
Tauschst du alte Dinge sofort gegen neue aus? Oder versuchst du, Dinge zu reparieren und mehrfach zu nutzen?
Mein Opa hat noch vieles repariert, wiederverwendet oder umfunktioniert. Nicht aus Geiz – sondern weil er schlau war. Er wollte Geld sparen, Ressourcen schonen und für schlechte Zeiten vorsorgen.
Was hat das mit deinem Marketing zu tun? Mehr als du denkst.
Viele Coaches und Beraterinnen machen einen teuren Fehler: Sie erstellen ständig neue Blogartikel, neue Social-Media-Beiträge, neue Inhalte. Von Grund auf. Immer wieder. Das ist wie wegwerfen und neu kaufen – obwohl das Vorhandene noch gut ist.
Ich nenne das Content Recycling. Du nimmst deine bestehenden Artikel und hauchst ihnen neues Leben ein – für Social Media, Newsletter oder digitale Produkte wie E-Books, Checklisten oder Online-Kurse.
Aber viele halten sich davon zurück – wegen Irrtümern, die sich hartnäckig halten. Lass uns aufräumen.
Ich erstelle ausführliche Artikel für meine Website. Nicht weil ich so gerne schreibe, sondern weil Google längere, informative Texte liebt. Diese Artikel helfen mir, gefunden zu werden.
Aber dann nutze ich jeden einzelnen Artikel mehrfach: Ich ziehe Zitate für LinkedIn-Beiträge heraus, erstelle Grafiken mit den wichtigsten Tipps für Instagram, nehme kurze Videos für Reels auf, fasse mehrere Artikel zu einem E-Book zusammen und verschicke Ausschnitte in meinem Newsletter.
Ein Artikel = 10 bis 20 verschiedene Beiträge. Das spart Zeit. Und es funktioniert.
Das höre ich ständig: „Nicole, wenn ich dasselbe Thema mehrfach bringe, langweilen sich meine Follower doch!"
Nein. Content Recycling heißt nicht, dass du dasselbe Posting immer wieder veröffentlichst. Du nimmst einen Artikel, den du bereits geschrieben hast, und bereitest ihn anders auf. Du greifst einen Abschnitt heraus. Du änderst das Format. Du wechselst die Plattform.
Und selbst wenn du einen Post nach einigen Monaten wortgleich wiederholst: Erstens sieht nicht deine gesamte Followerschaft jeden einzelnen Beitrag. Zweitens ist deine Community in der Zwischenzeit gewachsen – die neuen Follower haben den Post noch nie gesehen.
Die Angst, Follower durch Wiederverwendung zu verlieren, ist unbegründet. Im Gegenteil: Du gewinnst Reichweite dazu.
Bloß weil du eine bestimmte Content-Art bevorzugst, heißt das nicht, dass es deiner Zielgruppe genauso geht.
Ich merke das an mir selbst. Gleiche Person, gleiches Thema – aber je nach Tageszeit ein anderes Format:
Wenn ich mich mit einem neuen Thema richtig beschäftigen will, lese ich einen langen Blogartikel. Wenn ich nachmittags beim Kaffee 10 Minuten scrolle, will ich kurze LinkedIn-Posts mit einem Tipp, den ich sofort umsetzen kann. Und abends auf der Couch? Videos.
Wenn du nur ein Format bespielst, erreichst du immer nur einen Teil deiner Zielgruppe. Durch Recycling in verschiedene Formate holst du den Rest ab – ohne neuen Inhalt zu produzieren.
Content Recycling spart Zeit. Es kostet keine.
Rechne selbst: Gesamtzeit für einen Artikel plus 10 daraus abgeleitete Beiträge: ca. 4 bis 8 Stunden. Gesamtzeit für 10 komplett neue Beiträge von Grund auf: mindestens 10 Stunden.
Du nimmst einen Blogartikel und machst daraus Social-Media-Posts: Tipps, Zitate, Listen, typische Fragen und Antworten. Jeder Post funktioniert für sich – basiert aber auf deinem Artikel.
Du wählst jeden Monat ein Thema und behandelst es in ein bis zwei Blogartikeln. Daraus ziehst du alle Social-Media-Beiträge für den Monat und den Newsletter. Ein Thema, viele Formate – und alles zahlt auf dasselbe Angebot ein.
Was du für funktionierendes Content Recycling brauchst: Ein zeitloses Themenportfolio, Fokus auf einen Themenaspekt pro Artikel und ein System für die zeitsparende Wiederverwendung. Mehr nicht.
Eher andersrum: Gerade wenn du allein oder mit einem kleinen Team arbeitest, bringt dir Recycling am meisten.
Deine Ressourcen sind begrenzt. Genau deshalb ist es so wichtig, dass du aus jedem Inhalt das Maximum rausholst – statt deine knappe Zeit in die Produktion von immer neuen Beiträgen zu stecken.
Durch Recycling positionierst du dich als Expertin, bist auf verschiedenen Kanälen sichtbar, erreichst mehr Menschen und gewinnst neue Follower und Kunden. Ohne dich dafür kaputtzumachen.
Du musst nicht ständig neuen Content produzieren, um sichtbar zu sein. Du musst den richtigen Content produzieren – und dann das Beste daraus machen.
Manche glauben, recycelter Content sei irgendwie minderwertig und man brauche ständig frische Inhalte. Das ist Quatsch und kostet dich nur unnötige Arbeit.
Content Recycling bringt dir auf zwei Wegen Umsatz:
Indirekt: Mehr Sichtbarkeit bringt mehr Anfragen. Mehr Menschen sehen dich auf verschiedenen Plattformen, folgen dir, vertrauen dir und buchen dein Angebot.
Direkt: Aus kostenlosen Inhalten werden bezahlte Produkte. Du kannst einen Blogartikel in eine kostenpflichtige Videoserie verwandeln, ein E-Book aus verwandten Artikeln erstellen oder deine Artikel als Basis für einen Online-Kurs nehmen.
Du nimmst also deine kostenlosen Beiträge und entwickelst daraus kostenpflichtige Angebote. Ein Inhalt – mehrere Einnahmequellen.
Mach dir eine Sache klar: Deine Inhalte können nur die Menschen ansprechen, die sie auch tatsächlich sehen.
Es ist der falsche Ansatz, wenn du darauf hoffst, dass deine Zielgruppe dich irgendwie im Netz findet. Du hast kein Wettbüro, sondern ein Business! Auffindbarkeit und Interaktion willst du nicht dem Zufall überlassen.
Indem du deine Themen für verschiedene Kanäle und in verschiedene Formate aufbereitest, sehen mehr Menschen deine Expertise, deine Persönlichkeit und dein Angebot.
Und oft passiert etwas Interessantes: Ein recycelter Beitrag performt besser als der Originalartikel. Weil das Format besser zur Plattform passt. Oder weil der Einstieg stärker ist. Oder weil du beim zweiten Mal gelernt hast, was zieht – und was nicht.
Diesen Einwand höre ich seit 2023 immer öfter: „Wenn KI in Sekunden neue Texte schreiben kann, warum sollte ich dann alte Inhalte recyceln? Ich lass ChatGPT einfach was Neues schreiben."
Klingt logisch. Ist es aber nicht.
KI kann Texte produzieren – aber keine Expertise. Was deinen Content von den tausend anderen da draußen unterscheidet, ist nicht die Formulierung. Es ist deine Erfahrung, deine Beispiele aus echten Kundengesprächen, deine Haltung zu deinem Thema. Das kann keine KI erfinden. Sie kann es höchstens umformulieren, zusammenfassen oder in ein anderes Format bringen.
Und genau da wird es spannend: KI macht Content Recycling nicht überflüssig – sie macht es schneller.
Ich nutze das selbst jeden Tag: Ich habe einen Blogartikel mit 2.500 Wörtern, den ich an einem Nachmittag aus meiner Erfahrung geschrieben habe. Claude hilft mir, daraus in 30 Minuten 8 LinkedIn-Posts zu entwickeln – statt in 2 Stunden. Für das Brainstorming und Ideen-Sparring nutze ich ChatGPT. Wenn ich aus einem Artikel eine Präsentation machen will, nehme ich Gamma oder ziehe die Kernaussagen mit NotebookLM raus. Und bevor ich einen älteren Artikel recycle, prüfe ich mit Perplexity, ob die Inhalte noch stimmen.
KI hilft bei der Aufbereitung – aber die Substanz kommt von dir. Dein Wissen, deine Stimme, deine Erfahrung. Deshalb ist Recycling wertvoller als KI-Content von der Stange: Du recycelst, was du wirklich weißt – statt KI etwas erfinden zu lassen, das du nicht erlebt hast.
Content Recycling gehört in jeden Marketing-Koffer. Wenn du es richtig machst, hilft es dir, mehr Menschen zu erreichen, neue Follower und Kunden zu gewinnen und deine knappe Zeit besser zu nutzen.
Lass dich von diesen Irrtümern nicht aufhalten. Recycling ist im Alltag wichtig – und für dein Marketing genauso. Gerade jetzt, wo KI-Tools die Aufbereitung beschleunigen, aber die inhaltliche Substanz weiterhin von dir kommen muss.
Mein Opa würde sagen: Wer Gutes hat, muss es nicht wegwerfen. Er muss es nur richtig nutzen.
Du willst dein Recycling aufbauen – aber nicht alleine rumexperimentieren? In meinem Content-Marketing-Coaching entwickeln wir gemeinsam einen Workflow, der zu deinem Business passt.
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