
Die App ist auf dem Handy, das Profil ist angelegt, und seit drei Wochen passiert nichts.
Nicht, weil du nicht wüsstest, was du posten könntest. Sondern weil du jeden Morgen die App öffnest, durch den Feed scrollst, dein Handy wieder weglegst und dir denkst: Nein, heute noch nicht, aber morgen ganz bestimmt.
Ich sehe das bei Kunden immer wieder (und kenne das auch von mir zur Genüge). Frauen, die im persönlichen Gespräch klug, warmherzig und auf den Punkt sind und die ihre Kunden begeistern und echte Ergebnisse liefern - aber sobald sie auf „Veröffentlichen" drücken sollen, setzt sich etwas in ihnen fest. Eine Bremse, die sich anfühlt wie Vernunft, aber in Wahrheit schlicht und ergreifend Angst ist.
Ich glaube, dass die meisten Coaches ab 40 sich vor der falschen Sache fürchten. Nicht Instagram ist das Problem, sondern das, was Instagram stellvertretend auslöst. Und ein großer Teil dieser Ängste basiert auf Annahmen, die nicht stimmen.
Allgemeine Sichtbarkeitsangst habe ich in einem eigenen Artikel zu 7 Sichtbarkeits-Blockaden ausführlich behandelt. Hier geht es mir um etwas anderes: Was macht Instagram spezifisch bedrohlicher als andere Plattformen? Und warum sitzt die Bremse dort fester als zum Beispiel bei LinkedIn oder einem Blog?
Das ist die Angst, die fast nie genannt wird, aber fast immer mitschwingt. Die Nachbarin, die Kollegin von früher, die Schulfreundin, die Eltern - Instagram fühlt sich persönlicher an als LinkedIn, weil dort viele privat unterwegs sind. Die Vorstellung, dass die Leute aus dem alten Leben sehen, dass du jetzt „Coaching verkaufst", wiegt schwerer als auf einer Business-Plattform.
Was wirklich dahintersteckt, ist die Angst, sich für die Selbstständigkeit rechtfertigen zu müssen, und das Gefühl, von Menschen bewertet zu werden, die gar nicht zu deiner Zielgruppe gehören.
Instagram lebt von Persönlichkeit. Reels und Stories dominieren den Feed. Für jemanden, der sich vor der Kamera unwohl fühlt, ist das eine riesige Hürde.
Aber hier steckt ein Irrtum drin: Instagram funktioniert auch ohne, dass du ständig dein Gesicht in die Kamera hältst. Es gibt Text-Grafiken, Carousels mit Tipps und B-Roll-Videos von deinem Schreibtisch mit Text-Overlays, die ganz ohne Selfie auskommen.
Und für die Momente, in denen du dich doch zeigst: So wie du aussiehst, so siehst du aus. Das sehen deine Kunden in der Zusammenarbeit genauso, ob online im Zoom-Call oder offline im Beratungsraum. Dein Gesicht ist den Menschen, mit denen du arbeitest, nicht fremd. Es ist nur für dich ungewohnt, es öffentlich zu zeigen.
Du öffnest Instagram und siehst perfekte Feeds, polierte Reels und Coaches mit tausenden Followern. Dein erster Gedanke: „Dagegen kann ich nicht antreten."
Aber halt mal. Was heißt eigentlich „professionell"? Muss das immer glatt und sachlich sein, oder kann es auch humorvoll, direkt und ein wenig kantig sein? Manche der erfolgreichsten Accounts leben davon, dass sie gerade nicht nach Hochglanz-Agentur aussehen.
Die viel wichtigere Frage: Welches Gefühl sollen Menschen haben, wenn sie deine Inhalte sehen? Sollen sie sich „inspiriert, unterhalten oder motiviert fühlen?" oder denken, „Die versteht mich" oder „Mit der würde ich gern einen Kaffee trinken"? Diese Frage zu beantworten ist tausendmal hilfreicher, als sich an fremden Feeds abzuarbeiten.
Und noch etwas: Du vergleichst dich mit Leuten, die seit Jahren dort sind, nicht mit Leuten, die gerade anfangen. Das ist, als würdest du dich beim Joggen mit jemandem vergleichen, der gerade einen Marathon läuft, während du zum ersten Mal die Laufschuhe anziehst.
Instagram fühlt sich an wie ein Hamsterrad: Jeden Tag musst du Content posten, sonst vergisst dich der Algorithmus. Das ist die Vorstellung, die am meisten abschreckt. Okay, aber stimmt das so?
Ja, idealerweise postest du werktags, dazu zwei bis drei Stories für Behind-the-Scenes-Einblicke. Das klingt viel, wenn du bei null anfängst.
Aber hier kommt der entscheidende Punkt: Wenn du von Anfang an auf zeitlose Inhalte setzt, die auf dein Angebot einzahlen, dann baust du dir eine Contentbank auf. Nach ein paar Monaten kannst du Beiträge einfach wieder veröffentlichen, mit einem anderen Bild und einem anderen Einstiegssatz, aber demselben Kern. Das ist Content-Recycling, und das ist kein Schummeln, sondern Strategie.
Das Hamsterrad entsteht, wenn du ständig brandneuen Content produzierst. Wenn du stattdessen einmal gute, zeitlose Beiträge erstellst und sie rotieren lässt, wird es mit der Zeit leichter, nicht schwerer.
Die Stille nach dem ersten Post, keine Likes und kein Kommentar, fühlt sich an wie öffentliches Scheitern.
Aber lass uns das kurz auseinandernehmen. Die meisten Menschen konsumieren Content, ohne zu reagieren. Ein Like heißt: „Stimmt, sehe ich auch so" oder einfach „Gutes Design". Für einen Kommentar dagegen muss ein Post wirklich resonieren. Jemand muss denken: „Das kenne ich, das will ich erzählen." Das passiert seltener, und das ist völlig normal.
Dann gibt es noch das Bookmarken, wenn jemand sich eine Anleitung oder einen Tipp für später merken will. Und das Weiterleiten an Bekannte per Nachricht, wenn man den Inhalt als sehr wertvoll für andere Menschen empfindet.
Am Anfang bist du für Instagram ein unbeschriebenes Blatt. Der Algorithmus muss erst lernen, für welche Themen du stehst, und deine Beiträge brauchen Interaktion, damit die Plattform weiß, wem sie deine Inhalte zeigen soll. Das dauert, und es ist bei jedem so, der anfängt.
Ich habe jetzt fünf Instagram-spezifische Ängste benannt. Aber wenn ich bei Kunden genauer nachhake, landet das Gespräch fast immer an derselben Stelle: Es geht gar nicht um die Plattform.
Instagram macht nur Dinge sichtbar, die vorher leise im Hintergrund liefen: den Zweifel an der eigenen Expertise, die Unsicherheit über die eigene Positionierung und die Angst, bewertet zu werden von einem anonymen Publikum, das man nicht sehen kann.
Coaches, die über Empfehlungen gewachsen sind, mussten sich nie öffentlich zeigen. Empfehlungen kommen leise: Jemand sagt zu jemand anderem „Ruf die mal an", und das Vertrauen war immer schon da, bevor das erste Gespräch stattfand.
Instagram ist das Gegenteil davon. Dort stehst du vor Leuten, die dich noch nicht kennen und die erst entscheiden müssen, ob sie dir zuhören wollen. Das ist ein komplett anderer Muskel, und es ist normal, dass er am Anfang schwach ist.
Aber das Gute ist: Du bist auf Instagram nicht schutzlos. Es ist dein Wohnzimmer, und du entscheidest, wen du reinlässt. Du kannst Kommentare verbergen, Accounts blockieren, Nachrichten filtern. Kritik im Netz fühlt sich bedrohlicher an als auf einer Konferenz, weil das Publikum anonym ist. Aber du hast mehr Kontrolle, als du denkst.
Mein Workbook „Sichtbar statt Zweifel" begleitet dich in 7 Modulen vom Imposter-Gefühl zum ersten sichtbaren Schritt. Mit Übungen, Routinen und Klartext statt Motivationsposter.
Zum WorkbookWenn du das Imposter-Syndrom tiefer verstehen willst: In meinem Artikel zu Imposter-Syndrom bei Coaches erzähle ich meine eigene Geschichte damit und zeige dir 5 konkrete Strategien.
Jetzt räumen wir auf mit den übertriebenen Vorstellungen. Denn vieles, was du über Instagram glaubst, stimmt so nicht mehr.
Du musst nicht perfekt sein. Gerade weil KI-generierter Content überall zunimmt, zählt authentischer, roher Content immer mehr. Der Post, den du spontan am Schreibtisch aufnimmst, kann besser funktionieren als das polierte Canva-Bild. Halte dich nicht ewig mit Design-Vorlagen auf. Ein paar grafische Templates für Zitate oder Carousels sind hilfreich, klar. Aber lass dich davon nicht aufhalten. Perfektionismus ist Vermeidung im schönen Kleid.
Du brauchst keine riesige Followerzahl. 300 Follower, die zu deiner Zielgruppe gehören, sind mehr wert als 5.000 zufällige. Followerzahlen sind im Influencer-Geschäft interessant. Für dein Coaching-Business zählt etwas anderes: dass die richtigen Leute dir folgen und dass du Wege findest, sie in private Nachrichten zu bekommen. Denn dort kannst du Links zu deinem Angebot teilen und auf eine persönlichere Ebene gehen.
Du brauchst keinen Content-Marathon. Idealerweise postest du werktags einmal, dazu ein paar Stories. Wenn du auf zeitlose Inhalte setzt, baust du dir über die Monate eine Contentbank auf, aus der du immer wieder schöpfen kannst. Und ja, 3 bis 8 Stunden pro Woche sind realistisch für einen soliden Instagram-Start. Das klingt nach viel, aber es wird weniger, sobald deine Routine steht.
Mein 30-Tage-Fahrplan „Von der leeren Seite zum ersten Post" gibt dir für jeden Tag eine Aufgabe. Maximal eine Stunde, meistens weniger. Inklusive KI-Prompts für die Momente, in denen die leere Seite blockiert.
Zum 30-Tage-FahrplanKeine Motivationssprüche, sondern drei ruhige, praktische Schritte.
Nimm dir 10 Minuten und schreib deine drei größten Befürchtungen auf. Wörtlich, so wie sie in deinem Kopf klingen. „Alle werden sehen, dass ich nicht genug Erfahrung habe." Oder: „Meine ehemalige Kollegin wird denken, ich mache mich lächerlich."
Dann frag dich bei jeder einzelnen: Ist das eine Tatsache oder eine Annahme? Bei den meisten wirst du merken: Es ist eine Geschichte, die du dir erzählst, nicht etwas, das tatsächlich passiert ist.
Es muss kein Reel am Tag 1 sein. Ein Text-Post reicht. Oder ein Carousel mit einer Erkenntnis aus deinem Coaching-Alltag. Du wählst das Format, nicht der Algorithmus.
Die Formate, die dir leichtfallen, sind die richtigen zum Anfangen. Alles andere kannst du später dazulernen, wenn du dich sicherer fühlst.
Die Angst vor dem ersten Post ist immer am größten. Danach wird sie kleiner, nicht weg, aber kleiner, und mit jedem weiteren Post ein bisschen mehr.
Dein erster Beitrag muss nicht brillant sein. Er muss nur existieren. 🙂
Instagram ist nicht bedrohlich, sondern unbequem, wenn du es nicht gewohnt bist, dich zu zeigen. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Die Ängste, die dich blockieren, sind menschlich, und sie gehen nicht weg, indem du wartest, bis du dich bereit fühlst. Sie werden kleiner, indem du trotzdem postest und merkst: Es ist passiert, und die Welt hat sich weitergedreht.
Du brauchst dafür weder einen perfekten Feed noch tausend Follower. Du brauchst eine klare Positionierung, ein paar gute Beiträge und den Mut, auf „Veröffentlichen" zu drücken.
Den Rest verbesserst du unterwegs.
In meinem Instagram-Coaching begleite ich dich Schritt für Schritt: Profil, Strategie, erste Posts. Kein Dauerstress, sondern ein Weg, der zu dir passt.
Zum Instagram-CoachingUnd wenn du dir noch nicht sicher bist, ob Instagram überhaupt die richtige Plattform für dich ist: In meinem Vergleichsartikel „Instagram oder LinkedIn?" helfe ich dir bei der Entscheidung.