
Du postest regelmäßig auf LinkedIn. Schreibst durchdachte Beiträge. Nimmst dir Zeit. Und dann: 15 Likes, 2 Kommentare von Leuten, die du sowieso kennst, null Anfragen.
Während andere scheinbar mühelos wachsen.
Hier ist, was ich nach Jahren in der Praxis — auf eigenen und auf Kundenaccounts — gelernt habe: Einfach konsistent posten reicht nicht mehr. Es hat auch nie gereicht, aber früher ist man damit noch durchgekommen. Heute nicht mehr.
Nicht weil LinkedIn kaputt ist. Sondern weil die Plattform voller Content ist. Nur etwa ein Prozent der LinkedIn-Nutzer posten aktiv — und trotzdem ist die Menge an Inhalten massiv gestiegen. Warum? Weil KI es heute so leicht macht, Inhalte zuerstellen und weil die Nutzer dennoch im Laufe der Zeit gestiegen sind. LinkedIn muss also entscheiden, was eingeblendet wird und was nicht. Wer kein System hat, verschwindet im Feed.
In diesem Artikel zeige ich dir die 8 Strategien, die wirklich den Unterschied machen.
Das größte Problem, das ich bei LinkedIn-Nutzern sehe: Sie wollen über alles sprechen. Karriere, Mindset, Leadership, Kommunikation, Work-Life-Balance — alles auf einmal.
Klingt vielseitig. Ist aber Gift für deine Sichtbarkeit.
Der LinkedIn-Algorithmus schaut sich nämlich drei Dinge an: wofür du in deinem Profil stehst, wozu du postest und womit du interagierst. Je mehr Überschneidung zwischen diesen drei Bereichen, desto besser und desto klarer erkennt der Algorithmus, für wen du relevant bist, und zeigt deine Inhalte den richtigen Leuten.
Das gilt übrigens auch für persönliche Geschichten. Die dürfen und sollen sein, aber sie sollten immer irgendwie mit deinem Angebot, deiner Positionierung verknüpft sein. Man lernt dich als Person kennen, aber es soll trotzdem etwas mit dem zu tun haben, wofür du stehst.
Der Selbsttest: Können Menschen in einem Satz sagen, wofür du stehst? Wenn nicht, ist deine Positionierung zu breit.
Fachliche Tipps bauen Vertrauen auf. Wer echten, konkreten Mehrwert liefert, wird als Expertin wahrgenommen. Wer nur Motivationssprüche postet, wird nett gefunden, aber das ist keine Content Strategie
Wichtig dabei: Ein guter Fachpost endet nicht im Nichts. Er lädt zur Diskussion ein und zwar mit einer echten Frage, nicht dem generischen „Was denkst du?", sondern etwas, das tatsächlich Gesprächsstoff bietet.
Und noch etwas, das ich nicht oft genug sagen kann: Kein rein KI-generierter Content. Nicht weil KI grundsätzlich schlecht ist — ich arbeite selbst damit — sondern weil man es merkt. Was deinen LinkedIn-Content wirklich trägt, ist deine persönliche Sichtweise dahinter. Eine Haltung. Eine Erfahrung. Ein System oder eine Methode, die von dir kommt. Das ist das, was generisch klingenden Posts fehlt — egal ob von einer Mensch oder einer KI geschrieben.
Kein Konzernsprech. Kein „implementieren", wenn du „nutzen" meinst. Kein „Stakeholder", wenn du „Beteiligte" meinst. Du redest mit echten Menschen und die merken sofort, wenn ein Text klingt wie eine Pressemitteilung.
Der einfachste Test: Lies deinen fertigen Post laut vor. Würdest du das wirklich so zu jemandem sagen? Wenn du beim Vorlesen stolperst, ist die Formulierung zu steif.
Und sprich die Leserin direkt an — „du" statt „man". „Ich empfehle" statt „Es wird empfohlen". Aktiv, direkt, auf Augenhöhe.
LinkedIn lässt dir bei Beiträgen viel Platz, also nutze ihn. Du kannst wirklich schildern, worum es geht, eine Geschichte erzählen, eine These entwickeln. Das ist ein Vorteil gegenüber anderen Plattformen.
Aber: Längere Posts funktionieren nur, wenn sie strukturiert sind. Kurze Absätze, viele Leerzeilen, sodass man den Text auch beim schnellen Scrollen erfassen kann. Überschriften im klassischen Sinne gibt es auf LinkedIn nicht — aber du kannst mit Emojis, Pluszeichen oder anderen stilistischen Mitteln arbeiten, die denselben Effekt haben und den Text gliedern.
Die Faustregel: Lieber zwölf kurze Absätze als drei lange Textblöcke, in denen man versinkt.
Du brauchst auf LinkedIn im Prinzip immer zwei Scroll-Stopper: Der erste ist der erste Satz deines Posts. Dieser eine kleine Satz entscheidet, ob jemand auf „mehr anzeigen" klickt und einen Blick auf den gesamten Beitrag wirft. Der zweite ist das Bild oder das Dokument, das den Post begleitet.
Du kannst ein Foto von dir nehmen, das zum Post passt. Das ist immer der einfachste Weg. Aber auch Dokumenten-Beiträge oder eine Infografik können Leute beim weiterscrollen stoppen. Und das ist das, was du willst.
Wenn du gerade erst mit Social Media anfängst und dir der Gedanke, auch noch Grafiken zu erstellen, zu viel ist: Dann fang mit reinen Textposts an. Das ist - auf LinkedIn - völlig in Ordnung.
Aber behalte im Hinterkopf, dass du irgendwann Bilder oder Dokumente integrieren solltest — zumal es heute wirklich gute Tools gibt, die dir dabei helfen, schnell und ohne Design-Kenntnisse etwas zu erstellen.
Am Wochenende posten weniger Menschen auf LinkedIn und das bedeutet weniger Konkurrenz, also mehr Sichtbarkeit für deinen Beitrag. Das ist keine Theorie, das sehe ich bei Kundinnen, die sonntags posten, immer wieder in den Zahlen.
Hinweis: Das gilt nur, wenn es zu deiner Routine passt. Wenn du am Wochenende keine Zeit hast oder einfach abschalten willst, dann lass es. Die Reichweite, die du durch einen Sonntagspost gewinnst, bringt dir nichts, wenn du dich dabei schlecht fühlst oder keinen Kopf mehr dafür hast.
Das ist wahrscheinlich die unterschätzteste Strategie und gleichzeitig eine der wirksamsten zum aktuellen Zeitpunkt.
Eine Analyse von Richard van der Bloom hat gezeigt: Die beste Kombination für Reichweite auf LinkedIn ist drei- bis fünfmal pro Woche posten und täglich etwa 30 Minuten interagieren. Kommentare bringen dir nämlich ebenfalls Reichweite. Und die kannst du sogar sehen. LinkedIn zeigt dir bei jedem Kommentar an, wie viele Leute du damit erreicht hast.
Das bedeutet auch: In Phasen, in denen dir die Zeit für eigene Inhalte fehlt, kannst du durch Kommentieren trotzdem sichtbar bleiben. Und wenn du dazu noch ein optimiertes Profil mit einer guten Headline hast, können Leute durch einen einzigen richtig guten Kommentar auf dein Profil aufmerksam werden und Interesse an deinem Angebot bekommen.
Kommentiere bei Menschen, bei denen deine Zielgruppe bereits ist, bei Experten in deinem Thema, bei Posts, zu denen du wirklich etwas beizutragen hast. Und bitte nicht steif, sondern schreib so, wie du auch im Gespräch reagieren würdest.
Ich gebe zu: Ich schaffe das selbst nicht immer perfekt. Aber ich habe feste Zeiten, zu denen ich poste und das hilft schon mal als Anker.
Im KI-Zeitalter wird das immer wichtiger, weil echte Geschichten aus dem Alltag herausstechen.
Nicht jede Geschichte ist eine echte Geschichte. „Gestern fragte mich eine Kundin..." oder „Das ist das, was ich von Kunden immer wieder höre..." — das klingt wie ein Template, das tausendmal kopiert wurde.
Was wirklich bleibt, sind Geschichten, die Haltung zeigen, Persönlichkeit zeigen und gleichzeitig mit deiner Positionierung oder Angebot verknüpft sind.
Menschen machen Geschäfte mit Menschen. Und deswegen sollte man auch etwas von dir sehen, und zwar etwas, das nicht von KI erstellt werden kann, weil es wirklich aus deiner inneren Überzeugung kommt.
Du hast jetzt acht Strategien gelesen. Vielleicht fragst du dich, wo du überhaupt anfangen sollst. Hier ist meine ehrliche Empfehlung:
Nimm dir in den ersten 90 Tagen ein einziges Thema vor — das wofür du bekannt sein möchtest, warum Leute zu dir kommen sollen. Brainstorme, was Menschen dich dazu häufig fragen, worüber du stundenlang reden könntest, welches Thema dir wirklich am Herzen liegt. Breche das in einzelne Postings runter und fange damit an. Pro Post bitte immer nur ein Thema - ja, ich ich selbst komme gerne vom Stöckchen aufs Hölzchen und kenn das Problem nur zu gut.
Wenn du dich bisher nicht traust, einfach loszuposten, dann fang mit Kommentieren an. Baue dein Netzwerk auf und werde dann sichtbar durch gute Beiträge in den Kommentarspalten.
Und wenn du dann merkst, dass du einen Post fertig hast, der sich stimmig anfühlt, dann veröffentliche ihn. Aber überlege nicht zu lange, gerade beim Durchstarten ist dein Netzwerk noch klein. Und wenn dein Beitrag gut ankommt, überlege dir, ob du daraus ein Karussell machen könntest oder ihn aus einem anderen Blickwinkel nochmal aufbereitest.
Eines nach dem anderen. Nicht alles auf einmal.
Im LinkedIn-Coaching zeige ich dir, welche Themen dich als Expertin positionieren, wie du Posts schreibst, die nach dir klingen – nicht nach KI – und wie du ein System aufbaust, das zu deinem Leben passt, nicht umgekehrt.
Mehr zum LinkedIn-CoachingLinkedIn ist keine Glücksmaschine, in die du Posts wirfst und hoffst, dass was herauskommt. Es ist ein System und wer das System versteht, wird sichtbar. Nicht über Nacht, aber verlässlich.
Die acht Strategien aus diesem Artikel sind keine Theorie. Es sind Dinge, die ich auf Kundenaccounts und in meiner eigenen Praxis beobachtet habe — mit allem, was dazugehört: den Erfolgen, aber auch den Phasen, in denen man selbst nicht konsequent ist.
Das Wichtigste ist: Fang an und gehe raus. Leute wollen Dinge von dir hören, weil deine Art, Werte und Erfahrung einzigartig sind.