
Ich habe schon einige Videos veröffentlicht, die heute wahrscheinlich als Yapping durchgehen würden. Damals hätte ich sie allerdings nicht so genannt.
Sie sind eher spontan entstanden: Ich hatte Lust, etwas aufzunehmen, und habe nicht erst lange über das perfekte Setting oder mein Outfit nachgedacht. Meistens war ich zu Hause, manchmal auch draußen – allerdings eher dort, wo nicht gerade zehn Leute neben mir standen.
Manchmal habe ich wirklich einfach angefangen zu sprechen. Wenn ich ein Thema bewusst als Video umsetzen wollte, habe ich mir vorher ein paar Stichpunkte gemacht. Sonst wird bei mir aus einem Gedanken schnell ein Rundumschlag über drei verschiedene Themen.
Und genau da liegt für mich der Unterschied zwischen Yapping und bloßem Drauflosreden: Das Video darf spontan wirken. Du solltest trotzdem wissen, worauf du hinauswillst.
„To yap“ bedeutet sinngemäß quatschen oder drauflosreden. Auf Instagram und TikTok sind damit Videos gemeint, in denen jemand frei und eher ungezwungen in die Kamera spricht.
Das kann am Schreibtisch sein, im geparkten Auto, draußen oder mitten in einer Alltagssituation. Oft sieht es so aus, als hätte die Person gerade einen Gedanken gehabt, das Smartphone genommen und losgelegt.
Ob das tatsächlich so spontan entstanden ist, weißt du natürlich nicht. Viele dieser Videos sind genauso durchdacht oder vorbereitet wie andere Reels. Sie sollen nur nicht nach einer größeren Produktion aussehen.
Ganz ehrlich: Für mich ist das gerade auch ein bisschen die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben wird.
Frei gesprochene Videos gab es schon lange, bevor jemand Yapping dazu gesagt hat. Gerade bei Influencern gehören scheinbar spontane Einblicke in den Alltag seit Jahren zum Content.
Yapping wird momentan als eigenes Format gehandelt. In der Umsetzung liegt es aber sehr nah am Talking-Head-Reel: Eine Person spricht direkt in die Kamera und trägt das Video hauptsächlich durch ihre Art zu erzählen.
Neu sind vor allem der Name und die Menge, in der solche Videos gerade auftauchen.
Einen ausführlichen Blick auf verschiedene Yapping-Varianten findest du auch in Oren Johns englischsprachigem Video „The Art of Yapping“.
Mein Eindruck ist, dass ein Teil der Entwicklung von TikTok zu Instagram herüberschwappt. Dort wird teilweise eine enorme Menge an Videos veröffentlicht. Wer mehrmals täglich postet, kann nicht jedes Reel aufwendig inszenieren und schneiden.
Yapping passt dazu: Das Smartphone ist schnell aufgestellt, und eine Situation aus dem Alltag wird direkt für den Content genutzt.
Auch für Coaches, Berater und andere Wissensexperten kann das interessant sein. Deine Zuschauer erfahren nicht nur, was du zu einem Thema sagst. Sie erleben auch, wie du denkst, erklärst und auf Situationen reagierst.
Trotzdem wird ein Video nicht automatisch interessant, nur weil es in einer Alltagssituation aufgenommen wurde.
Ich schaue bei weniger inszenierten Videos manchmal aufmerksamer zu. Wenn mir jemand einen Business-Tipp gibt und währenddessen Wäsche aufhängt, bin ich inzwischen allerdings eher genervt. Dann frage ich mich mehr, warum ich der Person beim Wäschefalten zusehe, als was sie mir eigentlich erzählen wollte.
Die Situation sollte also entweder zu deinem Gedanken passen oder dir die Aufnahme wirklich erleichtern. Sie ist keine Dekoration, die jedes Thema automatisch persönlicher macht.
Wenn ich ein solches Video vorbereite, schreibe ich mir normalerweise den Einstieg auf. Dazu kommen ein paar Stichpunkte und eine Idee dafür, wie ich das Video beenden möchte.
Mehr brauche ich meistens nicht.
Ich möchte nicht jeden Satz vorformulieren, weil das Video dann schnell wieder nach einem abgelesenen Skript klingt. Gleichzeitig möchte ich vermeiden, dass ich beim Sprechen immer weiter aushole und am Ende selbst nicht mehr genau weiß, wo ich angefangen habe.
Dafür überlege ich mir vorher:
Das ist kein starres Schema. Es hilft dir lediglich dabei, deinen Gedanken beim Sprechen nicht aus den Augen zu verlieren.
Wer sehr häufig Videos dreht, kann das vielleicht auch ohne Notizen. Mit der Zeit entsteht eine gewisse Sicherheit, und die Gedanken lassen sich schon während des Sprechens besser sortieren.
Wenn du noch nicht so oft vor der Kamera stehst, musst du es dir aber nicht unnötig schwer machen. Ein Zettel mit wenigen Stichpunkten nimmt einem Yapping-Video nichts von seiner Natürlichkeit.
Du musst nicht möglichst viele Yapping-Varianten ausprobieren. Schau lieber, was zu deinem Alltag und zu der Art passt, wie du dein Wissen vermittelst.
Viele meiner spontanen Videos entstehen am Schreibtisch. Das Smartphone steht ohnehin in der Nähe, und ich muss kein zusätzliches Setting aufbauen.
Auch das geparkte Auto kann gut funktionieren. Vielleicht kommst du gerade aus einem Termin und möchtest einen Gedanken festhalten. Oder du hast zwischen zwei Verabredungen ein paar ruhige Minuten.
Wichtig ist natürlich: Das Auto steht, während du aufnimmst.
Beide Situationen eignen sich besonders für Gedanken, die tatsächlich in diesem Moment entstanden sind. Du kannst sie aber genauso bewusst für ein vorbereitetes Thema nutzen.
Manche Menschen sprechen leichter, wenn sie sich bewegen. Wenn du morgens sowieso mit dem Hund unterwegs bist, könntest du einen ruhigen Ort auf der Strecke für ein kurzes Video nutzen.
Ich selbst würde dabei nur kleine Schritte machen oder für die Aufnahme stehen bleiben. Beim längeren Gehen hört man bei mir noch sehr deutlich, dass ich an meiner Atemtechnik arbeiten muss: ein Satz, ein tiefer Luftzug, der nächste Satz.
Deshalb bedeutet „draußen aufnehmen“ für mich nicht automatisch, dass ich während des gesamten Videos laufen muss.
Dein Stichpunktzettel muss nicht heimlich neben dem Smartphone liegen. Du kannst ihn ganz bewusst ins Video einbauen.
Zum Beispiel:
„Ich habe mir dazu drei Punkte aufgeschrieben, weil ich keinen davon vergessen möchte.“
Das ist ein etwas anderer Einstieg, gibt dir Sicherheit und passt gut zu Wissensexperten. Du zeigst damit nicht, dass du unvorbereitet bist, sondern dass du deinen Gedanken sortiert hast.
Ein Whiteboard oder Flipchart bietet sich an, wenn du einen Zusammenhang nicht nur erzählen, sondern kurz sichtbar machen möchtest.
Du könntest zwei Möglichkeiten gegenüberstellen, einen Ablauf skizzieren oder einen Begriff anschreiben und von dort aus weiterreden.
Ich habe in meinem Arbeitszimmer sowohl ein Whiteboard als auch einen Flipchart, nutze sie bisher aber noch nicht für meine Videos. Eigentlich wäre das ziemlich naheliegend. Der Aufwand ist deutlich kleiner, als mein Tablet einzublenden oder später eine aufwendige Grafik zu bauen.
Auch ein Gedanke aus deinem Newsletter oder einem Blogartikel kann die Grundlage für ein Yapping-Video sein.
Dabei musst du nicht den kompletten Inhalt zusammenfassen. Nimm lieber eine einzelne Aussage, zu der du noch etwas Persönliches erzählen kannst:
So wird aus Content-Recycling keine reine Wiederholung.
Ein Yapping-Video darf Pausen enthalten. Du musst nicht jeden Atemzug und jedes kurze Nachdenken herausschneiden.
Bei meinem ersten YouTube-Video habe ich fast alle Pausen entfernt. Das Ergebnis klang wie im Stakkato. Ein Satz folgte direkt auf den nächsten, und das gesamte Video hatte überhaupt keine Ruhe mehr.
Heute würde ich längere Denkpausen, Versprecher und komplette Neustarts herausschneiden. Normale Sprechpausen dürfen bleiben.
Wenn ich ein Video spontan aufnehme, nehme ich den Einstieg anschließend normalerweise nicht noch einmal neu auf. Eine Ausnahme mache ich manchmal bei einem Test-Reel. Dann schaue ich etwas kritischer darauf, ob der Anfang wirklich trägt.
Untertitel finde ich trotzdem sinnvoll, damit das Video auch ohne Ton verständlich ist. Für die Bearbeitung am Smartphone kannst du zum Beispiel die Edits-App von Instagram nutzen.
Bilder, Screenshots oder kurze B-Roll-Aufnahmen kannst du ebenfalls ergänzen. Machen wir uns aber nichts vor: Dadurch wird aus dem schnell aufgenommenen Video recht schnell wieder ein aufwendigeres Reel.
Setze solche Elemente dort ein, wo sie etwas erklären. Du musst nicht alle paar Sekunden für künstliche Abwechslung sorgen.
Für dein erstes Yapping-Video brauchst du keine ausgefeilte Strategie. Nimm zunächst ein Testvideo auf, das du noch nicht veröffentlichen musst.
Suche dir eine Situation aus deinem Business-Alltag, die du normalerweise nicht als Content-Setting betrachten würdest. Sie sollte trotzdem einen echten Bezug zu deinem Thema haben.
Das könnte zum Beispiel sein:
Entscheide dich dann für einen Gedanken. Notiere dir deinen Einstieg, ein konkretes Beispiel und wenige Stichpunkte. Danach nimmst du das Video einmal komplett auf.
Schau es dir anschließend an und achte vor allem auf zwei Dinge:
Verstehe ich schnell, worauf das Video hinauswill?
Passt die Aufnahmesituation zu dem, was ich erzähle?
Wenn beides stimmt, ist schon sehr viel gewonnen.
Im Instagram-Sparring sortieren wir deinen Gedanken und entwickeln daraus einen Einstieg und eine Sprechskizze, die zu dir passen. Ohne ausformuliertes Standardskript.
Ein Prompt, in den du nur Zielgruppe, Thema und Setting einträgst, wird fast zwangsläufig recht allgemeine Ergebnisse liefern.
Die KI weiß dann zum Beispiel noch nicht:
Deshalb lässt dich der folgende Prompt zuerst interviewen. Kopiere ihn vollständig in das KI-Tool deiner Wahl:
Ich möchte ein frei gesprochenes Instagram-Video entwickeln, das spontan und persönlich wirkt, aber nicht beliebig wird. Ich brauche von dir noch keine fertige Idee und kein Skript. Interviewe mich zuerst, damit das Video auf meiner eigenen Erfahrung, meiner Haltung und einer konkreten Situation aus meinem Business-Alltag beruht. Stelle mir die folgenden Fragen nacheinander. Warte nach jeder Frage auf meine Antwort: 1. Für wen ist das Video gedacht? Bitte frage nicht nur nach meiner allgemeinen Zielgruppe, sondern nach der Person, die dieses konkrete Problem oder diese Situation kennt. 2. Welche Beobachtung, Erfahrung oder Begegnung hat den Gedanken für das Video ausgelöst? 3. Was denke ich selbst darüber? Welche Aussage möchte ich machen, die über einen allgemeinen Tipp hinausgeht? 4. Welches konkrete Beispiel, Detail oder Erlebnis kann ich dazu erzählen? 5. In welcher echten Situation aus meinem Business-Alltag könnte ich das Video aufnehmen? Die Situation soll zu meinem Gedanken passen und nicht nur ungewöhnlich wirken. 6. Was sollen die Zuschauer nach dem Video denken, beantworten oder tun? 7. Welche Wörter, Formulierungen oder typischen Ratschläge möchte ich in dem Video ausdrücklich nicht verwenden? Wenn eine meiner Antworten zu allgemein ist, hake mit einer konkreten Rückfrage nach. Erfinde keine Erfahrungen, Kundengeschichten, Ergebnisse oder Meinungen für mich. Fasse nach dem Interview zunächst in einem Satz zusammen, was du als meine eigentliche Aussage verstanden hast. Frage mich, ob diese Aussage stimmt. Entwickle die Sprechskizze erst, nachdem ich sie bestätigt oder korrigiert habe. Erstelle danach: - drei mögliche Einstiege, die sich direkt auf meine Beobachtung, mein Beispiel oder die Aufnahmesituation beziehen, - eine klare Kernaussage in einem Satz, - drei Stichpunkte, an denen ich mich beim freien Sprechen orientieren kann, - eine Stelle, an der ich mein konkretes Beispiel erzähle, - einen natürlichen Schluss, - eine Handlungsaufforderung, die zu meinem Ziel für das Video passt. Die Stichpunkte sollen Gedankenstützen und keine ausformulierten Sätze sein. Verwende meine eigenen Aussagen und meine Sprache aus dem Interview. Vermeide insbesondere: - austauschbare Einstiege wie „Kennst du das?“, - erfundene persönliche Geschichten, - allgemeine Tipps, die auf nahezu jedes Thema passen, - künstliche Zuspitzungen und übertriebene Versprechen, - Marketingsprache, die ich selbst nicht benutzt habe, - ein vollständig ausformuliertes Skript. Prüfe dein Ergebnis zum Schluss noch einmal: Könnte dieselbe Sprechskizze ohne größere Änderungen auch für einen anderen Coach oder Berater funktionieren? Falls ja, ist sie noch zu allgemein. Überarbeite sie dann mithilfe meiner konkreten Antworten.
Der Prompt nimmt dir die inhaltliche Entscheidung nicht ab. Das soll er auch gar nicht. Er hilft dir dabei, aus einem eigenen Gedanken eine Sprechskizze zu entwickeln, ohne ihn dabei in einen typischen KI-Text zu verwandeln.
Lies dir das Ergebnis trotzdem noch einmal durch. Wenn ein Einstieg auf dem Papier gut aussieht, aber niemals so aus deinem Mund kommen würde, streich ihn.
Yapping ist kein völlig neues Prinzip. Frei gesprochene und spontan wirkende Videos gab es schon lange vor diesem Begriff.
Trotzdem kann der Trend ein guter Anlass sein, die eigene Content-Erstellung etwas lockerer anzugehen. Nicht jedes Video braucht mehrere Szenen, aufwendige Übergänge oder einen perfekten Schnitt.
Du solltest nur wissen, was du erzählen möchtest.
Such dir eine passende Situation aus deinem Business-Alltag, notiere dir deinen Gedanken und nimm ein Testvideo auf. Du musst es noch nicht veröffentlichen. Schau erst einmal, wie es sich für dich anfühlt und ob diese Art des Sprechens zu dir passt.
Im Instagram-Gruppencoaching arbeiten wir daran, wie du deine Themen planst und regelmäßig sichtbar wirst, ohne aus jedem Beitrag eine große Produktion zu machen.
Mit Yapping sind Videos gemeint, in denen jemand frei und eher ungezwungen in die Kamera spricht. Häufig entstehen sie mit dem Smartphone und in einer alltäglichen Situation.
Yapping wird momentan als eigenes Format bezeichnet. In der Umsetzung ähnelt es stark einem locker gesprochenen Talking-Head-Reel. Die Art von Video ist also nicht neu, auch wenn der Begriff gerade häufiger verwendet wird.
Nein. Ein vollständiges Skript kann sogar dazu führen, dass das Video weniger frei wirkt. Ein Einstieg, wenige Stichpunkte und eine Idee für den Schluss reichen häufig aus.
Nein. Es kann spontan entstehen, darf aber auch vorbereitet sein. Viele Videos wirken beiläufig, obwohl sich die Person vorher genau überlegt hat, was sie sagen möchte.
Probiere zunächst einen Ort aus, an dem du dich ungestört fühlst. Das kann dein Schreibtisch, das geparkte Auto oder ein ruhiger Platz draußen sein. Wichtiger als ein ungewöhnlicher Hintergrund ist, dass du dich auf deinen Gedanken konzentrieren kannst.