
Du hast nicht zu wenig Ideen. Du hast eher zwölf gleichzeitig.
Vielleicht begleitest du Führungskräfte und gibst zusätzlich Workshops für Teams. Oder du berätst Selbstständige und hast noch ein zweites Standbein, das auf den ersten Blick so gar nicht dazu passen will. Und jetzt sollst du entscheiden, ob das alles auf einen Instagram-Account gehört.
Für Scanner-Persönlichkeiten – also Menschen mit vielen Interessen und Ideen – fühlt sich Festlegen schnell nach Wegschneiden an. Ich bin selbst so eine. Das eine interessiert mich, das andere auch. Und meistens hängt am Ende mehr zusammen, als es zuerst scheint. Das Problem ist nur: Die Person, die neu auf dein Profil kommt, kann diesen Zusammenhang nicht erraten.
Kurz gesagt: Ein Account reicht, wenn dieselbe Person mit den meisten deiner Beiträge etwas anfangen kann und versteht, was deine Themen verbindet. Würde sie bei jedem zweiten Beitrag denken „Was hat das denn jetzt damit zu tun?“, sind es wahrscheinlich zwei verschiedene Business-Welten. Dann würde ich trennen. Bei einem Hobby ist das ziemlich egal. Wenn du über Instagram Kunden gewinnen willst, nicht.
Der Begriff „zwei Zielgruppen“ führt ein bisschen in die Irre. Manchmal sprichst du zwar zwei verschiedene Gruppen an, hilfst ihnen aber bei derselben Sache.
Eine Beraterin kann zum Beispiel Führungskräfte im Einzelgespräch begleiten und zusätzlich Workshops für komplette Teams anbieten. Einmal sitzt eine Person vor ihr, einmal eine ganze Gruppe. Trotzdem geht es in beiden Angeboten vielleicht um bessere Zusammenarbeit oder gesunde Führung. Das passt zusammen.
In so einem Fall brauchst du nicht für jedes Angebot einen eigenen Instagram-Account. Du brauchst nur einen Satz, bei dem eine Außenstehende versteht: „Ah, darum geht es hier – und deshalb gehören diese beiden Angebote zusammen.“
Genau das meine ich mit dem roten Faden deiner Positionierung. Deine Positionierung ist nicht ein einzelnes Angebot. Sie beschreibt, wobei du Menschen hilfst und wofür du bekannt werden möchtest. Darunter dürfen mehrere passende Angebote Platz haben.
Und der Instagram-Algorithmus? Der verlangt nicht, dass du für immer nur über ein einziges Thema sprichst. Vereinfacht gesagt beobachtet Instagram, wofür sich Menschen interessieren und wie sie auf Beiträge reagieren. Meta erklärt diese Signale im Hilfebereich genauer.
Das eigentliche Problem sitzt deshalb nicht irgendwo geheim im Algorithmus. Es entsteht bei den Menschen. Wenn eine Followerin bei jedem zweiten Beitrag denkt „Hat mit mir nichts zu tun“, liest sie seltener weiter. Instagram merkt diese Reaktion irgendwann auch. Aber zuerst einmal hast du einen Menschen verloren, der nicht mehr weiß, ob dein Account für ihn gedacht ist.
Ein gemeinsamer Account kann gut funktionieren, wenn du bei den meisten dieser Sätze nickst:
Natürlich muss nicht jeder einzelne Beitrag für alle passen. Wenn du Führungskräfte und Teams begleitest, darf ein Beitrag nur für Führungskräfte gedacht sein. Problematisch wird es erst, wenn ungefähr die Hälfte deines Accounts für die jeweils andere Gruppe regelmäßig belanglos ist.
Wenn du unsicher bist, schau nicht zuerst auf Alter, Beruf oder Branche. Frag dich: Warum kommen diese Menschen zu mir, und was soll nach der Zusammenarbeit für sie besser sein? Mein Artikel zur pragmatischen Persona-Erstellung hilft dir, das für deine Wunschkundinnen konkreter zu beantworten.
Wenn es wirklich zwei völlig unterschiedliche Welten sind und du daraus Business entwickeln willst, sage ich es ziemlich direkt: Mach es nicht auf demselben Account.
Nehmen wir Ernährungscoaching und Buchhaltungsservice. Ein Kunde möchte sich endlich wieder wohler in seinem Körper fühlen. Der andere will seine Belege und Zahlen in den Griff bekommen. Sie kommen aus völlig verschiedenen Gründen zu dir. Wenn du beide Themen abwechselnd auf einem Business-Account veröffentlichst, ist für jede von ihnen wahrscheinlich die Hälfte deiner Beiträge uninteressant. Das funktioniert einfach nicht gut.
Zwei Accounts wären dann verständlicher. Aber sie kosten Zeit. Und damit meine ich nicht die paar Sekunden, die du zum Wechseln zwischen zwei Profilen brauchst.
Du baust zwei Communities auf. Du beantwortest Kommentare und Nachrichten an zwei Orten. Du entwickelst zwei Profile, zwei Themenpläne und musst zweimal Vertrauen aufbauen. Zwei Accounts bedeuten deshalb nicht nur doppelt posten. Sie bedeuten, zweimal verlässlich da zu sein.
Wenn du dafür gerade keine Zeit hast, musst du nicht zwei Accounts halbherzig bespielen. Entscheide, welches Angebot jetzt Kunden gewinnen soll. Das andere Standbein verschwindet deshalb nicht. Es kann vorerst auf deiner Website stehen, im Newsletter vorkommen oder später einen eigenen Account bekommen.
Nicht jede Leidenschaft braucht eine Content-Strategie.
Wenn du auf Instagram auch deinen Hund, deinen Garten oder das letzte Konzert zeigen möchtest, darfst du das natürlich tun. Du bist ein Mensch und kein wandelnder Verkaufskanal. Ein persönlicher Einblick macht aus deinem Account noch keine unklare Wundertüte.
Anders sieht es aus, wenn aus beiden Themen ein Geschäft werden soll. Dann hat dein Account einen Job: Er soll die richtigen Menschen anziehen, deine Expertise verständlich machen und zu einem passenden Angebot führen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Darf ich das posten?“ Sondern: „Will ich damit Geld verdienen und dafür gezielt Kunden gewinnen?“
Wenn nicht, darf das Thema einfach ein persönlicher Teil deines Accounts sein. Wenn ja und es mit deinem bisherigen Angebot nichts zu tun hat, braucht es sehr wahrscheinlich einen eigenen Account – oder zumindest eine klare Entscheidung, welches Business zuerst dran ist.
Vielleicht denkst du jetzt: Dann poste ich einfach drei Monate lang beide Themen und schaue, was besser ankommt. Klingt praktisch. Löst aber die eigentliche Frage nicht.
Mein 90-Tage-Prinzip bezieht sich auf Angebote, die grundsätzlich zusammenpassen. Du hast zum Beispiel mehrere Coaching-Angebote, möchtest aber in den nächsten drei Monaten vor allem eines davon verkaufen. Dann bekommt dieses Angebot mehr Raum in deinen Beiträgen. Die anderen sind nicht gestrichen. Sie stehen nur gerade nicht alle gleichzeitig im Schaufenster.
Nach 90 Tagen prüfst du nicht, ob der Algorithmus dich endlich verstanden hat. Du schaust, ob die Menschen dein Angebot besser verstehen, welche Fragen sie stellen und ob daraus Gespräche oder Anfragen entstehen. Wie du diesen Fokus planst, zeige ich ausführlicher in meinem 90-Tage-Plan für ein Fokus-Angebot.
Auf LinkedIn ist die Ausgangslage anders: Du kannst nicht einfach ein zweites persönliches Profil für dein Nebengewerbe eröffnen. LinkedIn erlaubt pro Person nur ein persönliches Profil. Eine zusätzliche Unternehmensseite ist möglich, ersetzt dein persönliches Profil aber nicht. LinkedIn erklärt diese Regel im Hilfebereich.
Ich würde dir gerne erzählen, dass ich diesen Spagat für mich perfekt gelöst habe. Habe ich nicht.
Während meiner angestellten Zeit habe ich zusätzlich Workshops gegeben und selbstständig beraten. Und selbst heute blockiert mich das auf LinkedIn manchmal noch: Ich arbeite freiberuflich für eine Agentur und betreue darüber größere Kunden im Social-Media-Management. Gleichzeitig spreche ich auf meinem eigenen LinkedIn-Profil Coaches, BeraterInnen und Selbstständige an.
Wenn ein Kollege aus dem Team eines Agenturkunden auf meinem Profil landet, fühlt sich das für mich manchmal widersprüchlich an. Dort sieht er nicht nur die Social-Media-Managerin für größere Unternehmen, sondern auch meine Inhalte für Coaches, Beraterinnen und Selbstständige. Aber beide Rollen sind real. Ich muss nicht eine davon verstecken. Ich muss so erklären, was ich mache, dass niemand rätseln muss.
Genau diese Frage kommt auch in meinen LinkedIn-Beratungen desöfteren vor: Eine Frau ist noch angestellt und baut parallel ein Coaching-Business auf. Beides darf in ihrem Profil stehen. Wichtig ist, dass im oberen Teil des Profils schnell klar wird, womit sie heute sichtbar werden und welche Kunden sie ansprechen möchte. Ihr beruflicher Lebenslauf muss dafür nicht plötzlich verschwinden.
Wenn du noch zwischen den Plattformen schwankst, hilft dir mein Vergleich Instagram oder LinkedIn für Coaches bei der grundsätzlichen Kanalentscheidung.
Und bevor du mit deinem Nebengewerbe sichtbar wirst: Schau in deinen Arbeits- oder Tarifvertrag. Ob du die Nebentätigkeit melden oder genehmigen lassen musst, hängt von deinem Vertrag und deinem konkreten Fall ab. Auch Konkurrenz zum Arbeitgeber und Arbeitszeitregeln können eine Rolle spielen. Das Bundesarbeitsministerium erklärt die wichtigsten Regeln zu Nebenbeschäftigungen. Wenn du unsicher bist, lass deinen Fall rechtlich prüfen – ein Blogartikel kann das nicht für dich entscheiden.
Hol dir einen Zettel und schreib deine beiden Themen oder Angebote nebeneinander. Nicht nur im Kopf durchgehen. Im Kopf klingt erstaunlich viel logisch, was auf Papier plötzlich ziemlich wackelig aussieht.
Deine Auswertung: Wenn derselbe Wunschkunde mit den meisten Beiträgen etwas anfangen kann und du die Verbindung in einem einfachen Satz erklären kannst, starte mit einem Account. Wäre immer nur ungefähr die Hälfte für ihn interessant oder brauchst du für die Erklärung ständig ein „und außerdem mache ich noch …“, sind es wahrscheinlich zwei Business-Welten. Dann trenne sie oder priorisiere vorerst eine.
Mach zusätzlich den Freundinnen-Test: Erkläre einer Freundin in höchstens 30 Sekunden, was du auf dem Account zeigen möchtest. Frag sie danach, was du anbietest und für wen. Wenn sie es nicht wiedergeben kann, wird eine fremde Profilbesucherin es sehr wahrscheinlich auch nicht verstehen.
Und wenn die Verbindung zwar da ist, du aber fünf Angebote gleichzeitig erklären möchtest: Wähle ein Fokus-Angebot für die nächsten 90 Tage. Du gibst die anderen Angebote nicht auf. Du hörst nur auf, alle gleichzeitig auf die Bühne zu schieben.
Als Scanner-Persönlichkeit musst du nicht plötzlich nur noch eine Sache interessant finden. Du musst auch keines deiner Angebote beerdigen, nur weil es gerade nicht auf Instagram im Mittelpunkt steht.
Aber deine Profilbesucherin braucht eine klare Antwort auf zwei Fragen: Bin ich hier richtig? Und wobei kann diese Frau mir helfen?
Kannst du beides für deine Themen gemeinsam beantworten, nutze einen Account. Kannst du es nicht, trenne die Themen oder entscheide, welches Business zuerst dran ist.
Festlegen heißt nicht, dass du nur noch eine Sache sein darfst. Es heißt nur, dass andere nicht jedes Mal raten müssen, warum sie dir folgen sollten.
Ja, wenn dieselbe Wunschkundin mit den meisten Beiträgen etwas anfangen kann und versteht, warum die Themen zusammengehören. Würde sie bei jedem zweiten Beitrag denken „Das hat mit mir nichts zu tun“, solltest du die Business-Themen trennen.
Ja. Zwei Gruppen können unterschiedlich sein und sich trotzdem mit einem ähnlichen Problem beschäftigen oder ein ähnliches Ergebnis wünschen. Kannst du diese Verbindung in einem einfachen Satz erklären, kann ein gemeinsamer Account funktionieren.
Ein zweiter Account ist sinnvoll, wenn deine Themen nichts miteinander zu tun haben und du damit jeweils andere Kunden gewinnen möchtest. Denk dabei nicht nur an zusätzliche Beiträge: Du musst auch an zwei Orten Nachrichten beantworten, Beziehungen aufbauen und regelmäßig präsent sein.
Mehrere Angebote brauchen nicht automatisch mehrere Accounts. Wenn sie für ähnliche Menschen gedacht sind und bei einem ähnlichen Problem helfen, kannst du sie gemeinsam zeigen. Möchtest du gerade eines davon besonders verkaufen, stellst du dieses Angebot für 90 Tage in den Mittelpunkt deiner Beiträge.
Nicht ganz. LinkedIn erlaubt pro Person nur ein persönliches Profil. Dort müssen deine verschiedenen beruflichen Rollen deshalb verständlich zusammenpassen. Eine zusätzliche Unternehmensseite ist möglich, ersetzt dein persönliches Profil aber nicht.
Das hängt von deinem Arbeits- oder Tarifvertrag und deinem konkreten Fall ab. Auch mögliche Konkurrenz zum Arbeitgeber und Arbeitszeitregeln spielen eine Rolle. Prüfe deshalb zuerst deinen Vertrag und lass deinen Fall bei Unsicherheit rechtlich klären.