
Du schaust dir dein Video an und denkst: Um Gottes willen, so klinge ich? Und was mache ich da mit meinen Händen? Warum gucke ich so komisch?
Im Gespräch bekommst du das alles gar nicht so mit. Da erzählst du etwas, lachst, überlegst kurz und redest weiter. Auf dem Video kannst du dir plötzlich bei jedem Satz zugucken. Und bleibst vielleicht an Dingen hängen, auf die du bei einer Freundin überhaupt nicht achten würdest.
Dazu kommt: Du kennst dich vor allem aus dem Spiegel. Auf einer Aufnahme kann schon dein Scheitel auf der anderen Seite sitzen. Deine Stimme klingt beim Sprechen für dich auch anders als auf dem Handy. Da kommt also einiges zusammen, wenn du dich zum ersten Mal so richtig auf Video anschaust.
Ich achte bei meinen Aufnahmen übrigens auch darauf, wie ich aussehe. Aktuell mag ich mein Doppelkinn nicht besonders. Und wenn jemand in der Wohnung ist, fällt mir das Drehen bis heute schwer. Ich brauche Ruhe und mehrere Anläufe.
Deshalb würde ich erst einmal ein paar Videos nur für dich aufnehmen. Du musst die niemandem zeigen. Gib dir etwas Zeit, dich beim Reden zu sehen und zu hören, bevor du beschließt, dass Videos nichts für dich sind. Weiter unten findest du dafür meinen Vorschlag für 30 Tage, inklusive Themen, über die du sprechen kannst.
Wenn du mit einer Freundin redest, schaust du ihr ins Gesicht. Du siehst ihre Hände, wenn sie etwas erklärt, und merkst, wenn sie die Augen verdreht. Das gehört zu ihr. Bei dir selbst bekommst du diese Dinge meistens erst auf einer Aufnahme mit.
Dann sitzt du vor deinem Handy und beobachtest dich so genau, wie du es im Gespräch mit anderen kaum tun würdest. Du hältst vielleicht sogar das Video an. Na wunderbar. Mitten im Sprechen erwischt, sieht wohl kaum jemand besonders vorteilhaft aus.
Auch dein vertrautes Spiegelbild spielt mit rein. Forschende haben schon 1977 Fotos von Gesichtern mit ihren gespiegelten Versionen verglichen. Die Teilnehmerinnen mochten eher die Ansicht, die sie aus dem Spiegel kannten. Bei ihren nahestehenden Personen zeigte sich eher die umgekehrte Tendenz. Das spricht dafür, dass Gewohnheit mitentscheidet, welches Bild uns gefällt. Untersucht wurden dabei Fotos, nicht die Unsicherheit beim Videodrehen.
Bei deiner Stimme hörst du beim Sprechen gewissermaßen selbst mit. Der Schall kommt über deine Ohren an, aber auch über die Knochen in deinem Kopf. Auf der Aufnahme fehlt dieser zweite Weg. Deshalb klingt deine Stimme dort anders, als du sie beim Reden hörst. Wer es genauer wissen möchte, findet das in dieser Studie zur eigenen Stimme und Knochenleitung.
Deine Freundin hört dich ohnehin ohne diesen zusätzlichen Weg durch deinen Kopf. Für sie ist deine Stimme also längst vertraut. Trotzdem gibt das Handy sie nicht vollkommen unverändert wieder. Wenn die Aufnahme hallt oder du weit vom Mikrofon entfernt sitzt, hörst du das natürlich auch.
Und dann gibt es noch die Sorge, was Bekannte denken, wenn sie dein Video sehen. Falls es bei dir eher daran hängt, lies meinen Artikel über Sichtbarkeits-Scham.
Ich würde zuerst schauen, was dir das Drehen unnötig schwer macht. Bei mir ist es eben jemand in der Wohnung. Wenn dir das ähnlich geht, probiere einmal aus, ob es besser klappt, wenn du allein bist.
Wegen meines Doppelkinns binde ich mir manchmal einen Schal um. Ich schaue auch, wie ich ausgeleuchtet bin und wo die Kamera steht.
Wo die Kamera steht, hängt bei mir allerdings auch davon ab, was dahinter zu sehen ist. Mein Arbeitszimmer ist klein, der Hintergrund gefällt mir nicht mehr so richtig, und an den anderen Wänden ist auch immer irgendetwas. Ich könnte die Wand umstreichen. Aber ganz ehrlich: Dafür möchte ich mir gerade nicht die Zeit nehmen.
Mach an deinem Platz eine kurze Probeaufnahme. Ist dein Gesicht gut zu erkennen und versteht man dich? Dann kannst du erst einmal anfangen. Wenn dich etwas stört, verändere die Kameraposition oder das Licht und schau dir den Unterschied an.
Einen Teleprompter habe ich übrigens tatsächlich gekauft. Einmal eingesetzt, danach nie wieder. Seitdem verstaubt er auf meinem Schrank. Ich würde deshalb erst einmal mit dem Handy loslegen und schauen, was du wirklich brauchst.
Wer sich auf Video nicht mag, dreht oft gar nicht erst. Das erlebe ich in meiner Arbeit. Ich hatte aber auch schon Menschen in der Beratung, die viele Videos veröffentlicht haben und sich gewundert haben, dass dabei so wenig herumkam.
Dann frage ich: Für wen machst du das Video eigentlich? Einfach draufloszureden, weil man gehört hat, dass man jetzt Videos machen soll, reicht auf Dauer eben nicht. Du solltest schon wissen, was jemand aus deinem Video mitnehmen soll.
Beim Üben darfst du erst einmal drauflosreden. Für ein Video, das du veröffentlichen möchtest, würde ich mir dann mehr Gedanken machen. Wie fängst du an, damit jemand beim Scrollen hängen bleibt? Und wie erklärst du dein Thema, ohne dich unterwegs zu verzetteln? Mehr dazu findest du in meinem Artikel über Talking-Head-Reels.
Wenige Aufrufe finde ich im Business übrigens nicht automatisch schlimm. Hauptsache, die Richtigen sehen deine Videos. Ich würde deshalb auch darauf schauen, ob daraus Fragen oder Gespräche entstehen. Von der Zahl allein weißt du noch nicht, ob jemand Interesse an deinem Angebot hat.
Meine Empfehlung: Nimm dich 30 Tage lang jeden Tag kurz auf. Erzähl etwas aus deiner Arbeit oder beantworte eine Frage, bei der du nicht lange überlegen musst. Die Videos bleiben erst einmal bei dir.
Am Anfang wirst du vielleicht noch ziemlich verkrampft vor dem Handy sitzen. Das darf so sein. Schau dir an Tag 15 noch einmal deine erste Aufnahme an und vergleiche die beiden. An Tag 30 machst du das wieder. So merkst du eher, was sich verändert, als wenn du jeden Tag nur denkst: Gefällt mir immer noch nicht.
Wenn du beim Plan denkst: Ja, schön, aber worüber soll ich denn nun reden? Dann lass dir von einer KI passende Fragen zu deiner Arbeit vorschlagen. Füttere sie dafür mit echten Kundenfragen und deinen Erfahrungen. Mit „Ich bin Coach, gib mir mal 30 Themen“ wirst du vermutlich wieder bei ziemlich allgemeinem Zeug landen.
Du unterstützt mich als geduldiger Video-Trainer und erfahrener Content-Redakteur. Hilf mir, mich beim Sprechen vor der Kamera wohler zu fühlen und meine Gedanken verständlich zu erklären. Sprich mit mir klar, freundlich und direkt. Verzichte auf Motivationsfloskeln und Erfolgsversprechen. MEIN ZIEL Ich möchte mich 30 Tage lang täglich kurz aufnehmen. Die Videos sind zunächst nur für mich. Ich muss nichts veröffentlichen und brauche keine fertige Marketingkampagne. Pro Tag habe ich etwa fünf bis zehn Minuten Zeit; die Aufnahme soll ungefähr 30 bis 90 Sekunden dauern. MEIN HINTERGRUND - Meine Arbeit und mein Angebot: [eintragen] - Menschen, die ich mit meiner Arbeit erreichen möchte: [eintragen] - Fragen, die mir tatsächlich gestellt werden: [eintragen oder „noch keine gesammelt“] - Themen, über die ich ohne lange Vorbereitung sprechen kann: [eintragen] - Eigene Erfahrungen, die ich erzählen möchte: [eintragen] - Was mir beim Aufnehmen schwerfällt, etwa Anfangen, Abschweifen, Hände, Blick oder die eigene Stimme: [eintragen] - Meine bisherige Videoerfahrung: [eintragen] - Was privat bleiben soll: [eintragen] BEVOR DU DEN PLAN ERSTELLST Prüfe meine Angaben. Wenn dir etwas Entscheidendes fehlt, stelle mir höchstens drei konkrete Rückfragen und warte auf meine Antworten. Wenn du genug weißt, lege direkt los. Nicht ausgefüllte Platzhalter gelten als fehlende Angaben. Erfinde keine persönlichen Erlebnisse, Kundenfragen, Zitate oder Ergebnisse. Du darfst mögliche Übungsfragen aus meinem Arbeitsgebiet entwickeln. Bezeichne diese als Vorschläge, nicht als tatsächlich gestellte Kundenfragen. Wenn eine Aufgabe eine Erfahrung voraussetzt, die ich nicht genannt habe, wähle eine andere Aufgabe. ERSTELLE MEINEN 30-TAGE-PLAN Nutze diesen Aufbau: - Tag 1–7: Über vertraute Themen sprechen und ins Aufnehmen kommen. - Tag 8–14: Einen Gedanken mit einem einfachen Beispiel verständlich erklären. - Tag 15–21: Aufnahmen vergleichen und jeweils eine Sache ausprobieren, etwa Pausen, Betonung, Blick oder Handbewegungen. - Tag 22–30: An einem passenden Thema einen Einstieg, eine kurze Erklärung und einen hilfreichen nächsten Schritt üben. Daraus darf ein Reel entstehen. Veröffentlichen bleibt freiwillig. An Tag 1, 15 und 30 beantworte ich dieselbe Frage: „Wem helfe ich bei welchem Problem?“ Verwende dafür jeweils dieselben inhaltlichen Stichpunkte, damit ich meine Art zu sprechen besser vergleichen kann. Gib den Plan in vier übersichtlichen Wochenabschnitten aus. Für jeden Tag brauche ich: 1. Eine konkrete Sprechfrage, die zu meinen Angaben passt. 2. Höchstens drei kurze Stichpunkte als Gedankenstütze. Keine ausformulierten Sätze zum Ablesen. 3. Genau einen kleinen Übungsfokus, den ich während der Aufnahme ausprobieren kann. Jeder Tag enthält eine Aufnahme, auch die Vergleichstage. Halte die Aufgaben so klein, dass sie ohne Recherche, neue Technik oder Videoschnitt machbar sind. Baue auf vorhandenen Themen auf, statt mich jeden Tag ein neues Thema vorbereiten zu lassen. Bei Blick und Händen geht es darum, auszuprobieren, was sich angenehm anfühlt. Bewerte mein Aussehen nicht und gib mir keine starre Idealpose vor. VERGLEICH AN TAG 15 UND 30 Ergänze höchstens fünf einfache Beobachtungsfragen zu Verständlichkeit, Sprechfluss, Pausen, Blick, Händen und meinem Gefühl beim Anschauen. Trenne sicht- oder hörbare Beobachtungen von meiner persönlichen Einschätzung. Frage auch, was bereits gut klappt. Ich soll anschließend nur eine Sache fürs Weiterüben auswählen. WENN ICH DIR SPÄTER EINE AUFNAHME ODER EIN TRANSKRIPT GEBE Sag zuerst, was du tatsächlich auswerten kannst. Aus einem Transkript kannst du Aufbau, Wortwahl und Wiederholungen beurteilen, aber weder Stimme noch Blick oder Körpersprache. Bewerte Audio oder Video nur, wenn du die Datei tatsächlich verarbeiten kannst. Erfinde keine Beobachtungen. Nenne konkret, was verständlich ist, und belege dein Feedback mit Textstellen oder, falls verfügbar, Zeitangaben. Empfiehl höchstens eine Änderung für meine nächste Aufnahme. Formuliere sie so, dass ich sie sofort ausprobieren kann. Versprich weder Reichweite noch, dass meine Unsicherheit nach 30 Tagen verschwunden sein wird.
Deine erste Aufnahme: Beantworte die Frage von Tag 1 und speichere deine Aufnahme mit Datum. Du kannst die weiteren Themen danach vorbereiten.
Ich habe damals mit Stories angefangen, um mich an die Kamera zu gewöhnen und zu schauen, was an Feedback kommt. Reels gab es noch gar nicht. Später habe ich auch vereinzelt Videos in Beiträgen und Karussells veröffentlicht.
Du kannst heute genauso gut direkt mit einem Reel loslegen. Wenn du nach zehn Tagen eine Aufnahme veröffentlichen möchtest, mach das. Du musst nicht erst die 30 Tage vollkriegen. Und wenn dir Stories für den Anfang lieber sind, fang damit an.
Schau vor dem Veröffentlichen noch einmal, ob du gleich beim Thema bist oder erst einmal Anlauf nimmst. Vielleicht kannst du die ersten Sätze weglassen. Weitere Möglichkeiten für deinen Einstieg findest du im Artikel Reels drehen mit über 40.
Und falls du merkst, dass du das regelmäßige Drehen doch nicht unterbringst, schau auch auf deine Zeit. Ich wollte YouTube irgendwann wieder aufgreifen und durchziehen. Habe ich dann aber nicht. Das hatte mehr mit Disziplin und zu vielen Hochzeiten gleichzeitig zu tun als damit, dass ich nicht in die Kamera sprechen konnte.
Such dir für heute eine Frage aus, stell das Handy hin und beantworte sie. Wenn du einen zweiten Anlauf brauchst, dann eben einen zweiten. Ich brauche den auch.
Lass das Video danach gespeichert. Sonst kannst du in zwei Wochen nicht nachschauen, wie du angefangen hast. Und genau das würde ich dir empfehlen, bevor du die nächste Aufnahme wieder vorschnell löschst.
Nein. Die können alle auf deinem Handy bleiben. Wenn du zwischendurch eine Aufnahme veröffentlichen möchtest, kannst du das natürlich machen.
Ich würde zunächst mit ein paar Stichpunkten anfangen. Probiere aus, ob du damit gut sprechen kannst, bevor du Zubehör kaufst.
Dann schau, was dir noch schwerfällt. Kommst du beim Reden nicht auf den Punkt? Stört dich dein Aussehen? Oder macht dir vor allem das Veröffentlichen Bauchschmerzen? Je nachdem hilft dir etwas anderes. Du kannst weiterüben oder eine Person, der du vertraust, um Rückmeldung bitten. Du musst nach 30 Tagen nicht plötzlich gern vor der Kamera stehen.
Zuletzt aktualisiert: September 2026