
„Das wurde doch alles schon gesagt."
Diesen Satz höre ich von klugen, erfahrenen Frauen öfter, sobald es ums Posten auf Instagram geht. Und ehrlich: Manchmal denke ich ihn selbst.
Er ist die elegante Ausrede, um unsichtbar zu bleiben. Höflich verpackt, aber im Kern nur Schutz vor dem eigenen Mut.
Heute zeige ich dir, warum dieser Satz nicht stimmt und warum gerade du dein Thema auf Instagram noch einmal sagen solltest.
Es gibt dafür einen Namen: den Fluch des Wissens. Wenn du etwas seit Jahren tust, wird es dir zur zweiten Natur. Und was sich wie eine Selbstverständlichkeit anfühlt, hältst du es irgendwann für banal.
Stell dir eine Fahrlehrerin vor. Das Einparken erklärt sie im Schlaf, jeder Handgriff ist ein Reflex. Für die Fahranfängerin auf dem Beifahrersitz ist genau dieser Reflex Gold wert.
Genau das passiert mit deinem Fachwissen. Ich erlebe es ständig. In Vorgesprächen und Workshops bekomme ich Fragen gestellt, auf die ich von allein gar nicht mehr komme, weil ich längst eine Ebene weiter bin.
Heute schreibe ich solche Fragen mit, denn sie sind die besten Themen, die ich haben kann. Wenn jemand fragt, dann fehlt die Antwort da draußen ganz offensichtlich oder - vermutlich - bisher noch nicht gehört.
Und ja, manchmal kommt nach so einem Beitrag keine Reaktion. Dann denkst du sofort: das war zu banal und interessiert keinen Menschen. Es muss aber nicht am Inhalt liegen. Vielleicht warst du länger nicht aktiv, vielleicht ist der Beitrag einfach nicht gut aufbereitet. Und ja, letzteres kommt öfter vor als du denkst.
Wenn du weißt, dass dieses Thema in Gesprächen häufig auftaucht, dann poste dazu Inhalte und wenn es nicht läuft, dann nochmal.
Vielleicht hört dein Wunschkunde dein Thema wirklich zum ersten Mal. Vielleicht hat er es aber auch schon tausendmal gehört.
Und trotzdem zündet es ausgerechnet bei dir. Weil du es anders betonst, anders erzählst, oder weil er gerade in der Situation steckt, in der dein Satz endlich Sinn ergibt.
Deshalb lohnt es sich, damit rauszugehen, auch wenn du denkst, das wüssten doch längst alle.
Warum diese erste Zeile so wichtig ist? Weil du Menschen beim Scrollen stoppen musst. Je nach Plattform entscheidet darüber etwas anderes: das Bild, der Einstieg ins Video oder der erste Satz im Text. Wer da nicht hängen bleibt, liest auch den klügsten Beitrag nie.
Banal ist also keine Eigenschaft deines Wissens. Es ist nur die Brille, durch die du es nach Jahren betrachtest.
Der Denkfehler steckt im Wort „neu". Du glaubst, du müsstest etwas sagen, das noch nie jemand gesagt hat. Musst du nicht.
Es gibt vielleicht tausend Beiträge über Sichtbarkeit. Aber keinen mit deiner Geschichte, deiner Erfahrung und deinem Blick darauf. Genau das ist dein Unterschied. Du bringst nicht das Thema mit, du bringst dich mit.
Deshalb kopiere niemanden. Schau dir ruhig an, was bei anderen funktioniert, und lass dich davon inspirieren. Aber bereite es so auf, dass es zu dir passt, zu deiner Persönlichkeit und deiner Art zu reden.
Ein Beispiel: Alle predigen schnelle Videoschnitte. Da ist auch etwas dran, je breiter deine Zielgruppe, desto schneller darf geschnitten sein. Aber dass nur schnelle Schnitte funktionieren, ist Blödsinn. Wenn hektische Cuts nicht zu dir passen, finde deinen eigenen Rhythmus.
Nimm einen Gedanken, den du oft erklärst, und erzähl ihn so, wie nur du es kannst. Mit einem Beispiel aus deinem Alltag, mit deiner Haltung dazu, auch mal mit einem Augenzwinkern. Mehr braucht es nicht.
Wenn dich beim Posten trotzdem der Blick auf die anderen lähmt, hilft dir vielleicht mein Artikel über die Vergleichsfalle auf Social Media weiter.
Die Welt braucht kein neues Thema von dir. Sie braucht deine Version eines alten.
Dein Wissen ist nicht zu banal und nicht zu spät dran. Es wartet nur darauf, dass du es endlich aussprichst, statt es im Kopf für selbstverständlich zu erklären.
Welcher Gedanke kommt dir bei dir selbst am banalsten vor? Schreib ihn mir, ich wette, er ist genau der, den dein Wunschkunde hören muss.
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