
Vor ein paar Jahren saß ich jeden Sonntagabend mit dem gleichen Gefühl da: „Was soll ich diese Woche bloß posten?"
Ich hatte einen Blog mit über 30 Artikeln. Ich hatte Expertise. Ich hatte Inhalte. Aber ich fühlte mich trotzdem gestresst, weil ich dachte, ich müsste ständig etwas Neues erstellen.
Bis mir klar wurde: Ich muss das Rad nicht jede Woche neu erfinden. Ich kann meine bestehenden Inhalte einfach wiederverwenden – in anderen Formaten, auf anderen Plattformen, für andere Zwecke.
Das ist Content Recycling: Du nimmst bereits erstellte Inhalte, bereitest sie anders auf und verwendest sie erneut. Dadurch erreichst du mehr Menschen, ohne ständig bei null anzufangen.
Und das bringt dir drei Vorteile, über die ich heute sprechen will.
Die Erstellung von gutem Content dauert. Recherchieren, schreiben, überarbeiten, formatieren, Bilder erstellen, SEO-Optimierung – ein ordentlicher Blogartikel kostet mich locker 2 bis 6 Stunden.
Wenn ich diesen Artikel dann nur einmal verwende, ist das ehrlich gesagt verschwendetes Potenzial.
Aber wenn ich meine Energie auf zeitlose, hochwertige Artikel konzentriere und diese dann wiederverwende? Dann sieht die Rechnung ganz anders aus.
Ich nehme zum Beispiel einen Blogartikel und mache daraus:
Zusammen sind das 6 bis 8 Stunden zusätzliche Arbeit – für Material, das mich 2 bis 3 Monate lang mit Content versorgt. Würde ich jeden Social-Media-Post komplett neu erstellen, bräuchte ich für die gleiche Menge mindestens 20 bis 25 Stunden.
Spürst du den Unterschied? Kein Hamsterrad mehr. Stattdessen ein System, das für dich arbeitet.
Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich nicht darüber sprechen würde, wie sehr KI-Tools das Content Recycling verändert haben. Nicht als Ersatz für dein Wissen – aber als Abkürzung bei der Aufbereitung.
Ich nutze inzwischen verschiedene Tools für verschiedene Aufgaben, und jedes hat seine Stärke:
Vom Gespräch zum Blogartikel: Du nimmst ein Kundengespräch, ein Webinar oder eine Sprachnachricht auf. ChatGPT oder Claude transkribieren und strukturieren den Inhalt – du überarbeitest ihn in deiner Stimme. Das spart die Schreibarbeit und sorgt dafür, dass du Inhalte aus echten Gesprächen recycelst, statt vor dem leeren Bildschirm zu sitzen.
Vom Blogartikel zu LinkedIn-Posts: Ich gebe meinen fertigen Artikel in Claude und bitte um 8 LinkedIn-Posts – jeweils zu einer Zwischenüberschrift, in meinem Schreibstil, mit einem starken Einstieg. Das dauert 15 Minuten statt 2 Stunden. Ich überarbeite jeden Post, passe an, mache ihn zu meinem – aber die Grundarbeit ist erledigt.
Vom Post zum Newsletter-Teaser: Ein LinkedIn-Post, der gut angekommen ist, wird zum Aufhänger für meinen nächsten Newsletter. KI hilft mir, den Gedanken weiterzuführen und mit einem Call-to-Action zu verknüpfen.
Für Visuals und Präsentationen: Wenn ich aus einem Blogartikel eine Präsentation oder ein Karussell machen will, nutze ich Gamma für die Aufbereitung oder NotebookLM, um aus langen Texten die Kernaussagen rauszuziehen.
Für die Recherche: Bevor ich einen älteren Artikel recycle, prüfe ich mit Perplexity, ob die Inhalte noch aktuell sind. Gerade bei Tool-Empfehlungen oder Plattform-Features ändert sich ständig etwas – und nichts ist peinlicher als ein Social-Media-Post, der auf ein Feature verweist, das es nicht mehr gibt.
Die Zeitersparnis ist spürbar: Was vorher 6 bis 8 Stunden Recycling-Arbeit war, schaffe ich mit KI-Unterstützung in 3 bis 4 Stunden. Bei gleicher Qualität – vorausgesetzt, ich nehme mir die Zeit zum Überarbeiten.
Du willst mit deiner Expertise Geld verdienen. Dafür erstellst du Content. Aber der beste Artikel bringt dir wenig, wenn er nur einmal auf deinem Blog steht und dann verstaubt.
Content Recycling sorgt dafür, dass du aus einem Inhalt mehrere Einnahmequellen machst.
Ich habe einen ausführlichen Blogartikel über die Profiloptimierung auf LinkedIn geschrieben. Der steht kostenlos auf meinem Blog. Aber er ist auch die Basis für:
Der Inhalt ist in der Basis gleich. Ich ergänze, vertiefe, ändere das Format und den Preis – aber die Arbeit habe ich im Kern nur einmal gemacht.
Stell dir vor, du bist Business-Coach und hast einen Blogartikel mit Tipps zur Unternehmensgründung geschrieben. Daraus machst du:
Ein Inhalt – vier Einnahmequellen. So zahlt Content Recycling direkt auf deinen Umsatz ein.
Was viele nicht auf dem Schirm haben: Deine E-Mail-Liste ist der einzige Kanal, den du wirklich besitzt. Instagram kann den Algorithmus ändern, LinkedIn kann deine Reichweite drosseln – aber deine Newsletter-Abonnenten gehören dir.
Und gerade fürs Recycling ist der Newsletter Gold wert:
Blogartikel → Newsletter-Serie: Ein langer Artikel wird zu 3 bis 4 Newsletter-Ausgaben. Jede greift einen Aspekt auf und endet mit einem Link zum vollständigen Artikel. Das löst die wöchentliche „Was schreibe ich im Newsletter?"-Frage.
Beste LinkedIn-Posts → Newsletter: Ein Post, der auf LinkedIn viel Resonanz bekommen hat, wird zum Aufhänger deines nächsten Newsletters – mit mehr Tiefe und einem Verweis auf dein Angebot.
Evergreen-Newsletter: Deine besten Ausgaben kannst du nach 6 bis 12 Monaten an neue Abonnenten erneut verschicken. Die haben sie noch nie gesehen – für sie ist es frischer Content.
Der Newsletter ist die Brücke zwischen deinen kostenlosen Inhalten und deinem bezahlten Angebot. Und Content Recycling macht ihn einfacher zu befüllen, als du denkst.
Wir konsumieren Inhalte unterschiedlich. Und nicht nur von Person zu Person – sondern auch je nach Situation.
Nimm mich als Beispiel:
Wenn du nur Blogartikel schreibst, erreichst du mich nur am Wochenende. Die restliche Woche bin ich für dich unsichtbar – obwohl mich dein Thema interessiert.
Ich habe das selbst erlebt: Meine Blogartikel liefen gut. Aber erst als ich angefangen habe, die Inhalte auch auf LinkedIn zu teilen, kamen Anfragen von Menschen, die mich vorher nie gefunden hätten. Die waren keine Blogleser. Die waren LinkedIn-Nutzer. Aber mein Thema war für sie genauso relevant.
Content Recycling bringt deine Inhalte zu den Menschen, die sie brauchen – egal, wo die sich gerade aufhalten.
Hier zeige ich dir, wie ich einen einzelnen Blogartikel recycle – Schritt für Schritt.
Thema: „Wie du als Coach mit Content-Marketing sichtbar wirst". Etwa 2.500 Wörter, 5 Zwischenüberschriften, behandelt das Thema gründlich. Zeitaufwand: 4 Stunden.
Jede Zwischenüberschrift wird zu einem eigenen LinkedIn-Post. Dazu kommen 2 bis 3 Posts, die einzelne Tipps oder Zitate aus dem Artikel aufgreifen. Macht 5 bis 8 Posts. Zeitaufwand: ca. 2 Stunden (mit Claude als Schreibhilfe ca. 1 Stunde).
Die Kernpunkte des Artikels werden zu einer Checkliste: „10 Schritte zu mehr Sichtbarkeit als Coach". Zeitaufwand: 1 Stunde.
Der Artikel wird zu 3 Newsletter-Ausgaben. Jede greift 1 bis 2 Zwischenüberschriften auf, ergänzt um eine persönliche Geschichte und einen Call-to-Action. Die letzte Ausgabe verweist aufs Angebot. Zeitaufwand: 1,5 Stunden.
Ich erweitere den Artikel mit Arbeitsblättern, Vorlagen und Beispielen – fertig ist ein E-Book für 27 Euro. Zeitaufwand: 3 Stunden.
Du musst nicht gleich die ganze Maschinerie anwerfen. Fang klein an: Nimm einen deiner besten Blogartikel, setz dich 2 bis 3 Stunden hin und mach daraus 5 LinkedIn-Posts und einen Newsletter-Teaser. Veröffentliche sie über die nächsten zwei Wochen.
Du wirst merken: Die Posts funktionieren – weil sie auf einem durchdachten Inhalt basieren, den du schon mal gründlich durchdacht hast.
Und dann machst du weiter. Artikel für Artikel. In deinem Tempo. Ohne Druck.
Du willst dein Content-Recycling aufbauen – aber nicht alleine rumexperimentieren? In meinem Content-Marketing-Coaching entwickeln wir gemeinsam einen Workflow, der zu deinem Business passt.
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