach 90 Tagen sprechen die Zahlen. Den Rest verbesserst du unterwegs.
An welchem Punkt stehst du gerade? Schreib es mir gern.
Im Gruppencoaching gehst du diesen Weg mit anderen Selbstständigen und mir an deiner Seite, von der Plattform-Wahl bis zur Content-Routine. Die nächste Runde startet im Oktober.
Infos zum GruppencoachingMit genau einer. Wähle sie nach vier Kriterien: Worauf hast du Lust, welche Inhalte kannst du realistisch erstellen, wo ist deine Zielgruppe und wo hast du eventuell schon private Erfahrung? Für Business-Kunden ist LinkedIn oft der einfachste Einstieg, für Privatkunden meist Instagram oder Facebook.
Auf LinkedIn reichen etwa drei Beiträge pro Woche plus tägliches Kommentieren. Auf Instagram empfehle ich mindestens drei bis fünf Beiträge pro Woche, bei hohem Wachstumsdruck auch mehr. Wichtiger als die perfekte Zahl ist ein Rhythmus, den du durchhältst.
Nein. Starte mit den Formaten, die dir leichtfallen, und nimm Video dazu, sobald du Routine hast. Fürs Handy ist die Instagram-App Edits anfängerfreundlich, und eine separate Kamera brauchst du nicht.
Nein. Deine Berufserfahrung verschafft dir sogar einen Vorsprung: Du kennst deine Zielgruppe und den Wert deiner Arbeit genauer als die meisten jungen Accounts. Die Technik ist lernbar, Klarheit über das eigene Angebot nicht.
Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026