Du weißt alles über Content und veröffentlichst trotzdem nichts

Du weißt alles über Content und veröffentlichst trotzdem nichts

Ich habe zeitweise mehr nach meinen Content-Ideen gesucht, als tatsächlich Content erstellt. Ein paar lagen in Apple Notizen, andere in Excel-Listen, wieder andere in Airtable. Wenn ich mich dann endlich hingesetzt habe, fehlte mir erst mal der Überblick.

Und sobald ich eine Idee gefunden hatte, fiel mir noch etwas ein, das ich genauso wichtig fand. Oder spannender. Also beschäftigte ich mich erst mal damit. Veröffentlicht hatte ich am Ende immer noch nichts. 🙂

Vielleicht geht es dir ähnlich. Du beschäftigst dich schon länger mit Instagram oder LinkedIn, hast einen Kurs gemacht oder sogar ein Coaching gebucht. Du weißt ungefähr, wie ein Beitrag funktioniert. Trotzdem schaust du vor allem anderen dabei zu.

Wenn du mit Content anfangen willst und schon genug darüber weißt, such dir eine Frage zu deinem Angebot aus und beantworte sie in einem einfachen Beitrag. Das klingt überschaubar. Falls du trotzdem nicht anfängst, schau genau hin, wo du hängen bleibst. Bei mir war schon die Entscheidung für ein Thema ein Problem. Noch mehr Ideen konnte ich wirklich nicht gebrauchen.

Wenn jede Idee wichtig ist

Geholfen hat mir irgendwann der Frust. Ich sah, wie andere in derselben Zeit längst weitergekommen waren. Die hatten ihre Beiträge veröffentlicht. Ich suchte immer noch meine Notizen zusammen und überlegte, womit ich anfangen sollte.

Ich beschäftige mich beruflich mit Content. Und dann das. Ideen entwickeln kann ich wunderbar, nur fertig wurde auf diese Weise verdammt wenig.

Mein Rat: Nimm dir das Angebot vor, das du gerade verkaufen möchtest. Überlege, was ein möglicher Kunde dazu wissen will, und wähle eine Frage aus. Die anderen Ideen bleiben für später liegen. Auch wenn sie gut sind.

Denn wenn du online Kunden gewinnen möchtest, müssen Menschen überhaupt erst von dir erfahren. Wie kommen sie auf deine Website? Wie erfahren sie von deinem Newsletter oder deinem Angebot? Social Media ist eine Möglichkeit dafür. Wie viele dieser Kontakte später anfragen und buchen, musst du bei deinem eigenen Business beobachten. In meiner Ideensammlung konnte jedenfalls niemand etwas kaufen.

„Ich fange an, sobald meine Website fertig ist“

Eine Website ist nie fertig. Das sage ich aus Erfahrung. Irgendetwas lässt sich immer ändern, ergänzen oder schöner machen. Wenn du darauf wartest, dass du an deiner Website nichts mehr auszusetzen hast, kann das dauern.

Ich habe das bei einem Kollegen erlebt, der LinkedIn-Marketing macht. Er war auf LinkedIn ziemlich erfolgreich, und ich wollte mir irgendwann seine Website ansehen. Die war noch „under construction“. Kunden hat er trotzdem gewonnen, über seine LinkedIn-Beiträge.

Was stehen sollte, ist dein Angebot. Du musst erklären können, wobei du hilfst, für wen das gedacht ist und wie man mit dir zusammenarbeiten kann. Dafür kannst du Social Media nutzen und dort auch mit Interessenten ins Gespräch kommen. Eine komplett ausgebaute Website brauchst du für den nächsten Beitrag nicht.

Wenn das Angebot längst klar ist, halte ich „Meine Website ist noch nicht fertig“ deshalb oft für eine Ausrede. Du kannst schon jetzt eine Frage beantworten, die vor einer Buchung auftaucht, oder erklären, wie du arbeitest. Falls du selbst noch nicht weißt, was du eigentlich anbieten möchtest, würde ich zuerst diese Frage klären.

Fehlt dir Zeit oder hält dich etwas anderes auf?

Ich hatte über Monate selbst wenig Muße für Social Media. Auf meinen sozialen Kanälen war entsprechend wenig los. In der Zeit habe ich allerdings weiter an meinem Blog gearbeitet. Aktuell veröffentliche ich zwei Artikel pro Woche oder bereite ältere neu auf.

Ich habe in der Zeit lieber Blogartikel geschrieben. Wenn du auch lieber schreibst und darüber Menschen erreichst, die zu deinem Angebot passen, spricht für mich einiges dafür. Nur sollte dein Angebot dabei vorkommen. Irgendetwas musst du letztlich tun, damit jemand davon erfährt.

Und es gibt Phasen, in denen tatsächlich wenig geht. In meinem alten Artikel darüber, warum mein Selbstmarketing zwölf Monate stagnierte, habe ich beschrieben, wie ich meine Kräfte überschätzt hatte. Das würde ich heute niemandem mit einem lockeren „Du musst nur Prioritäten setzen“ wegreden.

Frag dich trotzdem ehrlich: Schaffe ich das gerade wirklich nicht, oder kommt mir der volle Kalender als Ausrede ganz gelegen? Wenn du immer wieder lange scrollst und die eigenen Beiträge liegen bleiben, lohnt sich ein Blick darauf. Bei mir fehlte die Entscheidung für ein Thema. Bei dir ist es vielleicht die Sorge, was andere über deinen Beitrag denken.

Für ein aufwendig geschnittenes Video hast du womöglich wirklich keine Zeit. Eine kurze Aufnahme, in der du eine Frage beantwortest, bekommst du eher unter. Falls du die Aufnahme immer wieder löschst, weil du dich damit nicht zeigen möchtest, sitzt das Problem an einer anderen Stelle. Dann hilft dir ein freier Nachmittag allein wahrscheinlich auch nicht.

Was du erst beim Veröffentlichen lernst

Du musst anfangen. Bloß weil du einen Kurs kaufst, passiert ja nichts von allein. Probier aus, was du dort gelernt hast. Beim Machen wirst du merken, was schon klappt und wobei du noch Hilfe brauchst.

Bei meinem ersten YouTube-Video habe ich penibel die Sprechpausen herausgeschnitten. Ich dachte, das wirkt professionell. Das Ergebnis war ein ziemliches Stakkato. Meine Freunde fanden das Video gut, meinten aber auch, dass die anderen das mit den Schnitten irgendwie anders machen. 🙂

Solche Rückmeldungen bekommst du, wenn jemand deine Inhalte sieht. Dann kannst du beim nächsten Video anders schneiden. Oder du merkst beim Schreiben, dass du einen Gedanken noch gar nicht so verständlich erklären kannst, wie du dachtest. Darüber habe ich im Artikel was Content-Erstellung mit dir macht ausführlicher geschrieben.

Meine allerersten Beiträge gibt es inzwischen nicht mehr, mein erster Blog ist offline. Geholfen haben mir diese Anfänge trotzdem. Du darfst also etwas veröffentlichen, bei dem du später denkst: Heute würde ich das anders machen. Fachlich stimmen und für den Leser verständlich sein sollte es natürlich schon.

Ein System, mit dem du Inhalte fertig bekommst

Damit du beim nächsten Beitrag nicht wieder deine Notizen zusammensuchen musst, empfehle ich zwei Ablagen. Die können im selben Tool liegen:

  • In die Ideenbank kommen Fragen, Beobachtungen und Themen, aus denen du noch Inhalte erstellen möchtest. Entscheide dich für einen festen Ort, damit du beim nächsten Mal weißt, wo du suchen musst.
  • In die Content-Bank kommen bereits veröffentlichte, zeitlose Inhalte, die du wiederverwenden kannst. Manche passen später noch genauso, andere arbeitest du um. Prüfe vor der erneuten Veröffentlichung, ob Aussagen, Links und Angebote noch stimmen.

Wie ich Ideenbank und Content-Bank unterscheide, findest du auch in meinem Artikel über ein Content-System für Coaches. Fang mit dem an, was du für deinen nächsten Beitrag brauchst. Sämtliche alten Notizen umzuziehen, kann sonst auch wieder ein wochenfüllendes Projekt werden.

Dann schau, wie du am besten arbeitest. Am Anfang kann es hilfreich sein, an mehreren Tagen hintereinander ein einfaches Format zu üben. Du merkst schnell, was noch hakt, und kannst es beim nächsten Versuch direkt ändern. Daraus muss keine dauerhafte tägliche Postingpflicht werden.

Wenn du etwas Erfahrung hast, bin ich ein großer Freund von Content-Batching. Du fasst ähnliche Aufgaben zusammen: mehrere Texte schreiben, mehrere Videos aufnehmen oder die Grafiken für die nächsten Beiträge vorbereiten. Dafür reservierst du dir beispielsweise einmal pro Woche oder Monat einen passenden Zeitblock. Wie viel du darin schaffst, hängt von deinen Formaten und deiner Übung ab.

Mir helfen außerdem feste Formate. Montags könnte ein Tipp zu deinem Thema dran sein, freitags ein Wochenrückblick mit einer Beobachtung, die für deine Kunden interessant ist. Oder du entwickelst eine Serie mit mehreren Folgen. Dann weißt du bei der nächsten Produktion schon, woran du weiterarbeitest. Meine Erfahrungen mit täglichem Posten und Vorproduktion habe ich in meinem 30-Tage-Selbstversuch auf Instagram aufgeschrieben.

Mit Content anfangen: dein nächster Beitrag

Wenn du gerade wieder Ideen sammelst und nichts fertig wird, nimm dir einen Beitrag für die nächsten 24 Stunden vor. Wähle etwas, das du mit deinen vorhandenen Mitteln hinbekommst. So kannst du anfangen:

Dein nächster Inhalt

1. Schreib auf, was dich gerade aufhält

Vervollständige: „Ich veröffentliche gerade nichts, weil …“ Werde konkret. „Ich kann mich zwischen fünf Themen nicht entscheiden“ lässt sich besser bearbeiten als „Ich bin irgendwie blockiert“.

2. Wähle ein Angebot und eine Frage dazu

Nimm ein Angebot, das du aktuell vermarkten möchtest. Welche Frage könnte ein passender Kunde dazu haben? Wähle eine aus, die du beantworten kannst. Wenn deine Ideen überall verteilt sind, arbeite für diesen Versuch mit dieser einen Frage weiter.

3. Nutze ein einfaches Format

Auf LinkedIn: Wenn dir ein eigener Beitrag gerade schwerfällt, suche eine passende Diskussion und ergänze einen hilfreichen Kommentar. Erkläre einen Gedanken, teile eine relevante Erfahrung oder beantworte eine offene Frage. Achte darauf, dass deine Antwort zum Beitrag passt.

Auf Instagram: Beantworte die Frage in einer kurzen Story oder einem einfachen Bildpost. Stories würde ich vor allem für den Austausch mit bestehenden Followern nutzen. Ohne Community können sie dir zunächst beim Üben helfen; für den Aufbau neuer Kontakte würde ich mich nicht allein darauf verlassen. Ein Bild mit einer verständlichen Erklärung oder ein kurzes Video kann dein nächster Versuch sein.

4. Prüfe den Inhalt und veröffentliche ihn

Ist deine Aussage richtig? Versteht jemand ohne dein Vorwissen, was du meinst? Hat der Leser etwas davon? Geh sorgfältig mit seiner Zeit um und lass weg, was für diese eine Antwort nicht gebraucht wird. Wenn das passt, schick den Beitrag raus.

5. Heb auf, was du weiterverwenden kannst

Speichere den fertigen Inhalt in deiner Content-Bank, wenn er sich dafür eignet. Notiere nach der Veröffentlichung, was dir beim Erstellen schwerfiel und ob eine hilfreiche Rückmeldung kam. Daraus nimmst du dir eine Verbesserung für den nächsten Versuch vor.

Lass die nächste Idee kurz warten

Wenn dir beim Schreiben schon wieder etwas anderes einfällt: kurz notieren, dann zurück zum angefangenen Beitrag. Genau an dieser Stelle habe ich mich oft verzettelt. Ich weiß, wie verlockend der neue Gedanke ist. Aber diesmal bringst du erst mal den einen zu Ende.

Häufige Fragen

Warum veröffentliche ich nichts, obwohl ich genug über Content weiß?

Das kann unterschiedliche Gründe haben: zu viele Ideen, fehlende Prioritäten, Unsicherheit beim Zeigen oder tatsächlich zu wenig Zeit. Schau auf den konkreten Moment, an dem du abbrichst. Danach kannst du entscheiden, ob du eine kleinere Aufgabe, eine klare Themenwahl oder Unterstützung bei einer offenen Frage brauchst.

Muss meine Website fertig sein, bevor ich mit Social Media anfange?

Eine vollständig ausgebaute Website ist keine Voraussetzung für deinen nächsten Beitrag. Dein Angebot sollte klar sein, und Interessenten müssen verstehen, wie sie dich erreichen. Du kannst auf Instagram oder LinkedIn erklären, wobei du hilfst, Fragen beantworten und Gespräche über eine Zusammenarbeit führen.

Muss ich jeden Tag posten, um Routine zu bekommen?

Nein. Häufiges Üben mit einem einfachen Format kann am Anfang hilfreich sein. Später kannst du ähnliche Aufgaben bündeln und mehrere Beiträge vorbereiten. Wähle einen Rhythmus, der zu deinem Alltag passt, und prüfe, ob du damit tatsächlich Inhalte fertigstellst.

Was mache ich, wenn ich mich noch nicht an einen eigenen Beitrag traue?

Auf LinkedIn kannst du mit einem hilfreichen Kommentar zu einer passenden Diskussion anfangen. Auf Instagram kannst du eine kurze Story zum Üben nutzen. Wenn du kaum Follower hast, würde ich Stories zunächst als Übung betrachten und für neue Kontakte zusätzlich andere Wege nutzen. Wähle eine konkrete Frage, die du verständlich beantworten kannst.

Zuletzt aktualisiert: September 2026

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