Instagram-Content: Warum einfache Tipps oft die besten Beiträge sind

Instagram-Content: Warum einfache Tipps oft die besten Beiträge sind

„Das weiß doch jeder.“

Dieser Gedanke hält erstaunlich viele gute Instagram-Beiträge auf. Du hast eine Idee, findest sie im ersten Moment hilfreich und verwirfst sie gleich wieder, weil sie dir zu einfach vorkommt.

In meinen Workshops und Gesprächen höre ich immer wieder Fragen wie:

  • Wie oft muss ich auf Instagram posten?
  • Welches Konto ist das richtige?
  • Muss ich vor die Kamera?
  • Und wie bekomme ich im Unternehmenskontext meine Mitarbeiter vor die Kamera?

Für mich sind das Grundlagen. Ich beschäftige mich schließlich jeden Tag mit Instagram. Wer Instagram bisher vor allem privat genutzt und ein paar Urlaubsfotos gepostet hat, steht jedoch an einem ganz anderen Punkt. Ein Konto professionell für das eigene Business zu nutzen, bringt neue Fragen, Abläufe und oft auch Ängste mit sich.

Du bist deiner Zielgruppe bei deinem Fachthema voraus. Genau deshalb sind die Fragen, die dir einfach erscheinen, häufig guter Content.

Warum uns einfache Fragen so leicht entgehen

Je länger du dich mit einem Thema beschäftigst, desto selbstverständlicher wird dein Wissen für dich. Du kennst die Grundlagen, hast Sonderfälle erlebt und denkst längst über die Feinheiten nach. Deshalb kommst du auf manche Basisfrage gar nicht mehr von allein.

Beratungen und Workshops sind für mich der beste Indikator dafür, wo Menschen wirklich stehen. Dort merke ich immer wieder, wie einfach die Fragen manchmal sind. Das ist überhaupt nicht wertend gemeint. Die Menschen beschäftigen sich nur noch nicht so lange oder so intensiv mit dem Thema wie ich.

Ich erlebe das gerade selbst an anderer Stelle. Ich weiß in der Theorie, wie ein Online-Business funktioniert, wie digitale Produkte aufgebaut und vermarktet werden. Mit diesen Themen beschäftige ich mich seit Jahren. Jetzt gehe ich aber selbst in die praktische Umsetzung und Fragen kamen auf. Dafür habe ich ein Coaching gebucht. Und realisiere hier auch, wie viele kleine Schritte es eigentlich für das Große und Ganze braucht. Planen und umsetzen sind eben zwei verschiedene Paar Schuhe.

Dort werden auch Fragen beantwortet, die man als Anfängerfragen bezeichnen könnte. Für mich ist das trotzdem hilfreich. Denn zu wissen, wie etwas grundsätzlich funktioniert, bedeutet noch lange nicht, dass die Umsetzung im eigenen Alltag reibungslos klappt. Manchmal braucht es genau diese klare Anleitung: Mach zuerst diesen Schritt, danach den nächsten und dann diesen.

Ein Thema kann für dich fachlich längst klar sein und deiner Zielgruppe trotzdem gerade die Orientierung geben, die ihr fehlt.

Ein einfacher Beitrag darf wirklich einfach sein

Ein einfacher Instagram-Beitrag ist für mich zum Beispiel ein Bild mit einer klaren Aussage. Er ist schneller erstellt als ein aufwendig geschnittenes Reel oder ein langes Karussell. Das macht ihn nicht automatisch weniger wertvoll.

Instagram besteht aus unterschiedlichen Formaten. Einfache Bilder gehören für mich genauso in diesen Mix wie Karussells, Reels und Stories.

Dabei ist wichtig: Einfach zu erstellen heißt nicht automatisch, dass der Beitrag gut funktioniert. Ein Bild mit einem beliebigen Spruch bleibt ein beliebiges Bild mit einem Spruch. Auch ein spontan aufgenommenes Reel braucht einen nachvollziehbaren Gedanken und gutes Storytelling.

Ich erinnere mich an ein Reel, das ich aufgenommen habe, während mein Sohn samstags bei den Pfadfindern im Wald war. Normalerweise nutze ich die Zeit für eine Wanderung mit dem Hund. An diesem Tag habe ich mich einfach hingesetzt und einen Tipp aufgenommen: ohne Skript, nicht perfekt gestylt und nicht in einer typischen Arbeitsumgebung. Das Reel kam gut an und hat Diskussionen ausgelöst.

Das bedeutet aber nicht, dass jedes spontan aufgenommene Video automatisch funktioniert. Auch dabei muss klar sein: Worum geht es? Warum erzähle ich das? Und was soll die Person am Ende mitnehmen? Wenn dir gerade der Einstieg schwerfällt, findest du in meinem Artikel über Instagram-Hooks ohne Zirkus passende Beispiele.

Welche Reaktion soll dein Beitrag auslösen?

Wenn wir sagen, ein Beitrag habe „gut funktioniert“, ist die nächste Frage: Woran machen wir das fest?

Nicht jede Reaktion bedeutet dasselbe:

  • Ein Like bekommst du eher, wenn jemand das Design oder den Humor mag oder deiner Aussage zustimmt.
  • Ein Kommentar entsteht häufiger, wenn jemand die Situation gut nachvollziehen kann, eine eigene Erfahrung beitragen möchte oder deine Aussage kontrovers findet.
  • Gespeichert wird ein Beitrag, wenn jemand später noch einmal darauf zurückkommen möchte.
  • Weitergegeben wird er, wenn jemand den Inhalt für andere als wertvoll einschätzt – als Repost, in einer Story oder direkt an Freunde und Kollegen.

Überlege deshalb nicht nur, wie du möglichst viele Reaktionen bekommst. Frage dich vorher, welche Reaktion zu diesem Beitrag und deinem Ziel passt. Ein konkreter Umsetzungstipp darf auf Speicherungen zielen. Eine klare Haltung kann ein Gespräch in den Kommentaren auslösen. Und ein humorvoller Beitrag kann Nähe schaffen, auch wenn daraus nicht sofort eine Anfrage entsteht.

Was einfachen Content von austauschbarem Content unterscheidet

Wenn ich einen einfachen Tipp entwickle, setze ich mich gedanklich auf die andere Seite des Schreibtisches. Ich versuche, die Situation aus der Perspektive meiner Zielgruppe zu sehen: 

  • Wo steht die Person gerade? 
  • Was hat sie schon versucht? 
  • An welcher Stelle kommt sie nicht weiter?

Danach ergänze ich meine eigene Erfahrung. 

  • Wie habe ich das tatsächlich umgesetzt? 
  • Was hat bei mir oder in meiner Arbeit funktioniert? 
  • Wo war es komplizierter, als es in der Theorie klingt?

Genau das unterscheidet einen hilfreichen einfachen Beitrag von austauschbarem Content. Eine allgemeine Liste mit fünf Tipps kann sich heute jeder von einer KI erstellen lassen. Spannend wird es, wenn du erklärst, wie du selbst vorgegangen bist, woran du gescheitert bist oder warum du einen üblichen Rat anders beurteilst.

Dazu gehört auch, transparent zu zeigen, dass du nicht schon immer alles wusstest. Das fällt mir selbst nicht leicht. Natürlich möchte ich als jemand wahrgenommen werden, der sich auskennt. Aber so zu tun, als wüssten wir immer alles, ist ehrlich gesagt Bullshit.

Wir entwickeln uns weiter. Vielleicht würde ich etwas, das ich vor einem Jahr empfohlen habe, heute anders machen. Dann finde ich es wichtig, dazu zu stehen und zu erklären, was ich inzwischen gelernt habe.

Deshalb bin ich ein großer Fan davon, mir eigene Challenges zu setzen. Wenn ich meinen Kunden etwas empfehle, möchte ich möglichst selbst ausprobiert haben, wie sich das im Alltag anfühlt: wie viel Zeit es kostet, wo Stress entsteht und was dabei hilft, dranzubleiben. Aus genau diesen Erfahrungen entstehen Beiträge, die keine KI ohne deinen Input schreiben kann.

Mehr darüber, warum deine Erfahrung ein wichtiger Teil deiner Sichtbarkeit ist, liest du im Artikel Personal Brand ab 40.

Wie du aus Kundengesprächen konkrete Beiträge entwickelst

Die besten einfachen Themen musst du dir häufig nicht ausdenken. Sie begegnen dir längst in deiner Arbeit.

Sammle zum Beispiel:

  • Fragen aus Kunden- und Erstgesprächen,
  • Rückfragen aus Workshops oder Gruppen,
  • Formulierungen aus Nachrichten und Kommentaren,
  • typische Missverständnisse,
  • kleine Anekdoten aus deiner eigenen Umsetzung.
content ideen aus kundengespraechen nicole kempe

Mach dich dabei nicht kleiner, als du bist. Aber halte dich auch nicht für zu weit fortgeschritten, um eine einfache Frage zu beantworten. Ich kenne den Wunsch, in einem Beitrag möglichst viel vom eigenen Wissen zu zeigen, selbst sehr gut. Das sind bei mir oft die Beiträge, bei denen ich vom Hölzchen aufs Stöckchen komme.

Für Instagram hilft mir deshalb der Grundsatz: ein Thema pro Beitrag. Nicht noch drei Ausnahmen, fünf Nebengedanken und die komplette Vorgeschichte dazupacken. Wenn ein weiterer Gedanke wichtig ist, wird daraus ein eigener Beitrag. Gute Kernthemen kannst du außerdem später in einem anderen Format wieder aufgreifen. 

Natürlich hängt die Auswahl der Fragen von deiner Zielgruppe ab. Wenn du eine sehr spitze Zielgruppe ansprichst, die fachlich schon weit ist, brauchst du keine Tipps für absolute Anfänger. „Einfach“ bedeutet nicht, dass du immer ganz vorne anfangen musst. Es bedeutet, genau die Frage zu beantworten, die für deine Zielgruppe auf ihrem aktuellen Stand relevant ist.

Das findest du nicht allein am Schreibtisch heraus. Dafür brauchst du Gespräche.

Ein kleiner Schritt für deinen nächsten Beitrag

Nimm dir 15 Minuten Zeit und gehe so vor:

  1. Schreibe fünf echte Fragen auf, die dir Kunden, Interessierte oder Teilnehmer gestellt haben.
  2. Wähle eine Frage aus, die häufiger vorkommt oder die dir besonders selbstverständlich erscheint.
  3. Ergänze eine eigene Erfahrung: Wie gehst du damit um? Was hast du selbst ausprobiert oder gelernt?
  4. Entscheide, welche Reaktion sinnvoll wäre: Zustimmung, ein Gespräch, Speichern oder Weitergeben.
  5. Wähle das einfachste passende Format. Das darf ein Bild mit einer Aussage und einer kurzen Caption sein.

Wenn du bei einer Aussage sofort wieder denkst „Das ist doch zu banal“, schau noch einmal hin. Vielleicht ist genau das der Beitrag, den deine Zielgruppe gerade braucht.

infografik 15 minuten content idee nicole kempe

Fazit: Einfach heißt nicht belanglos

Ein einfacher Beitrag ist nicht automatisch ein erfolgreicher Beitrag. Er braucht ein relevantes Thema, deine Perspektive und ein klares Ziel. Bei einem Reel kommt außerdem Storytelling dazu.

Du musst aber nicht aus jeder Frage ein aufwendiges Karussell oder ein perfekt produziertes Video machen. Ein Bild mit einer klaren Aussage kann vollkommen ausreichen. Gerade im Alltag ist es sinnvoll, auch Formate zu nutzen, die sich schnell umsetzen lassen.

Orientiere dich weniger daran, was dir selbst neu erscheint. Höre genauer hin, welche Fragen dir deine Zielgruppe stellt. Du bist ihr bei deinem Thema voraus – und dein Grundlagenwissen kann für sie genau der nächste Schritt sein.

Häufige Fragen zu einfachem Instagram-Content

Sind einfache Instagram-Beiträge nicht zu banal?

Nein. Entscheidend ist nicht, ob der Inhalt für dich neu ist, sondern ob er eine echte Frage deiner Zielgruppe beantwortet. Ein einfacher Tipp wird besonders wertvoll, wenn du ihn mit deiner Erfahrung und einer konkreten Situation verbindest.

Muss ich für guten Instagram-Content vor die Kamera?

Nein. Ein Bild mit einer klaren Aussage kann ein sinnvoller Beitrag sein. Videos helfen zwar dabei, dich und deine Art zu zeigen, aber nicht jeder Beitrag muss ein Reel sein. Ein Formatmix nimmt außerdem Druck aus der Content-Erstellung.

Woran erkenne ich, ob ein einfacher Beitrag funktioniert hat?

Das hängt von deinem Ziel ab. Likes zeigen oft Zustimmung oder Gefallen. Kommentare sprechen eher für Gesprächsbedarf, Speicherungen für späteren Nutzen und geteilte Beiträge dafür, dass jemand den Inhalt für andere wertvoll findet.

Wie verhindere ich, dass einfache Tipps austauschbar wirken?

Beziehe den Tipp auf die konkrete Situation deiner Zielgruppe und ergänze deine eigene Erfahrung. Erkläre nicht nur, was jemand tun soll, sondern auch, wie du selbst vorgegangen bist, was schwierig war oder was du heute anders machen würdest.

Instagram-Newsletter

Instagram darf leichter werden.

Ich schreibe regelmäßig über Instagram und probiere vieles vorher selbst aus. Was dabei hängen bleibt, schicke ich dir per Mail.

In meinem Instagram-Newsletter bekommst du:

  • meine neuesten Artikel rund um Instagram
  • Tipps aus der täglichen Arbeit mit meinen Kundinnen
  • kleine Kniffe und Einstellungen, die es nicht in den Blog schaffen

Für Coaches, BeraterInnen & TrainerInnen, die auf ihre Art sichtbar werden wollen.