
Als ich wieder in die Vollselbstständigkeit gegangen bin, hatte ich einen klaren Plan. Für mein Business, für meine Angebote und dafür, wie ich das Ganze vermarkten wollte. Ich wusste durchaus, was zu tun war.
Dann entwickelten sich ein paar Dinge anders als gedacht. Ich nahm Aufträge an, die mit meiner ursprünglichen Idee nicht so viel zu tun hatten. Die mussten erledigt werden. Und die Zeit für die eigene Angebotsentwicklung und fürs Marketing? War irgendwann weg.
So viel zu meiner schönen Strategie.
Wenn du eine Content-Strategie entwickeln möchtest, würde ich deshalb früh auf deinen Alltag schauen. Welche Angebote willst du vermarkten, wen willst du erreichen und wann machst du die Arbeit dafür tatsächlich? Ich gehe dafür sechs Fragen durch: Warum, wer, was, wo, wie und wann. Die Antworten kannst du knapp festhalten und für die nächsten Wochen benutzen. Du brauchst dafür erst mal kein 40-Seiten-Dokument.
Mit dem Warum meine ich ganz schlicht dein geschäftliches Ziel. Du steckst Zeit in deine Inhalte, vielleicht auch Geld. Da solltest du schon wissen, wofür.
Welches Angebot soll in den nächsten Monaten im Fokus stehen? Willst du dafür Gespräche anbahnen, Anmeldungen für ein Webinar bekommen oder zunächst Menschen erreichen, die sich für dein Thema interessieren?
Bei mir geht es auf Social Media viel um Community-Aufbau und darum, Interessenten zu gewinnen. Direkt verkaufe ich dort seltener, höchstens mal ein kleines Produkt. Wer eine umfangreichere Beratung buchen soll, braucht häufig erst mehr Einblick: Was mache ich genau, wie arbeite ich, und passt das zum eigenen Problem?
Wenn du als selbstständige Person dein Wissen und deine Expertise zeigst, soll daraus ein Geschäft mit deinen Angeboten entstehen. Reichweite kann dabei helfen. Ihre Bedeutung hängt aber davon ab, womit du Geld verdienst. Für ein Influencer-Business mit Werbekooperationen sieht diese Rechnung anders aus als für eine Beratung, für die du wenige passende Anfragen brauchst.
Halte fest: Welches Angebot steht im Fokus, was soll dein Content dazu beitragen und woran erkennst du Fortschritt? Bei einem Webinar könnten das passende Anmeldungen und die daraus entstehenden Gespräche sein. Die Follower-Zahl allein beantwortet dir diese Frage kaum.
Ich arbeite gern mit einer Persona, also einem möglichst konkreten Bild meines Gegenübers. Mir fällt es leichter, einen Beitrag zu schreiben, wenn ich jemanden vor mir sehe. Was beschäftigt diese Person? Was wünscht sie sich? Was hält sie davon ab, etwas zu ändern?
Dazu gehört für mich auch die Frage, warum mein Angebot für diesen Menschen passen könnte. Was unterscheidet meine Arbeit von anderen Angeboten? Und welche Informationen fehlen noch, um das einschätzen zu können?
Es macht einen Unterschied, ob jemand gerade erst merkt, dass das eigene Marketing dauernd liegen bleibt, oder schon nach Unterstützung sucht. Im ersten Fall hilft vielleicht ein Beitrag, in dem die Person ihren Alltag wiedererkennt. Im zweiten werden dein Vorgehen, der Umfang deiner Begleitung und Antworten auf konkrete Bedenken interessanter. Solche Bewusstseinsstufen helfen beim Planen. Menschen laufen sie allerdings nicht brav in einer festgelegten Reihenfolge ab.
Gerade bei mehreren Angeboten sehe ich in Beratungen immer wieder, wie schwierig die Verbindung zwischen Angebot, Profil und Content wird. Man kann viel und möchte das alles zeigen. Wer neu aufs Profil kommt, muss trotzdem verstehen können, wobei du hilfst und wie es weitergeht.
Schreib dir deshalb auf: Für wen ist dein Fokusangebot gedacht, welche Frage beschäftigt diese Person gerade und welcher nächste Schritt wäre für sie sinnvoll?
Bevor du ein Reel drehst oder ein Karussell baust, brauchst du etwas, das du sagen möchtest. Ich würde dafür beim Angebot anfangen: Welche Fragen tauchen vor einer Buchung auf? Was muss man über deine Arbeitsweise verstehen? Wo kannst du schon mit einem kleinen Hinweis helfen?
Aus diesen Fragen ergeben sich Themen. Wenn du beispielsweise Workshops moderierst, könntest du erklären, weshalb Besprechungen ohne Entscheidung enden, eine kleine Vorbereitungshilfe zeigen oder beschreiben, wie du mit einer festgefahrenen Diskussion umgehst. Das ist ein ausgedachtes Beispiel. Es zeigt, wie sich ein Angebot in verschiedene hilfreiche Beiträge übersetzen lässt.
Dann kommt das Format. Im Kern arbeitest du mit Text, Video, Audio und Bild. Was du daraus machst, hängt vom Kanal, deinem Gegenüber und auch davon ab, was dir liegt.
Auf Instagram empfehle ich, mit Reels, Karussells, Bildposts und Stories umgehen zu lernen. Ein Karussell bietet Platz, eine Methode zu erklären, Tipps zu vertiefen oder das eigene Angebot genauer vorzustellen. Ein Reel würde ich häufig für einen kurzen fachlichen oder humorvollen Impuls nutzen. In Stories kannst du einen Gedanken aufgreifen und ins Gespräch kommen. Das sind sinnvolle Einsatzmöglichkeiten; ein Reel darf selbstverständlich auch etwas ausführlicher erklären.
Die Abwechslung soll den Inhalt und die Menschen unterstützen, die ihn anschauen. Einen festen Formatmix, der jedem Account mehr Reichweite verschafft, würde ich daraus nicht ableiten.
Dann wäre mir „Mach eben keine Videos“ als Ratschlag zu schnell. Ich würde erst mal wissen wollen, was dich blockiert. Fehlt Übung? Findest du deine Stimme komisch? Hast du Sorge, wie andere reagieren?
Für Instagram gehört Video für mich in einen sinnvollen Mix. Auch Facebook bündelt seine Video-Veröffentlichung zunehmend unter Reels; Meta hat die Umstellung in seiner Ankündigung zu Facebook-Videos beschrieben. Das allein garantiert natürlich keine Reichweite. Es ist für mich aber ein guter Grund, das Format nicht vorschnell auszuschließen.
Du kannst klein anfangen, etwa mit einer kurzen Erklärung zu einer Frage, die du oft beantwortest. Wenn du dich zunächst ohne Kamera zeigen möchtest, kann auch ein Video mit eingesprochener Erklärung ein Einstieg sein. Welche Form du auf Dauer nutzt, entscheidest du nach ein paar Versuchen mit deutlich mehr Erfahrung.
Ich unterscheide drei Aufgaben: Menschen sollen dich finden, mit dir in Kontakt kommen und auch später wieder von dir hören können. Dafür kommen ein Suchkanal, Social Media und eine E-Mail-Liste infrage. Ein Kanal kann dabei mehrere Aufgaben übernehmen.
Zum Start würde ich häufig mit einem passenden Social-Media-Kanal anfangen. Dort kannst du deine Themen ausprobieren, Reaktionen bekommen und Gespräche führen. Entscheide mit Blick auf dein Angebot und darauf, wo du die passenden Menschen erreichen kannst. Mein Vergleich der Social-Media-Plattformen hilft dir beim Eingrenzen.
Gerade bei einem höherpreisigen Angebot würde ich dann überlegen, wie du Interessenten weiterführst. Vielleicht passt ein Webinar, ein hilfreiches E-Book oder eine andere Kostprobe deiner Arbeit. Wer sich dafür zum E-Mail-Kontakt anmeldet, kann anschließend weiter von dir hören. So entsteht nach und nach deine E-Mail-Liste.
Mit ihr kannst du selbst entscheiden, wann du etwas verschickst. Ob die Nachricht ankommt, geöffnet und gelesen wird, ist damit noch nicht garantiert. Trotzdem macht sie dich unabhängiger davon, ob ein Social-Media-Beitrag gerade ausgespielt wird.
Einen zusätzlichen Suchkanal wie einen Blog oder YouTube kannst du später aufbauen. Dort lassen sich Fragen behandeln, nach denen Menschen gezielt suchen. Auch öffentliche Social-Media-Inhalte können über Suchmaschinen gefunden werden. Ich würde die Planung aber nicht darauf aufbauen, dass jeder Beitrag dort auftaucht oder von einer KI zitiert wird. Selbst Google weist darauf hin, dass Indexierung und Sichtbarkeit in seinen KI-Suchfunktionen nicht garantiert sind.
Drei Aufgaben bedeuten also nicht drei neue Baustellen in derselben Woche. Schau, was schon vorhanden ist und welcher Ausbau für dein Angebot jetzt sinnvoll ist.
Hier ist meine eigene Strategie damals gescheitert. Die Aufträge lagen auf dem Tisch und mussten fertig werden. Meine Vorhaben für das eigene Business rutschten weiter nach hinten. Ein voller Kalender schafft nun mal keine zusätzliche Zeit, bloß weil die Strategie gut durchdacht ist.
Deshalb gehört für mich ein ehrlicher Blick auf die verfügbaren Stunden dazu. Wann wählst du Themen aus? Wann schreibst oder drehst du? Und wann stellst du die Beiträge fertig?
Ich produziere gern zwei Blogartikel am Stück. Auch bei Social Media hilft mir, mehrere Beiträge in einem Block zu bearbeiten. Sonst fange ich ständig wieder von vorn an. Was ich dabei über meine Planung gelernt habe, steht auch in meinem Fazit zum Versuch, täglich auf Instagram zu posten.
Du musst für jeden Platz im Kalender auch nicht eine neue Idee entwickeln. Schau, welche Gedanken aus einem vorhandenen Artikel, einem Vortrag oder einem älteren Beitrag noch hilfreich sind. In meinem Content-Recycling-Leitfaden findest du dafür einen Ablauf.
Reservier dir einen konkreten Arbeitsblock. Und falls deine Woche bereits voll ist, entscheide auch, was dafür wegfällt oder kleiner wird. Genau diese Entscheidung hätte meinem damaligen Plan gutgetan.
Jetzt kannst du festlegen, welcher Beitrag wann erscheint. Du weißt, welches Angebot du zeigen möchtest, für wen du Inhalte erstellst und wie viel Arbeit du dafür unterbringst.
Für den Anfang reicht mir eine konkrete Woche: Thema, Format, Kanal, Veröffentlichungstag und der Gedanke, den du vermitteln möchtest. Notier auch, welche Aufgabe der Beitrag hat. Soll er ein Gespräch anregen, eine Frage vor der Buchung beantworten oder auf ein Webinar hinweisen?
Wenn du gerade durchstartest und die Zeit hast, kannst du ruhig etwas mehr produzieren. So bekommst du mehr Gelegenheiten, Reaktionen zu beobachten und selbst sicherer zu werden. Daraus muss aber keine tägliche Pflicht für die nächsten zwölf Monate werden.
Schau nach der Woche hin: Worauf kamen Antworten? Hat jemand dein Profil besucht, sich angemeldet oder eine konkrete Frage gestellt? Bei wenig Resonanz ist noch nicht bewiesen, dass das Angebot falsch ist. Vielleicht war das Thema zu allgemein, vielleicht der Einstieg unverständlich oder die Zahl der erreichten Menschen einfach klein. Notier, was du tatsächlich beobachtest und was du als Nächstes ausprobieren willst.
Wenn du mehrere Angebote hast und dich ständig neu entscheiden musst, würde ich für die nächsten 90 Tage eines in den Fokus nehmen. Du kannst danach neu gewichten. Wie lang dein Planungszeitraum sinnvollerweise ist, hängt auch von deiner Business-Strategie und deinen Angeboten ab.
Nimm dir die sechs Fragen jetzt einmal vor. Stichpunkte reichen. Du wirst beim Aufschreiben merken, wo du schon klar bist und wo noch eine Entscheidung fehlt.
Wenn du deine Gedanken gleich aufschreiben möchtest: Im kostenlosen Arbeitsblatt findest du Platz für deine Antworten, deine erste Content-Woche und einen Redaktionsplan mit kurzer Reflexion. Du kannst es direkt am Bildschirm ausfüllen oder ausdrucken.
Mir hilft es, mit einer KI über meine Angebote und die dazu passenden Beiträge zu sprechen. Besonders dann, wenn ich meine Persona und das aktuelle Ziel mitgebe. Ich experimentiere auch damit, mir regelmäßig Ideen zu bestimmten Themen liefern zu lassen. Ob eine Idee meinem Gegenüber etwas bringt und ob ich sie umsetzen möchte, muss ich trotzdem selbst beurteilen.
Du kannst deine Antworten mit dem folgenden Prompt in einen Chat kopieren. Wenn dein KI-Werkzeug Projektdateien unterstützt, kannst du die Strategie dort zusätzlich hinterlegen. Halte sie aktuell und lass dir zeigen, auf welche Angaben sich ein Vorschlag bezieht.
Hilf mir, meine Content-Strategie für die nächsten 90 Tage zu prüfen und eine realistische erste Content-Woche zu planen. Meine Angaben: 1. Warum: [Fokusangebot, geschäftliches Ziel, aktueller Ausgangspunkt und woran ich Fortschritt erkennen will] 2. Wer: [konkrete Zielgruppe, Fragen, Wünsche, Bedenken, was sie über mein Angebot schon weiß und was meine Arbeit passend macht] 3. Was: [drei Themen oder Fragen zum Angebot; mögliche Formate; was mir leichtfällt oder noch Übung braucht] 4. Wo: [mein Startkanal; vorhandene weitere Kanäle; nächster Schritt für Interessenten, zum Beispiel ein Gespräch oder ein vorhandenes Webinar] 5. Wie: [verfügbare Stunden, fester Arbeitsblock und vorhandene Inhalte zur Wiederverwendung] 6. Wann: [Woche, mögliche Veröffentlichungstage und Termin für meine Auswertung] Prüfe zuerst, ob Angebot, Zielgruppe, Inhalte und nächster Schritt zusammenpassen. Benenne Widersprüche und fehlende Entscheidungen. Stelle höchstens drei gezielte Rückfragen, wenn entscheidende Informationen fehlen, und warte dann auf meine Antworten. Erstelle anschließend: - eine kurze Zusammenfassung meiner sechs Entscheidungen; - einen Wochenplan, der in mein Zeitbudget passt: Thema, konkrete Aussage, Format, Kanal, Aufgabe im Kontakt- oder Verkaufsprozess, nächster Schritt und geschätzte Arbeitszeit; - einen ersten Beitrag, mit dem ich anfangen kann, samt kleinem Arbeitsauftrag; - passende Beobachtungspunkte für meine Auswertung. Plane auch Zeit zum Fertigstellen und für Antworten auf Reaktionen ein. Kennzeichne Zeitangaben als Schätzungen. Wenn der Plan zu voll wird, reduziere ihn. Nutze nur meine Angaben. Erfinde keine Erfahrungen, Kundenstimmen, Angebote, Links oder Erfolgszahlen. Kennzeichne Annahmen und Vorschläge ausdrücklich. Behaupte nicht, du hättest mein Profil, meine Dateien oder aktuelle Plattformfunktionen geprüft, wenn du darauf keinen Zugriff hast. Schreibe verständlich und konkret, ohne Marketing-Floskeln, künstliche Gegensätze oder Erfolgsversprechen.
Ich kenne dieses Chaos im Kopf mit den vielen Ideen. Man überlegt, springt zur nächsten, verheddert sich und abends denkt man: Mist, heute wieder nichts gepostet.
Wenn du deine sechs Antworten festgehalten hast, greif dir eine passende Idee heraus und zieh sie durch. Reservier dir dafür einen Block im Kalender. Mit dem fertigen Beitrag kannst du dann weiterarbeiten und schauen, was daraus entsteht.
Halte fest, welches geschäftliche Ziel und Angebot im Fokus stehen, wen du erreichen möchtest, welche Themen und Formate du nutzt, auf welchen Kanälen du arbeitest und wie du Erstellung und Veröffentlichung organisierst. Lege auch fest, wie interessierte Menschen weitergehen können und woran du Fortschritt erkennst.
Ein 90-Tage-Fokus kann helfen, wenn du mehrere Angebote hast und dich schwer festlegst. Prüfe zwischendurch, was du umsetzt und welche Reaktionen entstehen. Ändern sich dein Angebot, deine Ressourcen oder deine Ziele wesentlich, solltest du früher nachjustieren. Alle 90 Tage alles neu zu schreiben, ist nicht nötig.
Nein. Die drei Aufgaben sind Auffindbarkeit, Aufmerksamkeit und Community sowie weiterer Kontakt, etwa per E-Mail. Ein Kanal kann mehrere Aufgaben übernehmen. Du kannst mit einem passenden Social-Media-Kanal starten und E-Mail-Liste oder Suchkanal schrittweise ergänzen.
Die Content-Strategie hält fest, was deine Inhalte für dein Business leisten sollen, für wen du sie erstellst und wie du vorgehst. Der Redaktionsplan ordnet konkrete Beiträge den Kanälen und Veröffentlichungsterminen zu. Er baut auf diesen Entscheidungen auf.
Zuletzt aktualisiert: September 2026