
„Ich brauche erst mal mehr Follower.“ Das höre ich oft. Und ja, natürlich müssen Menschen deine Inhalte überhaupt sehen, damit daraus etwas werden kann. Wenn du auf Instagram kaum etwas veröffentlichst oder auf LinkedIn keine Kontakte knüpfst, wird es mit der Sichtbarkeit schwierig.
Mich beschäftigt dabei noch eine andere Frage: Wie erreichst du diese Menschen später wieder? Auch dann, wenn sie deine Beiträge nicht mehr angezeigt bekommen oder du plötzlich nicht mehr in deinen Account kommst?
Mir ist das selbst bisher nicht passiert. Ich möchte auch nicht warten, bis es passiert, um mir darüber Gedanken zu machen. Wenn du eigene Reichweite aufbauen möchtest, würde ich früh mit einer E-Mail-Liste anfangen. Darin sammelst du die Adressen der Menschen, die deine E-Mails bekommen möchten. Du kannst ihnen dann schreiben, auch wenn sie auf Instagram oder LinkedIn gerade nichts von dir sehen.
Ich sage dazu gern: Social Media ist gemietetes Land. Damit meine ich: Du steckst Zeit in deinen Account, sammelst Kontakte und veröffentlichst Inhalte. Über die Regeln entscheidest du nur sehr begrenzt mit.
Ein Account kann gesperrt oder gehackt werden. Ein Netzwerk kann für deine Kunden an Bedeutung verlieren. Und manchmal verändert sich einfach die Art, wie Beiträge verteilt werden. Dann funktioniert etwas, auf das du dich bisher verlassen hast, plötzlich schlechter.
Wenn deine Anfragen fast ausschließlich über eine Plattform kommen, betrifft das dein Geschäft ziemlich direkt. Deshalb lohnt es sich, gelegentlich nachzusehen: Woher kommen meine Kunden eigentlich? Könnte ich sie auch erreichen, wenn mein wichtigster Account morgen weg wäre?
Stell dir vor, jemand liest deine Beiträge seit Monaten und findet sie hilfreich. Vielleicht möchte dieser Mensch irgendwann mit dir arbeiten. Du kennst aber nur seinen Instagram-Namen. Wenn du nicht mehr in deinen Account kommst, kannst du ihm dort auch nicht mehr schreiben.
Hat er sich zusätzlich für deinen Newsletter angemeldet, bleibt euch der Kontakt per E-Mail. Du kannst ihm weiterhin deine Tipps schicken und ihn auf ein Angebot aufmerksam machen. Das ist für mich der wichtigste Grund, eine eigene Liste aufzubauen.
Achte bei der Auswahl deines Newsletter-Anbieters darauf, dass du die Liste herunterladen und sichern kannst, einschließlich der Informationen zur Anmeldung. Dann kannst du sie bei einem Anbieterwechsel mitnehmen.
Die Social Media Plattformen entwickeln sich laufend weiter. Sie bauen Funktionen ein, mit denen Menschen mehr direkt in der App erledigen können. Für dein Business kann das durchaus praktisch sein.
LinkedIn hat im Mai 2026 zum Beispiel bezahlte Einzelberatungen direkt über das Profil angekündigt. Kunden sollen dort einen Termin buchen, bezahlen und am Videogespräch teilnehmen können. Angekündigt wurde das erst mal für Nutzer des kostenpflichtigen Premium-Business-Abos in den USA. Ob und wann wir das hier in Deutschland nutzen können, ist damit noch offen.
Das würde ich gern ausprobieren, wenn es für mich verfügbar ist und mit meiner Buchhaltung vernünftig zusammenpasst. Es darf für Kunden gern einfach sein, einen Termin mit mir zu buchen.
Auch bei Instagram probiere ich neue Funktionen gern aus. Du musst deshalb nicht bei jeder Ankündigung deinen ganzen Auftritt umbauen. Schau erst mal, ob dir die Funktion etwas erleichtert. Und ob du sie überhaupt schon hast. Dass jemand anderes den Knopf sieht, heißt leider noch lange nicht, dass er bei dir ebenfalls auftaucht.
Wenn sich deine Ergebnisse verschlechtern, hilft ein genauerer Blick. In meinem Artikel über eingebrochene Instagram-Reichweite gehe ich darauf ein, was du prüfen kannst.
„Ich brauche erst mal ein Netzwerk“ ist ja kein abwegiger Gedanke. Auf LinkedIn gehört dazu, selbst rauszugehen: Kontakte knüpfen, bei anderen sinnvoll kommentieren, Gespräche führen. Auf Instagram müssen Menschen Inhalte von dir zu sehen bekommen. Irgendwo muss die Aufmerksamkeit herkommen.
Nur würde ich parallel immer das Angebot anschauen.
Wenn das unklar bleibt, hast du mit mehr Followern womöglich mehr Besucher, die genauso ratlos wieder gehen. Darüber schreibe ich ausführlicher im Artikel Warum dein Content nicht verkauft.
Wenn du zum Beispiel ein kostenloses Webinar anbietest, sollen die Menschen verstehen, was sie dort erfahren und wie sie sich anmelden können. Ich würde deshalb schon im Beitrag etwas zum Thema erklären.
Anschließend kannst du dir anschauen, was passiert: Haben Menschen den Link angeklickt? Hat sich jemand angemeldet? Wenn du nur die Zahl der Aufrufe betrachtest, weißt du noch nicht, ob die Einladung funktioniert hat.
Mein Blog spielt für mein Business eine sehr wichtige Rolle. Beim Newsletter bin ich gerade selbst noch am Aufbauen. Ich bereite eine kostenlose Unterlage vor, die man im Austausch gegen seine E-Mail-Adresse erhält. Im Marketing heißt so etwas Leadmagnet.
Im Moment überarbeite ich meine geplanten Blogartikel und bereite Beiträge für Social Media vor. Gleichzeitig entwickle ich kleinere Produkte, die zu meinen Coaching-Angeboten passen. Darüber möchte ich später auch per E-Mail informieren. Ich bin also selbst noch mittendrin.
Wer einen Beitrag von mir liest, braucht vielleicht gerade kein Coaching. Vielleicht möchte derjenige erst mal ausprobieren, ob meine Arbeitsweise zu ihm passt. Über Social Media und meinen Newsletter kann er mehr von mir mitbekommen und mich mit der Zeit besser kennenlernen.
Gerade bei einer größeren Investition würde ich mich nicht darauf verlassen, dass ein einzelner Social-Media-Beitrag zum Verkauf reicht. Menschen wollen verstehen, was sie bekommen und ob sie dir vertrauen. Eine Kostprobe kann dabei helfen: ein kleines Arbeitsblatt, eine praktische Vorlage oder ein kostenloser Online-Vortrag. Was passt, hängt von deinem Angebot ab.
Überleg dir deshalb: Warum sollte jemand deine E-Mails lesen wollen? Wenn du zum Beispiel ein Coaching zur beruflichen Neuorientierung anbietest, könntest du ein Arbeitsblatt vorbereiten, mit dem jemand seine Gedanken zum Jobwechsel sortiert. Das gibt einen kleinen Einblick in deine Arbeit und hilft bei einer Frage, die deine möglichen Kunden ohnehin beschäftigt.
Du könntest in einem Beitrag eine dieser Fragen aufgreifen und erklären, dass es das Arbeitsblatt über den Link in deinem Profil gibt. Wer darauf klickt, kommt zu einer Seite, auf der du kurz beschreibst, was er bekommt. Dort kann er seine E-Mail-Adresse eintragen und deinem Newsletter zustimmen.
In der ersten E-Mail schickst du das Arbeitsblatt und erklärst, wie man damit arbeitet. Eine weitere Mail könnte eine Frage aufgreifen, die dabei häufig entsteht. Später kannst du erläutern, wobei dein Coaching hilft. So weißt du schon vor der ersten Anmeldung, was du deinen Lesern schicken möchtest.
Wichtig ist, dass auf der Anmeldeseite klar steht, welche E-Mails die Menschen erhalten. Wer unter deinem Beitrag kommentiert oder dir folgt, hat sich damit noch nicht für deinen Newsletter angemeldet.
Den Aufbau beschreibe ich genauer im Artikel über deine ersten Newsletter-Abonnenten. Für den Anfang würde ich diese eine Unterlage und die ersten E-Mails fertig machen. Das ist schon genug Arbeit.
Einen Blog würde ich dir zum Start nicht automatisch noch auf die Liste setzen. Wenn du bereits genug damit zu tun hast, dein Angebot zu schärfen und auf einer Plattform regelmäßig sichtbar zu werden, darf der Blog warten.
Menschen können dich auch über die Suche finden, wenn du noch keinen Blog hast. Zum Beispiel über dein öffentliches LinkedIn-Profil. Auch Instagram-Beiträge können unter bestimmten Voraussetzungen in Suchergebnissen auftauchen. Öffentlich zu posten allein sorgt allerdings noch nicht dafür, dass Google jeden Beitrag aufnimmt.
Ich selbst nutze inzwischen überwiegend KI-Suchen: Ich stelle meine Frage und lasse mir eine Antwort mit weiterführenden Quellen geben. Deshalb beschäftige ich mich auch damit, ob meine Inhalte dort auftauchen. Fest einplanen kannst du das nicht. Google erklärt beispielsweise, dass Inhalte nicht automatisch in der Suche oder in KI-Antworten erscheinen.
Wenn du später ausführlichere Fragen beantworten möchtest, nach denen deine Kunden suchen, würde ich mir heute YouTube anstatt eines Blogs genauer anschauen. In einem Video hört und sieht man, wie du etwas erklärst. Du kannst einen Gedanken entwickeln oder etwas vormachen. Gerade bei Beratung finde ich das wertvoll, weil Kunden einen Eindruck von dir und deiner Arbeitsweise bekommen.
YouTube bleibt ebenfalls eine fremde Plattform. Ein zusätzlicher YouTube-Kanal kann deine Möglichkeiten erweitern, Menschen zu erreichen. Deine Abonnenten werden dadurch aber nicht zu eigenen E-Mail-Kontakten. Du kannst zum Beispiel bei einem passenden Video auf dein Arbeitsblatt hinweisen und zur Anmeldung verlinken.
Falls du noch zwischen mehreren Kanälen schwankst, hilft dir mein Vergleich der Social-Media-Plattformen. Entscheide danach, wo du passende Menschen erreichen kannst und welche Inhalte du im Alltag tatsächlich hinbekommst.
Nimm dir ein Blatt Papier und öffne das Social-Media-Profil, das du am meisten nutzt. Dann geh diese drei Punkte durch.
Wenn die Anmeldung bereits funktioniert, schau bei deinem nächsten passenden Beitrag darauf, wie viele Menschen klicken und sich tatsächlich anmelden. Wenn kaum jemand klickt, lies deine Einladung noch einmal: Wird klar, was man bekommt und warum das hilfreich ist? Wenn Menschen klicken, aber sich nicht anmelden, prüfe die Seite mit dem Formular. Vielleicht erklärt sie den Nutzen nicht gut genug oder die Anmeldung funktioniert auf dem Handy nicht richtig. So hast du etwas Konkretes zu verbessern.
Ich würde bei dem Kanal bleiben, auf dem du gerade sinnvoll arbeiten kannst. Überleg dir zuerst, was du interessierten Menschen per E-Mail anbieten möchtest. Dann bereite die Anmeldung und die ersten Mails vor und probiere selbst aus, ob alles ankommt. Damit hast du erst mal genug zu tun.
Bei mir stehen genau diese E-Mails noch auf der Liste. Ich möchte künftig gezielter mit den Menschen in Kontakt bleiben, die sich für meine Arbeit interessieren. Dafür lohnt sich der Aufwand.
Ja. Du kannst die Anmeldung bereits vorbereiten und in passenden Beiträgen darauf hinweisen. Wie viele Menschen sich eintragen, hängt auch davon ab, wen du erreichst und ob sie deine angekündigten Tipps oder Unterlagen gebrauchen können. Eine feste Mindestzahl an Followern brauchst du dafür nicht.
Nein. Du kannst mit einer eigenen Anmeldeseite und einem Newsletter anfangen. Ein Blog kann später dazukommen, wenn du regelmäßig ausführliche Inhalte veröffentlichen möchtest und dafür Zeit hast.
YouTube bietet eine weitere Möglichkeit, Menschen zu erreichen, bleibt aber eine fremde Plattform. Du entscheidest dort nicht allein, wer deine Videos angezeigt bekommt. Für den direkten Kontakt außerhalb von YouTube brauchst du einen zusätzlichen Weg, etwa eine Newsletter-Anmeldung.
Nein. E-Mails können unzustellbar sein, im Spam landen oder ungelesen bleiben. Du kannst aber selbst entscheiden, wann du deinen Lesern schreibst. Dafür müssen sie nicht erst einen deiner Beiträge angezeigt bekommen. Ob Menschen deine Mails lesen, hängt weiterhin vom Inhalt und ihrem Interesse ab.
Redaktionell geprüft: 8. September 2026. Sprachlich überarbeitet: 8. September 2026.