Instagram oder LinkedIn? Wie du als Coach die richtige Plattform wählst

Instagram oder LinkedIn? Wie du als Coach die richtige Plattform wählst

Du hast dich durchgerungen. Social Media, ja. Sichtbar werden, ja. Und dann sitzt du da und googelst „Instagram oder LinkedIn für Coaches" und findest 47 Artikel, die dir alle etwas anderes erzählen.

Der eine sagt: LinkedIn, ganz klar, wenn du im B2B-Bereich bist. Der nächste empfiehlt Instagram, weil da die Menschen sind. Und der dritte empfiehlt dir gleich beides plus TikTok, YouTube und am besten noch einen Podcast obendrauf.

Das Ergebnis? Du bist nicht klüger als vorher. Nur erschöpfter.

Ich beobachte das seit über 15 Jahren: Die Plattform-Frage wird zum perfekten Versteck. Solange du noch „recherchierst", musst du nicht anfangen. 🙂

Lass uns das heute ändern. Nicht mit einer Feature-Tabelle, sondern mit ein paar ehrlichen Fragen, die dir die Entscheidung abnehmen.

Warum „beides gleichzeitig" der schlechteste Rat ist

„Du musst auf allen Kanälen präsent sein!" Diesen Satz höre ich auf jeder zweiten Marketing-Konferenz. Und jedes Mal denke ich: Klar. Und ich soll auch gleichzeitig kochen, aufräumen und Sport machen.

Für Solopreneurinnen, die gerade erst auf Social Media starten, ist „beides gleichzeitig" das Rezept für gar nichts. Du erstellst halbherzig Content für zwei Plattformen und postest auf keiner davon regelmäßig genug, um wirklich Beziehungen aufzubauen. Drei Monate später bist du frustriert und denkst: Social Media funktioniert einfach nicht für mich.

Dabei lag es nicht an dir. Es lag am Ansatz.

Mein Prinzip: Eine Plattform richtig bespielen und drei Monate dranbleiben. Dann evaluieren, ob du eine zweite dazunimmst oder ob die eine ausreichend ist. Das ist kein Minimalismus, das nennt man haushalten mit Ressourcen. Du kannst zwar auf mehreren Plattformen präsent sein und Inhalte veröffentlichen, aber du wirst - ohne Team - keine Zeit haben, überall eine Community aufzubauen.

Ich empfehle meinen Kunden im Coaching immer, sich für eine Plattform zu entscheiden und dort erst eine Routine aufzubauen. Erst wenn die steht, wenn du weißt, was du postest und wann und das auch wirklich tust, dann reden wir über Kanal Nummer zwei.

Alles andere ist wie drei Bälle gleichzeitig jonglieren, bevor du einen einzigen fangen kannst.

Was LinkedIn und Instagram wirklich unterscheidet

Ich erspare dir die übliche Vergleichstabelle. Stattdessen erzähle ich dir, wie sich ein typischer Tag auf jeder Plattform anfühlt.

LinkedIn: Die Fachkonferenz mit Kaffee in der Hand

Stell dir eine richtig gute Fachveranstaltung vor. Du stehst mit deinem Kaffee am Stehtisch und kommst mit jemandem ins Gespräch. Ihr redet über ein Thema, das euch beiden am Herzen liegt. Kein Smalltalk, sondern echte Gedanken.

Genau so funktioniert LinkedIn. Text mit Bild ist das Hauptformat. Du schreibst einen Gedanken auf, der dich bewegt, oder teilst eine Beobachtung aus deinem Alltag und andere kommentieren. Daraus entstehen Gespräche, und aus Gesprächen entstehen Beziehungen.

Das Besondere: Du kannst auf LinkedIn sichtbar werden, ohne selbst zu posten. Indem du bei anderen wertvolle Kommentare hinterlässt, landet dein Name auf dem Radar von Menschen, die dich vorher nicht kannten. Das ist ein Mechanismus, den Instagram so nicht hat.

Dein Profil funktioniert dabei wie eine Landingpage. Wenn jemand deinen Kommentar liest und denkt „das klingt spannend", klickt sie auf dein Profil. Und dort muss sofort klar sein, wer du bist und wofür du stehst.

Instagram: Das Wohnzimmer mit offener Tür

Instagram ist persönlicher, schnelllebiger und visueller aus meiner Sicht. Hier zeigst du nicht nur, was du weißt, sondern gibst noch mehr Einblick in deine Persönlichkeit. In Stories nimmst du deine Follower mit durch deinen Tag, in Reels bringst du eine Idee in 30 Sekunden rüber, und mit Carousels lieferst du Mehrwert zum Durchswipen.

Der Preis dafür: Instagram will mehr von dir. Häufiger Content in wechselnden Formaten. Die Plattform belohnt Konsistenz, und „konsistent" heißt hier: werktags mindestens einmal posten, dazu zwei bis drei Stories für Behind-the-Scenes-Einblicke.

Wenn du gerne Videos machst und anderen zeigst, wie du deinen Morgenkaffee trinkst, bevor du zum Coaching gehst, könnte Instagram für dich geeignet sein.

Realistischer Zeitaufwand pro Woche: Für LinkedIn brauchst du 3 bis 5 Stunden (3 Posts plus tägliches Kommentieren und Netzwerkaufbau). Für Instagram sind es 3 bis 8 Stunden (werktags mindestens 1 Post plus 2 bis 3 Stories).

Mit der Zeit wirst du schneller und wenn parallel eine Contentbank mit zeitlosen wiederverwendbaren Inhalten anlegst, reduziert sich der Aufwand für die Beitragserstellung.

Drei Fragen, die dir die Entscheidung erleichtern

Vergiss die Frage: „Welche Plattform ist besser?". Die richtige Frage ist: Welche passt zu dir, deinem Alltag und deinen Kunden?

Frage 1: Wen willst du erreichen?

Das klingt simpel, ist es aber nicht immer. Die meisten denken: Coaching ist persönlich, also Instagram. Aber so pauschal stimmt das nicht.

Wenn du Unternehmerinnen coachst, Führungskräfte begleitest oder mit Selbstständigen arbeitest, dann sind diese Menschen mit großer Wahrscheinlichkeit auf LinkedIn. Sie scrollen dort morgens durch ihren Feed, bevor sie in den ersten Call gehen.

Und hier wird es interessant: Auch wenn dein Coaching-Thema auf den ersten Blick „privat" klingt, kann LinkedIn der bessere Ort sein. Fitness-Coaching? Wenn deine Zielgruppe gestresste Unternehmer sind, die neben dem Business ihre Gesundheit nicht aus den Augen verlieren wollen, erreichst du die auf LinkedIn besser als auf Instagram. Das Gleiche gilt fürs Thema Abnehmen, Stressmanagement oder Work-Life-Balance. Entscheidend ist nicht das Thema. Entscheidend ist, wer deine Kunden sind.

Beispiel: Eine Fitness-Trainerin, die sich auf Führungskräfte spezialisiert hat, wird auf LinkedIn ihre Zielgruppe viel gezielter finden als auf Instagram, wo sie gegen tausende Fitness-Influencer ankämpft.

Für eine Fitness-Trainerin mit der Zielgruppe „Mütter, die nach der Schwangerschaft wieder fit werden wollen"? ist Instagram die bessere Wahl.

Instagram wird richtig stark, wenn du Einzelpersonen ansprichst, die eher privat unterwegs sind. Mütter, junge Erwachsene, Menschen, die im Bereich Life-Coaching oder Gesundheit suchen. Auch im Live-Coaching hat Instagram Formate, die LinkedIn so nicht bieten kann.

Frage 2: Was liegt dir näher, Schreiben oder Zeigen?

Ich meine das wirklich wörtlich. Setz dich kurz hin und überleg: Was fällt dir leichter?

Wenn du gern schreibst, wenn dir ein Gedanke durch den Kopf geht und du am liebsten sofort einen Text dazu verfassen würdest, dann liegt dir wahrscheinlich eher LinkedIn. Du brauchst dafür weder ein Design noch ein Video.

Wenn du dagegen gerne redest, wenn du am besten bist, wenn du spontan in die Kamera sprichst und dein Gegenüber dabei anschaust, dann ist Instagram dein Spielfeld. Stories, Reels, Lives: Alles Formate, die von deiner Persönlichkeit leben.

Und wenn beides sich fremd anfühlt? Dann ist LinkedIn der leichtere Einstieg. Ein Textpost mit Foto pro Woche reicht zum Start. Auf Instagram benötigst du vom ersten Tag an mehr: Bilder, Grafiken oder Videos. Das ist eine höhere Einstiegshürde, wenn du noch unsicher bist.

Frage 3: Wie viel Zeit hast du realistisch?

Nicht „wie viel Zeit würdest du gern investieren", sondern: Wie sieht deine Woche wirklich aus?

Für einen soliden LinkedIn-Start brauchst du drei Posts pro Woche und täglich ca. 15 bis 30 Minuten für Kommentare und Interaktion.  In Summe sind das 3 bis 5 Stunden. Klingt machbar, oder?

Für Instagram sieht die Rechnung anders aus. Werktags mindestens ein Post, im Idealfall zwei, wenn du schnell wachsen und auch digitale Produkte verkaufen willst. Dazu zwei bis drei Stories am Tag. Die Content-Erstellung ist aufwändiger, weil du Bilder oder Videos brauchst. Realistisch: 3 bis 8 Stunden pro Woche, je nachdem, wie routiniert du bist

Frag dich nicht: „Was wäre ideal?" Frag dich: „Was schaffe ich auch in einer stressigen Woche?" Denn Konsistenz schlägt Perfektion. Auf jeder Plattform.

Was ich den meisten Coaches empfehle

Ich werde jetzt nicht so tun, als hätte ich keine Meinung. 🙂

Für die meisten Coaches ab 40, die bisher über Empfehlungen gewachsen sind und jetzt digital sichtbar werden wollen, empfehle ich LinkedIn als Startpunkt.

Warum? Der Einstieg ist leichter. Ein guter Textpost braucht weder Design noch Video. Du kannst über Kommentare sichtbar werden, noch bevor du selbst postest. Dein Profil funktioniert wie eine Landingpage, auf der Interessenten sofort sehen, ob du zu ihnen passt. Und die Menschen auf LinkedIn sind mit einem Business-Mindset unterwegs. Sie suchen Lösungen, nicht Unterhaltung.

Aber Instagram ist die bessere Wahl, wenn du Kunden ansprichst, die dort privat unterwegs sind: Mütter, junge Erwachsene, Menschen im Life- oder Fitness-Coaching-Bereich. Oder wenn du einfach merkst, dass dir das Visuelle liegt. Dass du vor der Kamera aufblühst und gern Geschichten in Bildern erzählst.

Es gibt keine falsche Wahl. Es gibt nur die falsche Reihenfolge: Nämlich beides auf einmal.

Entscheidend ist nicht die Plattform. Entscheidend ist, dass du dich für eine entscheidest und ihr drei Monate gibst. Evaluieren kannst du danach immer noch.

Dein erster Monat nach der Entscheidung

Okay, Plattform gewählt. Und jetzt? So sieht ein realistischer erster Monat aus.

Schritt 1: Profil einrichten

Auf beiden Plattformen ist das Profil dein Fundament. Auf LinkedIn dauert die Einrichtung etwas länger, weil es mehr Stellschrauben gibt: Headline, Info-Bereich, Fokus-Sektion, Berufserfahrung und Kenntnisse. Aber genau das ist auch der Grund, warum es dort besonders wichtig ist, dass alles sitzt. Wenn du anfängst zu kommentieren und Menschen auf dein Profil klicken, muss sofort klar sein, wer du bist und wie du helfen kannst.

Wie du dein LinkedIn-Profil Schritt für Schritt optimierst, habe ich in einem eigenen Artikel zusammengeschrieben.

Auf Instagram geht die Einrichtung schneller, aber es gibt einen wichtigen Unterschied: Wenn dein Profil online geht, sollten schon fünf bis neun Beiträge veröffentlicht sein. Warum? Weil ein leerer Feed auf Instagram abschreckend wirkt. Auf LinkedIn ist das anders: Dort kannst du mit einem optimierten Profil starten und deinen ersten Post später veröffentlichen.

Den kompletten Leitfaden zur Instagram-Profil-Einrichtung findest du hier.

Schritt 2: Zuhören und Beobachten

Bevor du selbst etwas postest, scrolle bewusst durch die Plattform. Nicht endlos, nicht zum Prokrastinieren. Sondern mit Absicht: Wem folgen andere Coaches? Was funktioniert in deiner Nische bzw. auf dem Netzwerr? Welche Posts bekommst du gerne in deinen Feed? Wo stoppst du beim Scrollen? Und hinterfrage, warum du stoppst. Vermutlich liegt es am Bild oder am ersten Satz - notiere dir das für dich als Einstiegsideen.

Dieses Zuhören gibt dir ein Gefühl für den Ton, die Formate und die Dynamik. Und es nimmt dir den Druck, sofort selbst performen zu müssen.

Schritt 3: Kommentieren starten

Besonders auf LinkedIn ist das der Hebel, den die meisten unterschätzen. Drei wertvolle Kommentare am Tag, jeweils 15 Minuten. Keine „Toller Beitrag!"-Kommentare, sondern echte Gedanken: Stell eine Frage, die tiefer geht, oder teile eine eigene Erfahrung, die zum Thema passt.

Damit landest du auf dem Radar von Menschen, die dich vorher nicht kannten. Ohne selbst einen einzigen Post geschrieben zu haben.

Wie du deine erste Stunde auf LinkedIn sinnvoll nutzt, zeige ich dir in diesem Artikel zur LinkedIn-Tagesroutine.

Schritt 4: Dein erster eigener Post

Nach ein bis zwei Wochen bist du bereit. Du hast die Plattform kennengelernt, kommentiert und beobachtet. Jetzt schreib deinen ersten Post.

Keine Sorge, er muss nicht perfekt sein. Ein Gedanke, der dich bewegt, oder eine Frage, die dir Kundinnen immer wieder stellen. Mehr braucht es nicht.

Falls du noch einen konkreten Fahrplan für deinen ersten LinkedIn-Post brauchst, schau hier vorbei.

Du musst nicht perfekt starten. Du musst nur starten. Den Rest verbesserst du unterwegs.

Fazit: Die beste Plattform ist die, auf der du anfängst

Instagram oder LinkedIn? Die Frage ist berechtigt. Aber sie darf nicht zur Dauerschleife werden, die dich vom Anfangen abhält.

Frag dich: Wo sind meine Kunden? Was liegt mir näher und wo fühle ich mich wohler? Was für Inhalte erstelle ich gerne? Und wie viel Zeit habe ich wirklich? Die Antworten auf diese drei Fragen zeigen dir den Weg.

Für die meisten Coaches, die über Empfehlungen gewachsen sind und jetzt digital sichtbar werden wollen, ist LinkedIn der leichtere Einstieg. Aber wenn deine Zielgruppe eher privat unterwegs ist oder du vor der Kamera aufblühst, kann Instagram genau das Richtige für dich sein.

Wichtig ist nur eins: Entscheide dich. Und gib der Plattform drei Monate, bevor du urteilst.

Du bist unsicher, welche Plattform zu dir passt?

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Und wenn du schon weißt, wohin die Reise geht: Mein LinkedIn-Coaching und mein Instagram-Coaching begleiten dich Schritt für Schritt beim Aufbau deiner Sichtbarkeit.

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