
Ich hasse Kongresse. Große Netzwerkveranstaltungen auch.
Dieses Rumstehen mit Namensschild, der Small Talk mit Häppchen in der Hand und das Gefühl, ständig auf jemanden zugehen zu müssen: Nach einer Weile sind meine Energiereserven leer.
Dabei unterhalte ich mich wirklich gern. Zu zweit oder in einer kleinen Gruppe kann ich stundenlang reden. Was mich anstrengt, sind diese großen Veranstaltungen, bei denen alles gleichzeitig passiert und man nicht so richtig wegkann.
Ja, ich bin introvertiert. Und ich verdiene mein Geld mit Sichtbarkeit. 🙂
Das passt für mich sogar ziemlich gut zusammen. Denn auf Instagram entscheide ich selbst, wann ich etwas veröffentliche, mit wem ich mich unterhalte und wann ich die App wieder schließe.
Kurz gesagt: Introvertiert zu sein bedeutet nicht, kamerascheu oder unsicher zu sein. Instagram kann für Introvertierte sogar ein angenehmer Weg sein, um sichtbar zu werden. Du musst dafür weder lauter sprechen noch dein Privatleben ausbreiten. Trotzdem geht es beim Verkauf von Wissen und persönlichen Dienstleistungen auch um Vertrauen. Wie viel du von dir zeigst und wie du das tust, darf zu dir passen.
Meine Introvertiertheit zeigt sich auf Instagram nicht darin, dass ich Angst vor der Kamera habe. Talking-Head-Reels, Storys oder persönliche Fotos sind für mich grundsätzlich kein Problem.
Was mir deutlich schwerer fällt: andere Menschen wegen einer Zusammenarbeit anzuschreiben und Kollaborationsanfragen zu stellen. Da muss auch ich aus meiner Komfortzone heraus.
Introvertiert, kamerascheu und unsicher werden oft in einen Topf geworfen. Das kann zusammenkommen, muss es aber nicht.
Vielleicht sprichst du problemlos in die Kamera, brauchst danach aber Ruhe. Vielleicht führst du gern Gespräche in Direktnachrichten, gehst aber ungern auf einer Veranstaltung auf fremde Menschen zu. Oder du hast mit all dem kein Problem, kannst dich nur noch nicht gut in einem Video sehen.
Deshalb würde ich nicht allgemein fragen: „Bin ich zu introvertiert für Instagram?“ Die interessantere Frage lautet: Was genau fällt mir schwer?
Auf einer Netzwerkveranstaltung passiert alles live. Du kannst ein Gespräch nicht noch einmal aufnehmen, eine Antwort vorbereiten oder dich unbemerkt für eine Stunde zurückziehen.
Auf Instagram geht das.
Du kannst einen Beitrag in Ruhe vorbereiten. Du kannst ein Video fünfmal aufnehmen oder auch fünfzehnmal. Du antwortest auf eine Nachricht, wenn du Zeit und Energie dafür hast.
Genau das empfinde ich als angenehm. Social Media greift meine Energiereserven deutlich weniger an als eine Konferenz oder eine große Netzwerkveranstaltung.
Das bedeutet nicht, dass Instagram überhaupt keine Überwindung kostet. Meine Kollaborationsanfragen sind das beste Beispiel dafür. Aber ich kann besser bestimmen, wann ich mich dieser Aufgabe widme und wann es für den Tag genug ist.
Bei Kunden beobachte ich manchmal, dass sie vor der Kamera plötzlich schneller und lauter sprechen. Sie versuchen, extrovertierter aufzutreten, weil sie glauben, dass Kurzvideos so funktionieren.
Besonders stark war dieser Druck in einer Phase, in der sich viele mit Perücken, Kostümen oder sehr großen Gesten gezeigt haben.
Ich finde solche Videos durchaus witzig. Das Problem sind nicht die Perücken. Der Druck entsteht, wenn du daraus ableitest, dass du ebenfalls eine kleine Show aufführen musst, um gesehen zu werden.
Musst du nicht.
Ich probiere gerade selbst aus, wie Humor bei mir funktionieren kann. Er darf zu mir passen und muss nicht automatisch groß und laut sein.
Wenn du für ein Reel plötzlich eine Rolle spielst, die du im Gespräch mit einem Kunden niemals einnehmen würdest, wird das auf Dauer anstrengend. Und möglicherweise erkennt ein Interessent gar nicht mehr, wie du wirklich arbeitest.
Sprich deshalb nicht schneller, nur weil es ein Reel ist. Du musst auch nicht lauter werden oder jede Aussage mit einer großen Geste begleiten. Du darfst so sprechen, wie du auch mit einem Menschen sprechen würdest, der dir gegenübersitzt.
Im Instagram-Sparring schauen wir uns an, was dich gerade bremst und welcher nächste Schritt zu dir, deinem Angebot und deinem Alltag passt.
Es gibt Faceless-Kanäle, deren Geschäftsmodell darauf ausgelegt ist, anonym zu bleiben. Sie besetzen ein Thema und verdienen beispielsweise über Affiliate-Produkte Geld. Dafür kann ein Account ohne sichtbare Person funktionieren.
Wenn du jedoch dein eigenes Wissen verkaufst, eine Expertenmarke aufbaust oder persönliche Dienstleistungen anbietest, sehe ich das anders.
Dann finde ich es wichtig, dass man dein Gesicht sieht und deine Stimme hört.
Du musst nicht in jedem Beitrag vorkommen. Auch ein Voice-over-Reel oder ein Karussell kann dein Thema sehr gut vermitteln. Aber potenzielle Kunden sollten einen Eindruck davon bekommen, wer hinter dem Angebot steht.
Das wird umso wichtiger, je höher der Preis ist. Bevor jemand ein Coaching, eine Beratung oder ein anderes persönliches Angebot bucht, muss erst einmal Vertrauen entstehen.
Wie oft du dich dafür zeigen solltest, lässt sich nicht für jeden Account gleich beantworten. Es geht nicht um eine bestimmte Anzahl persönlicher Reels pro Woche. Entscheidend ist, dass du nicht wie ein anonymer Themenkanal wirkst, wenn du später möchtest, dass jemand genau dich bucht.
Kamerascheu zu sein ist ein eigenes Thema. Deshalb würde ich nicht einfach sagen: „Dann mach erst einmal nur Karussells.“
Du kannst dein Wissen damit zwar sichtbar machen. Das eigentliche Problem mit der Kamera löst sich dadurch aber nicht automatisch.
Eine Übung, die ich sinnvoll finde: Nimm 30 Tage lang jeden Tag ein kurzes Video von dir auf und veröffentliche es nicht.
Sprich beispielsweise ein bis zwei Minuten über eine Frage, die dir ein Kunde gestellt hat. Danach darf das Video auf deinem Smartphone bleiben.
Schau dir nicht jeden Versprecher zehnmal an. Vergleiche lieber deine Aufnahme vom ersten Tag mit der vom 15. und anschließend mit der vom 30. Tag. Sehr wahrscheinlich wird sich die Kamera am Anfang noch komisch anfühlen. Durch die Wiederholung wird sie vertrauter.
Wenn du den nächsten Schritt machen möchtest, kannst du mit Storys beginnen. Sie verschwinden nach 24 Stunden aus der öffentlichen Story und fühlen sich deshalb für viele weniger endgültig an als ein Reel im Feed.
Später kannst du ein erstes Reel veröffentlichen oder mit einem Test-Reel ausprobieren, wie sich der Schritt in die Öffentlichkeit anfühlt. Test-Reels werden zunächst überwiegend Nicht-Followern gezeigt. Vollständig ausschließen lässt sich allerdings nicht, dass einzelne Follower sie trotzdem entdecken.
Weitere mögliche Einstiege findest du in meinem Artikel „Reels drehen mit über 40“. Und wenn dich nicht nur die Kamera, sondern das Veröffentlichen an sich hemmt, hilft dir vielleicht der Artikel „Angst vor Instagram als Coach?“ weiter.
Wichtig ist nicht, dass du dich am 30. Tag plötzlich großartig vor der Kamera findest. Die Aufnahme soll sich einfach weniger fremd anfühlen.
Das klappt bei mir ehrlich gesagt wellenförmig.
Manchmal lösche ich die Instagram-App. Manchmal sperre ich mir den Zugang mit einer zusätzlichen App, damit ich nicht ewig scrolle.
In meinem Fall ist das nicht immer leicht. Ich mache für Kunden noch Social-Media-Management und muss deshalb auf Instagram zugreifen. Bestimmte Story-Formate lassen sich nicht vollständig vorplanen und müssen direkt in der App erstellt werden.
Was trotzdem hilft, sind klare Zeitfenster.
Ich würde daraus keine allgemeine Regel machen, nach der jeder zweimal am Tag exakt 15 oder 20 Minuten interagieren muss. Entscheidend ist, dass du nicht ohne Ende durch den Feed wanderst.
Wenn du scrollst, dann möglichst mit einer Uhr oder einem Timer. Und wenn du eigentlich Content erstellen möchtest, mach das zuerst. Sobald du anfängst zu scrollen, ist schnell eine halbe Stunde weg und dein eigener Beitrag noch immer nicht geschrieben.
Eine einfache Reihenfolge kann deshalb schon viel verändern:
Du musst Instagram nicht den ganzen Tag geöffnet halten, um dort sichtbar zu sein.
Ich filme nicht gern in meiner Wohnung. Meine Wohnung gehört mir, nicht Instagram.
Auch meine Partnerschaft und mein Kind stehen nicht im Mittelpunkt meines Contents. Mein Kind zeige ich nicht von vorn. Über Religion und Politik spreche ich ebenfalls nicht, weil meine Kunden davon in meinem Fall nichts haben.
Das sind meine Grenzen. Deine können an einer anderen Stelle liegen.
Du entscheidest selbst, welche Räume man sieht, über welche Erfahrungen du sprichst und welche Menschen aus deinem Umfeld in deinem Content vorkommen.
Persönlich zu sein bedeutet für mich nicht, alles Private zu zeigen. Menschen können dich auch über deine Haltung, deine Erfahrungen und die Art kennenlernen, wie du über dein Fachgebiet sprichst.
Du musst nicht deine Küche zeigen, damit man dir vertraut.
Wenn du dich bisher hinter dem Satz „Ich bin eben introvertiert“ versteckt hast, schau etwas genauer hin: Was hemmt dich wirklich?
Ist es die Kamera? Fällt es dir schwer, fremde Menschen anzuschreiben? Hast du Angst vor Reaktionen? Oder verbringst du so viel Zeit mit Scrollen, dass für deinen eigenen Content keine Energie mehr übrig ist?
Wähle anschließend einen Schritt, der dich aus deiner Komfortzone bringt, aber nicht komplett überfordert.
Das könnte zum Beispiel sein:
Lege vorher fest, wie lange du es ausprobierst und wozu du dich konkret verpflichtest. Sonst entscheidest du jeden Tag neu, ob du heute wirklich Lust darauf hast.
Nach dem vereinbarten Zeitraum schaust du dir an, was leichter geworden ist und wo es noch hakt.
So erweiterst du deine Komfortzone nicht mit einer riesigen Mutprobe, sondern mit einer konkreten Sache, die du oft genug wiederholst.
Wenn dich Kongresse und große Netzwerkveranstaltungen auslaugen, kann Social Media ein angenehmer Weg sein, um sichtbar zu werden.
Trotzdem wird es wahrscheinlich eine Stelle geben, an der du dich überwinden musst. Bei mir sind es Kollaborationsanfragen. Bei dir ist es vielleicht das erste Video oder eine Story mit deiner Stimme.
Du musst dafür nicht extrovertierter wirken, als du bist. Finde heraus, was dich wirklich hemmt, und verpflichte dich für einen überschaubaren Zeitraum zu einem konkreten nächsten Schritt.
Im Instagram-Sparring sortieren wir gemeinsam, was zu dir passt und was du dir sparen kannst. Du bringst dein konkretes Anliegen mit und bekommst eine ehrliche Einschätzung für deinen nächsten Schritt.
Ja, Instagram kann für Introvertierte sogar angenehmer sein als klassische Netzwerkveranstaltungen. Du kannst deine Inhalte vorbereiten, deine Aktivität zeitlich begrenzen und selbst entscheiden, wann du auf Nachrichten reagierst. Trotzdem lohnt es sich, genau hinzuschauen, welche Aufgabe dich persönlich Überwindung kostet.
Nein. Introvertiertheit und Kamerascheu sind nicht dasselbe. Du kannst gern Videos aufnehmen und trotzdem nach vielen Gesprächen oder einer großen Veranstaltung Ruhe brauchen. Umgekehrt können auch Menschen kamerascheu sein, die sich selbst nicht als introvertiert bezeichnen.
Ein anonymer Themenkanal kann zu bestimmten Geschäftsmodellen passen. Wenn du dein Wissen, eigene Produkte oder eine persönliche Dienstleistung verkaufst, finde ich es wichtig, dass potenzielle Kunden dich sehen und deine Stimme hören. Du musst dafür aber nicht in jedem Beitrag selbst im Mittelpunkt stehen.
Nimm 30 Tage lang jeden Tag ein kurzes Video von dir auf, ohne es zu veröffentlichen. Vergleiche anschließend die Aufnahmen vom ersten, 15. und 30. Tag. Danach kannst du mit Storys beginnen oder ein erstes Reel testen.
Nein. Du entscheidest, was öffentlich wird. Deine Wohnung, deine Familie, politische Ansichten oder andere private Bereiche müssen kein Bestandteil deines Contents sein. Persönlich kannst du auch durch deine Erfahrungen und die Art werden, wie du über dein Thema sprichst.
Nutze klare Zeitfenster und öffne den Feed möglichst erst, nachdem du deinen eigenen Content erstellt hast. Ein Timer kann helfen, nicht im Scrollen zu versinken. Du musst nicht dauerhaft erreichbar sein, um sichtbar zu werden.