
Du weißt, dass du dich auf Social Media zeigen solltest. Aber jedes Mal, wenn du einen Post schreiben willst, kommt diese Stimme: Ist das zu viel? Muss ich mein Privatleben ausbreiten, um „authentisch" zu sein?
Die kurze Antwort: Nein.
Authentizität heißt nicht, alles zu zeigen – sondern bewusst zu entscheiden, was du teilst und was nicht. Und genau diese Unterscheidung zwischen persönlich und privat fehlt in den meisten Social-Media-Ratgebern.
Jeder Social-Media-Ratgeber sagt dir: „Sei authentisch." Super. Aber keiner sagt dir, was das konkret heißt, wenn du Mitte 40 bist, nicht vor der Kamera aufgewachsen bist und dein erstes Handy nur telefonieren und SMS schreiben konnte.
Ich kenne das Internet noch aus der Zeit, als es Bücher gab, in denen alle Website-Adressen abgedruckt waren. Und soziale Netzwerke aus ihrer Anfangszeit, als diese noch deutlich weniger Funktionen hatten und es auch nicht so einfach war, Content zu erstellen. Wenn du das auch kennst, dann hast du ein anderes Verhältnis zu dem, was öffentlich ist und was nicht. Und das ist kein Defizit – das ist Lebenserfahrung.
Jüngere sind mit dem Handy und Social Media aufgewachsen. Die haben weniger Berührungsängste, denken manchmal auch nicht so viel über Datenschutz nach. Das ist okay – die gehen da lockerer rein. Aber wenn du 40+ bist, darfst du da anders rangehen. Du musst nicht so tun, als wärst du 25 und hättest kein Problem damit, dein Mittagessen, deine Stimmung und deinen Beziehungsstatus ins Internet zu stellen.
Also: Was bedeutet Authentizität denn nun wirklich?
Es bedeutet nicht, deine Ehe zu zeigen, deine Kinder zu posten, deine politische Meinung rauszuhauen oder über Religion und Sexualität zu diskutieren. All das sind Dinge, die du einem Fremden auf der Straße auch nicht erzählen würdest.
Es bedeutet: Zeigen, wie du denkst. Wie du arbeitest. Was dich antreibt. Wofür du stehst – fachlich und menschlich. In deiner Sprache sprechen, nicht in Marketing-Deutsch. Das reicht. Und das ist mehr als genug.
Die Zahlen geben dem übrigens recht: Laut dem Edelman Trust Barometer 2025 sagen 81% der Befragten, dass sie einer Marke erst vertrauen müssen, bevor sie kaufen. 73% vertrauen Marken mehr, die authentisch auftreten. Authentizität baut Vertrauen auf – und Vertrauen bringt Kunden. Aber Authentizität heißt eben nicht Intimität.
Das ist die Unterscheidung, die dir fast kein Social-Media-Kurs beibringt, die aber alles verändert.
Persönlich ist alles, was dich als Mensch zeigt – deine Art zu denken, deine Werte, deine Umgebung, deine Vorlieben, dein Humor, dein Stil. Das sind Dinge, die du auch Kolleginnen erzählen würdest, Bekannten, Menschen auf einer Netzwerkveranstaltung. Das ist das, was Verbindung schafft.
Privat ist alles, was du nur mit engen Vertrauten teilst – oder mit niemandem. Deine Beziehungsprobleme, dein Gesundheitszustand, Familienkonflikte, deine finanzielle Situation. Das geht niemanden etwas an, und schon gar nicht das Internet.
Ich habe für mich eine Richtlinie, die mich seit Jahren begleitet: Was ich nicht morgen auf der Titelseite der Bild lesen möchte, gehört nicht ins Internet. Oldschool? Vielleicht. Aber es funktioniert als Leitplanke, weil es sofort klar macht, wo die Grenze liegt.
Hier ein paar Beispiele, damit das greifbar wird.
Persönlich – kannst du teilen:
Privat – muss nicht raus:
Eheprobleme, Familienstreit, politische Überzeugungen unter deinem echten Namen, religiöse Ansichten, deine Sexualität, Gesundheitsdetails, die du nicht freiwillig mit Fremden teilen würdest. All das mag vielleicht Oldschool klingen, aber ich diskutiere im Netz unter meinem Namen nicht über Politik, nicht über Religion, nicht über Sexualität. Ich würde es ja auch nicht jedem Fremden sofort auf die Nase binden, was ich dazu denke.
Und hier kommt ein Punkt, den viele vergessen: Du weißt nicht, wer deine Posts liest. Du postest nicht in einer geschlossenen Gruppe.
Es kann jeder lesen – von Arbeitskollegen über ehemalige Kunden bis hin zu deinem Nachbarn und deinen zukünftigen Kundinnen. Also: Teile das, was du auch einem sympathischen Fremden auf einer Konferenz erzählen würdest. Den Rest behältst du für die Menschen, die dir nah sind.
In meinem LinkedIn-Coaching erarbeiten wir gemeinsam, wie du dich persönlich zeigst, ohne dein Privatleben auszubreiten – und wie dein Content die richtigen Menschen anzieht. Und wenn du lieber abgibst: Ghostwriting ist auch eine Option.
LinkedIn-Coaching & Ghostwriting entdeckenJetzt denkst du vielleicht: Okay, wenn ich nicht alles zeigen muss – warum soll ich dann überhaupt etwas Persönliches teilen? Kann ich nicht einfach nur fachliche Inhalte posten?
Kannst du. Aber dann bist du austauschbar.
Die Art, wie du dich kleidest, die Art, wie du sprichst, welche Worte du benutzt – das zieht bestimmte Menschen an und stößt andere ab. Und beides ist gut.
Es gibt Begriffe, von denen fühle ich mich total abgestoßen. Wenn mein Gegenüber dieses halbe Englisch spricht – also Mindset hier, Next Level dort, Growth Hacking überall – da renne ich. Das ist nicht meins. Und wiederum andere sagen: „Hey, genau so spreche ich auch! Wir sind auf einer Ebene."
Beides spart Energie. Besonders die Abstoßung. Denn jede potenzielle Kundin, die vorher merkt „Das passt nicht", ist ein Vorgespräch weniger, bei dem du nach zehn Minuten denkst: „Boah, nee, das wird nichts."
Wenn du dich persönlich zeigst, passiert Folgendes: Deine Zielgruppe erkennt sich in dir wieder. Menschen buchen dich, weil sie dich schon „kennen", bevor sie das erste Gespräch mit dir führen. Die Passung stimmt von Anfang an. Und gerade für Coaches 40+ ist das Gold wert: Schicksalsschläge, Umbrüche, Neuanfänge – deine Zielgruppe kennt das alles. Wenn du darüber sprichst, resoniert das, weil es echt ist.
Wenn du dich dagegen gar nicht zeigst, weiß niemand, ob die Chemie stimmen würde. Du bekommst Anfragen von Menschen, die nicht zu dir passen. Deine Texte klingen generisch und könnten von jeder kommen.
Eine Studie im Journal of Consumer Behaviour (2024) hat genau das untersucht: Zu viel Privates – also Oversharing – senkt die Glaubwürdigkeit. Aber ein bewusstes Maß an persönlicher Information erhöht Vertrauen und die Bereitschaft, bei jemandem zu kaufen. Der Sweet Spot liegt nicht bei „alles zeigen" oder „nichts zeigen", sondern bei: zeigen, was echt ist und zur Verbindung beiträgt.
Oder anders gesagt: Du musst nicht nackt durch die Fußgängerzone laufen, um als echt wahrgenommen zu werden. Aber ab und zu den Mantel aufknöpfen – das hilft.
Keine Checkliste. Sondern fünf Fragen, die du dir vor jedem persönlichen Post stellen kannst. Die sortieren zuverlässig, was raus darf und was nicht.
Wenn ja: teilen. Wenn nein: lass es. Diese eine Frage sortiert 80% aller Grenzfälle. Du triffst jemanden auf einer Veranstaltung, ihr versteht euch, kommt ins Gespräch – was würdest du erzählen? Genau das gehört auf Social Media. Was du nicht erzählen würdest, bleibt privat.
Persönliche Posts brauchen einen Bezug zu deinem Thema. „Ich hatte ein schwieriges Jahr" ist privat und gehört in ein Tagebuch. „Ich hatte ein schwieriges Jahr – und dabei gelernt, dass mein Content-System genau dann getragen hat, als ich keine Energie zum Posten hatte" ist persönlich mit Mehrwert.
Der Unterschied: Deine LeserInnen nimmt etwas mit.
Wenn ein Thema noch wehtut, gehört es noch nicht auf Social Media. Poste über Dinge, die du verarbeitet hast – nicht über offene Wunden.
Das Internet ist kein Therapieraum, und deine Follower sind nicht deine Therapeuten. Irgendwann kannst du darüber sprechen, aus der Rückschau, mit Abstand. Aber nicht mitten im Schmerz.
Die Bild-Zeitungs-Regel. Arbeitgeber, Ex-Kunden, potenzielle Geschäftspartner – die können das alles lesen. Religion, Politik, Sexualität unter deinem echten Namen zu diskutieren, ist eine bewusste Entscheidung, keine Pflicht. Und es ist völlig in Ordnung, das nicht zu tun.
Der Unterschied zwischen Identität und Schicksal. „Ich bin jemand, der nach Rückschlägen aufsteht und weitermacht" ist Identität – das sagt etwas über dich als Coach und als Mensch. „Letztes Jahr lag ich drei Monate flach" ist Schicksal – und muss nicht ins Detail gehen, es sei denn, du hast daraus eine Erkenntnis gemacht, die deiner Zielgruppe hilft.
Falls du beim Lesen dieser Fragen denkst: „Ja, aber wer will denn überhaupt etwas über mich wissen?" – dann lies meinen Artikel über das Imposter-Syndrom im Marketing. Spoiler: Deine Zielgruppe will das. Und sie braucht das sogar, um dir zu vertrauen.
Keine Namen, aber Muster. Denn die Muster sind das, was du für dich übernehmen kannst.
Die Umgebungs-Coachin. Nimmt alle Videos in ihrem Garten auf. Du siehst nie ihre Wohnung, nie ihre Familie, aber du weißt genau: Das ist eine Frau, die gerne draußen ist, die Ruhe braucht, die bodenständig denkt. Das reicht. Du hast ein Bild von ihr, ohne dass sie dir etwas Privates gezeigt hat.
Die Klartext-Beraterin. Teilt Meinungen zu ihrem Fachthema, hat eine klare Sprache, sagt auch mal, was sie nicht gut findet. Aber: null Privates. Keine Kinder, kein Partner, keine Politik. Trotzdem ist sie hundert Prozent authentisch, weil ihre Haltung durchkommt – in jedem einzelnen Post. Du weißt genau, wofür sie steht, ohne irgendetwas über ihr Privatleben zu wissen.
Die Geschichten-Erzählerin. Teilt berufliche Wendepunkte, spricht über ihren Karrierewechsel mit Ende 40, über Zweifel und Neuanfänge. Alles persönlich – nichts privat. Die Grenze? Sie spricht über Erfahrungen, die sie verarbeitet hat. Nicht über offene Baustellen. Und sie verbindet jede Geschichte mit einer Erkenntnis, die für ihre Zielgruppe relevant ist.
Was alle drei gemeinsam haben: Sie haben ihre Linie definiert und halten sie durch. Sie zeigen Persönlichkeit über Stil, Sprache und Haltung – nicht über private Details. Und sie sind wiedererkennbar, ohne ihr Privatleben auszubreiten.
Du musst nicht alle drei gleichzeitig sein. Such dir den Typ, der dir am nächsten liegt, und mach das zu deinem Ansatz. Und wenn du noch nicht sicher bist, welche Plattform zu welchem Typ passt, schau dir meinen Artikel „Zu alt für Social Media?" an – dort habe ich das für jede Plattform aufgeschlüsselt.
Manchmal fehlt nicht die Bereitschaft, sich zu zeigen – sondern der richtige Rahmen dafür. In meinem LinkedIn-Coaching finden wir gemeinsam deine persönliche Linie: Was du teilst, wie du es formulierst und welcher Stil zu dir passt. Oder ich übernehme das Schreiben für dich – als Ghostwriterin, in deiner Stimme.
LinkedIn-Coaching & Ghostwriting ansehenDie Kurzfassung: Persönlich und privat sind zwei verschiedene Dinge. Authentizität heißt nicht, alles zu zeigen – sondern echt zu sein in dem, was du zeigst. Was du teilst, zieht die richtigen Menschen an und stößt die falschen ab. Beides ist gut und spart dir Energie.
Deine Grenze ist genau richtig, solange du sie bewusst gezogen hast. Die Bild-Zeitungs-Regel funktioniert immer noch. Und wenn du unsicher bist, frag dich: Würde ich das einem sympathischen Fremden auf einer Konferenz erzählen?
Du musst auf Social Media nicht dein Privatleben ausbreiten, um als Coachin sichtbar zu werden. Zeig, wie du denkst. Zeig, wie du arbeitest. Zeig, wofür du stehst. Den Rest behältst du für die Menschen, die dir nah sind. Das ist keine Schwäche – das ist eine gesunde Grenze. Und es ist mehr als genug, um die richtigen Kundinnen zu finden.
Total entspannt: Du entscheidest, wo deine Grenze ist. Und niemand sonst.
Du willst wissen, wie du LinkedIn so nutzt, dass deine Persönlichkeit durchkommt, ohne dass du dich unwohl fühlst? Ich zeige dir wie – im Coaching oder als deine Ghostwriterin.
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