
Während der Schulzeit stand ich auf der Kartoffelmaschine, habe Briefe ausgetragen, Tomaten geerntet und als Zimmermädchen gearbeitet. Eine Ausbildung als Bank- und Versicherungskauffrau war der erste offizielle Schritt ins Berufsleben, bis ich dann doch noch studiert habe.
Das Studium habe ich selbst finanziert: hinter einer Café-Theke, als Geschäftsführungsassistentin und als Marketing-Koordinatorin bei Coca-Cola. Danach ein Jahr in Polen, wo ich das erste Mal professionell Facebook-Seiten und einen Blog aufgebaut habe. Den Vertrag verlängern wollte ich nicht und bin ohne Netz und doppelten Boden in die Selbstständigkeit gestartet. Im Nachhinein betrachtet war das mehr als naiv. Seit 2010 habe ich zahlreiche Social-Media-Workshops gegeben, ein Buchkapitel über Content-Marketing geschrieben und Kunden in unterschiedlicher Größe beraten.
Nicht immer gerade, selten wie geplant. Aber dieser Weg hat mich geprägt.
Warum ich dir das erzähle? Nicht weil mein Lebenslauf so besonders ist. Sondern weil deiner es genauso ist. Du bist deinen eigenen Weg gegangen, mit Abzweigungen und Umwegen, und bist genau da gelandet, wo du jetzt stehst. Vielleicht als Coach, als Beraterin, als Therapeutin. Mit einem Rucksack voller Erfahrung, den du Tag für Tag in deiner Arbeit nutzt.
Und jetzt stellt sich die Frage: Zeigst du das auch online? Oder bleibst du unsichtbar, während andere mit halb so viel Erfahrung die Bühne besetzen?
Ich erlebe das immer wieder. Frauen – und ich rede fast ausschließlich von Frauen, weil Männer das seltener laut sagen – die ihr Alter als Grund nennen, warum Social Media nichts für sie ist. „Wer will mich denn sehen? Ich bin ja keine 30 mehr." Oder: „Ich bin ja schon 50. Social Media ist so gar nicht meine Welt."
Ich verstehe das. Wenn du durch Instagram scrollst und überall junge Gesichter siehst, die scheinbar mühelos Content raushauen, dann kann sich das anfühlen, als wärst du zu spät dran. Als hättest du den Zug verpasst.
Aber mal ehrlich: Hast du nicht.
Denn was passiert, wenn du 40 oder 50 bist? Du bist wesentlich entspannter. Was andere über dich denken, spielt eine ganz andere Rolle als noch mit Anfang 20.
Diese Gelassenheit kommt mit dem Alter. Nicht weil dir alles egal ist, sondern weil du gelernt hast, was wirklich zählt und was nicht. Und das ist eine verdammt gute Voraussetzung für Social Media.
Dazu kommt: Du bist Expertin. Nicht weil es auf einer Visitenkarte steht, sondern weil du Dinge erlebt und durchgestanden hast. Gerade Coaches haben oft die Themen am eigenen Leib erfahren, mit denen ihre Kunden kämpfen.
Ich weiß zum Beispiel, wie es sich anfühlt, wenn im Alltag die Zeit für Content fehlt. Oder wenn du thematisch blockiert bist und der Cursor auf einem leeren Dokument blinkt. Oder wenn du bei Videos denkst: „Das mache ich nicht, ich lese lieber." Das sind keine theoretischen Szenarien, ich kenne das aus eigener Erfahrung.
Ich merke oft, dass der Begriff „Personal Brand" abschreckt. Und ich verstehe auch warum. Er klingt nach permanenter Selbstinszenierung, nach perfekten Fotos, nach jemandem, der ständig in die Kamera lächelt und „Follow me" ruft.
Wenn du Coach bist, willst du Kunden helfen. Du willst vielleicht gar nicht zur Marke werden. Das fühlt sich falsch an, oder?
Nur: Du bist schon eine Marke. Jedes Mal, wenn du mit einem Kunden sprichst, wenn du auf einer Veranstaltung bist, wenn jemand deinen Namen googelt – dann entsteht ein Bild von dir. Die Frage ist nicht, ob du eine Personal Brand hast. Die Frage ist, ob du selbst bestimmst, wie dieses Bild aussieht, oder ob du es dem Zufall überlässt.
Social Media ist einfach ein Werkzeug, mit dem du dieses Bild aktiv gestaltest. Nicht mehr und nicht weniger. Du musst nicht dein Frühstück posten. Du musst keine Tanzvideos drehen. Du musst dich nicht verbiegen.
Was du tust: Du zeigst, wofür du stehst, wie du arbeitest und warum es sich lohnt, mit dir zusammenzuarbeiten. Das ist keine Inszenierung, das ist Sichtbarkeit für dein Business.
Kennst du das? Du überlegst, einen Beitrag über Resilienz zu schreiben, googelst kurz – und findest 500 Artikel, 200 Coaches und 50 Podcasts, die alle über Resilienz sprechen. Und du denkst: „Was soll ich denn da noch beitragen?"
Ich kenne diesen Gedanken. Ich hatte ihn selbst des Öfteren. „Das weiß doch schon jeder" war mein liebster Grund, nichts zu posten.
Aber hier ist der Denkfehler: Du verwechselst das Thema mit der Perspektive.
Ja, über Resilienz haben schon viele geschrieben. Aber niemand hat darüber geschrieben, so wie du nach 15 Jahren in einem Konzern, einer Scheidung und dem Neustart als Coach mit 47 auf das Thema Resilienz blickst. Niemand hat deine konkreten Erfahrungen aus der Arbeit mit deinen Kunden. Niemand erzählt die Geschichten, die du erzählen kannst.
Dein Thema muss nicht einzigartig sein. Dein Blickwinkel darauf ist es schon.
Wenn ich zurückschaue auf die Kartoffelmaschine, auf die Café-Theke, auf Coca-Cola, auf die langen Abende als Freelancerin – dann sehe ich kein Durcheinander. Ich sehe meine Geschichte.
Und Geschichten sind das, was dein Marketing auf Social Media trägt, neben deiner Fachexpertise.
Dein Lebenslauf ist voll davon: Die Jobs, die du gemacht hast, um dir etwas zu leisten. Die Entscheidungen, die sich im Nachhinein als falsch herausgestellt haben, und was du daraus gelernt hast. Die Momente, in denen du es dir selbst nicht zugetraut hast, und die, in denen du es trotzdem gemacht hast.
Das ist Content. Und das unterscheidet dich von jedem anderen Coach, der das gleiche Zertifikat hat wie du.
Dein Wunschkunde erkennt sich in diesen Geschichten wieder. Nicht in jedem Detail, aber in den Herausforderungen dahinter. Das ist die Brücke zwischen dir und ihm. Nicht der perfekte Post und nicht das professionelle Foto, sondern deine Geschichte, verbunden mit dem, was du fachlich drauf hast.
Ich sage das bewusst so: Social Media ist ein Werkzeug. Kein Selbstzweck und kein Ort, an dem du dich verbiegen musst.
TikTok? Macht Spaß, aber ist deine Zielgruppe dort? Für die meisten Coaches ab 40, mit denen ich arbeite, sind Instagram oder LinkedIn der sinnvollere Einstieg.
Und in einer Sache bin ich klar: Starte mit einer Plattform. Wirklich nur einer.
Wenn du die beherrschst, kannst du dir ein zweites Netzwerk anschauen. Aber unterschätze nicht den Aufwand von mehreren Plattformen. Community Management kostet Zeit.
Solange du ein paar hundert Follower hast, fällt das kaum ins Gewicht. Aber wenn du mal einen Beitrag hast, der durch die Decke geht, oder wenn deine Follower wachsen, kommen Nachrichten, Kooperationsanfragen und Kommentare. Die wollen beantwortet werden.
Das geht auf einer Plattform. Aber auf dreien gleichzeitig? Kaum, sei denn, du hast ein Team hinter dir.
Und dann: Setz dich mit dieser einen Plattform auseinander. Wie funktioniert der Algorithmus? Was kommt bei deiner Zielgruppe an? Welche Formate machen dir Spaß? Das findest du nicht durch Recherche heraus, sondern durch Ausprobieren.
In meinem Coaching schauen wir gemeinsam, welche Plattform für dich und dein Business Sinn ergibt. Und dann gehen wir den ersten Schritt zusammen – ohne Druck, ohne perfekten Plan.
Mehr über mein Coaching erfahrenWenn ich Menschen beim Aufbau ihrer Sichtbarkeit begleite, scheitert es eigentlich immer an einer dieser drei Stellen. Oft sogar an allen dreien nacheinander.
Ich habe mich damit selbst wahnsinnig lange schwergetan. Wenn du ein gewisses Alter hast, hast du auch viel berufliche Erfahrung und kannst so einiges. Da fällt der Fokus schwer. Ich mache seit 2010 Social-Media-Marketing, für Solopreneure und internationale Konzerne. Ich mache auch SEO, schreibe Newsletter und erstelle Content-Strategien. Ich könnte über alles davon schreiben und Angebote unterbreiten.
Tue ich aber nicht. Weil ich gemerkt habe, mit wem ich am liebsten arbeite: mit Frauen ab 40, die auf Social Media durchstarten wollen. Das ist mein Fokus. Alles andere läuft im Hintergrund, aber ich rede nicht so laut darüber.
Auch du brauchst diese Klarheit, denn ohne diese Klarheit verpufft jeder Post. Du musst dich nicht für immer festlegen, denn du änderst dich und dein Business ändert sich. Aber für den Anfang: Definiere, wem du hilfst und was er dadurch erreicht. Das ist dein Fundament.
Offen gestanden: Das hier ist die Stelle, an der die meisten hängen bleiben.
Du sollst glauben, dass deine Erfahrung wertvoll ist. Dass dein Wissen anderen wirklich hilft. Dass die Veränderung, die du bei deinen Kunden bewirkst, real ist.
Und gleichzeitig sitzt du vor LinkedIn, tippst einen Beitrag, liest ihn nochmal – und löschst ihn wieder. Weil da diese Stimme in deinem Kopf ist: „Wer bin ich denn, dass ich das hier poste? Die anderen können das besser."
Ich kenne diese Stimme. Die hatte ich auch. Und sie taucht immer noch gelegentlich auf, wenn ich ehrlich bin.
Was mir geholfen hat: Nicht an mich denken, sondern an die Person, die meinen Beitrag liest. Die Kundin, die gerade genau vor dem Problem steht, das ich lösen kann. Wenn ich nichts sage, findet sie mich nicht. Dann geht sie zu jemand anderem – oder, schlimmer noch, sie bleibt mit ihrem Problem allein.
Ich sage das aus leidvoller eigener Erfahrung: Ich hatte immer wieder lange Pausen auf meinen eigenen Social-Media-Accounts. Durch Umstände, die ich nicht immer selbst gewählt habe. Und jedes Mal, wenn ich wieder anfangen musste, war es ein Kraftakt. Das Wachstum, das ich mir aufgebaut hatte? Es war weg. Der Schwung? Auch weg. Ich musste immer wieder von vorne angefangen.
Ich erlebe das auch bei meinen Kunden: Leute, die hochmotiviert starten und nach einem Monat frustriert sind, weil sie noch keine 10.000 Follower haben. Langsam nährt sich das Eichhörnchen.
Follower sind übrigens nicht gleich Kunden. Das ist sowieso nicht die Metrik, auf die es ankommt. Aber Konsistenz schon.
Finde eine Regelmäßigkeit, die zu dir und zu deiner Plattform passt. Auf Instagram kannst du fünfmal pro Woche posten und täglich Stories machen. Auf LinkedIn reichen drei Beiträge pro Woche, wenn du täglich eine halbe Stunde interagierst.
Jede Plattform hat ihre eigene Logik. Finde heraus, was für dich funktioniert, und dann halte es durch.
Wenn du mit über 40 anfängst, dich online zu zeigen, dann übernimmst du die Kontrolle darüber, was andere von dir wahrnehmen. Du legst den Fokus auf das, was du zeigen willst – deine Stärken, deine Perspektive, deine Arbeitsweise.
Das ist kein Eitelkeitsprojekt. Das ist eine geschäftliche Entscheidung. Und gleichzeitig eine der ehrlichsten Formen von Marketing, weil sie auf dem aufbaut, was wirklich da ist: dem, was du erlebt, gelernt und aufgebaut hast.
Du brauchst keinen perfekten Plan und kein perfektes Profil. Du brauchst den Mut, den ersten Schritt zu machen. Und dann den nächsten.
Wo stehst du gerade? Noch am Anfang oder schon mittendrin und festgefahren? Schreib mir auf LinkedIn oder Instagram – ich lese alles und antworte persönlich.